Leonhard Dingwerth: Sammeln von Papier-Antiquitäten

Wer erinnert sich noch an die Oblaten (Glanzbilder), die in Stammbücher und später in Poesiealben geklebt wurden? Wer hat nicht schon einmal angefangen, Bierdeckel, Zündholzetiketten, Weinetiketten zu sammeln? Ältere Leserinnen und Leser von DruckSchrift hatten Sammeln Papier-Antiquitätenmöglicherweise auch schon einmal Notgeld-Scheine in der Hand. Oder Kaufmannsbilder, die Händler beim Kauf bestimmter Artikel als Zugabe mit einpackten?

Diese eher alltäglichen Dinge, die meist in großer Auflage produziert und vielfach achtlos weggeworfen oder in einer Kiste auf dem Dachboden landeten und dort vergessen wurden, werden heute gern gesammelt. Wer regelmäßig bei DruckSchrift vorbeischaut, weiß, dass ich zum Beispiel ein Faible für Reklamemarken habe, also Marken, die ursprünglich zum Verschließen von Briefen gedacht waren und sich wunderbar als kleine Werbeträger eigneten.

Leonhard Dingwerth, der Autor und Verleger des Heftes, das ich hier vorstellen möchte, ist selbst leidenschaftlicher Sammler. Sämtliche Abbildungen (und davon gibt es sehr viele) stammen aus seinem Archiv. Er weiß also, wovon er schreibt.

Das 32 Seiten umfassende Heft ist eine gute Einführung in die oben angesprochenen Sammelgebiete. Ein Appetitmacher. Mehr kann auf so wenig Raum nicht geleistet werden. Wer sich, jetzt vielleicht neugierig geworden, erst einmal einen Überblick über einige der Varianten von Papier-Antiquitäten verschaffen will, ist mit der Broschüre gut bedient.

Ach ja: Papier-Antiquitäten, insbesondere Sammelbilder und Reklamemarken, sind – natürlich – ein Spiegel ihrer Zeit. Wir haben es hier mit Werbeträgern aus, ganz grob gesagt, den ersten dreissig, vierzig Jahren des vorigen Jahrhunderts zu tun. Das muss man wissen, wenn man sich zum Beispiel vergegenwärtigt, welches Frauenbild darauf vermittelt wird. Da ich den Autor dieser Broschüre nicht näher kenne, versuche ich mich mal in einer positiven Interpretation: In seinen Hinweisen zum Aufbau einer Spezialsammlung von Reklame-Sammelbildern nimmt Dingwerth Unterteilungen in Sachgruppen vor. Unter „Bilder zur Belustigung und Erbauung“ findet sich unter Punkt 03: „Mädchen und Frauen, Tänzerinnen“. Schluck. Ich hoffe, Dingwerth gibt nur die Auffassung einer Zeit wieder, die wir mittlerweile hinter uns gelassen haben. Noch nicht alle. Aber viele.

Leonhard Dingwerth
Sammeln von Papier-Antiquitäten
Verlag LDD Exclusiv UG, Spenge 2014, 32 Seiten, 13,90 EUR

Neues Nebenblog: DruckerMarken

Wer DruckSchrift verfolgt, kennt mein Faible für Reklamemarken. Besonders interessieren mich Sammelstücke, die zu den Themen meines Blogs passen: Buch | Papier | Schreiben | Lesen. Und hier wiederum sind es vorzugsweise Werbemarken, die von Druckereien herausgegeben wurden.

In den letzten Wochen habe ich damit begonnen, solche (und thematisch angrenzende) Reklamemarken in einem neuen Blog mit dem Namen DruckerMarken vorzustellen. Die Marken sind alphabetisch nach Firmen kategorisiert, und so könnte mit der Zeit eine umfassende Übersicht – das Wort Enzyklopädie möchte ich erst gar nicht verwenden – von druckenden und papierverarbeitenden Unternehmen entstehen, die sich im Zeitraum vom Ende des 19. bis zum ersten Drittel des 20. Jahrhunderts des Werbemediums Reklamemarke bedient haben. Aber bis dahin wird noch viel Zeit vergehen. Egal. Zunächst steht jedenfalls der Spaßfaktor ganz oben an.

Sofern überhaupt weitere Informationen über das betreffende Unternehmen zur Verfügung stehen, werde ich die noch recht spärlichen Erläuterungen nach und nach ergänzen.

Vielleicht habt Ihr Lust, mal reinzuschauen? Hier geht es zum Blog DruckerMarken. Von Zeit zu Zeit werden aber auch weiterhin in DruckSchrift interessante Sammelstücke präsentiert.

Reklamemarken: Luxuspapier und Sammelmarken-Verlag

Im Nachgang zur Vorstellung des Buches ABC des Luxuspapiers präsentiere ich heute zwei Reklamemarken, die in doppelter Hinsicht „passend“ sind.

Reklamemarken zählen zu diesen sog. Luxuspapieren, wie man früher veredeltes Papier, aber auch aus Papier hergestellte Gebrauchs- und/oder Sammelgegenstände bezeichnete.

Selbstverständlich nutzten auch die Produzenten von Reklamemarken selbst das Medium, um für ihre Artikel zu werben, so der Sammelmarken-Verlag Paul Hamburger:

Auf der folgenden Marke wirbt Betty Gabler aus Nürnberg für die in ihrem Geschäft angebotenen Artikel „Luxuspapier und Schreibwaren“:

Diese Reklamemarke ist übrigens ein Beispiel dafür, dass Motiv und beworbene Artikel nicht übereinstimmen müssen. Die Marke ist Teil einer Trachtenserie. Auf die Herstellung von Sammelmarken spezialisierte Druckereien haben gern Serien zu bestimmten Motiven aufgelegt, und kleinere Unternehmen, die sich die Herstellung eigener Marken nicht leisten konnten, hatten die Möglichkeit, kostengünstig ihre Werbung aufdrucken zu lassen. Ich vermute, dass es sich im „Fall Betty Gabler“ so verhalten hat.

Vielleicht war Betty Gabler sogar Kundin des Sammelmarken-Verlags Paul Hamburger? Beide waren in Nürnberg angesiedelt. Die Stadt war im übrigen – weit hinter Berlin, aber auch Leipzig – eines der Zentren der Luxuspapier-Herstellung.

Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers

Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930

Dieses – um es gleich zu sagen – wunderbare Buch ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Berliner Museum für Deutsche Volkskunde 1983/1984. Zielsetzung der Ausstellung war es,

Luxuspapier in seinen kultur-, wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtlichen Zusammenhängen zu zeigen. Durch diese umfassende Sicht wird der Versuch unternommen, eine kulturelle Randerscheinung, eine Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit, die nicht des Nachdenkens wert war, eben Luxuspapier, in den Griff zu bekommen.

Der heute aus unserem Sprachgebrauch verschwundene Begriff „Luxuspapier“ täuscht, denn es geht hier nicht um Papiere für die „oberen Zehntausend“. Die Definition war allerdings wohl schon immer ein Problem. Hatte man um 1860 darunter veredelte Papiere verstanden, begann man um die Jahrhundertwende auch „Luxusgegenstände“ aus Papier darunter zu verstehen.

Luxuspapier, das ist das Unerwartete dabei, ist keineswegs nur von der Oberschicht als Luxusträger und -verbraucher goutiert worden.

Neujahrsgrüße

Der Blick in das umfangreiche ABC macht rasch deutlich, um was es geht: die Präsentation reicht von Abziehbildern über Adventskalender bis zu Ansichtskarten, von Laternen über Lebkuchenbilder bis zu Menukarten, von Papierfächern über (die von mir so geliebten) Reklamemarken bis zu Spielkarten oder Widmungsbüchern. Es dürfte so ziemlich alles dabei sein, was Papierfans und Sammlern von Papierartikeln das Herz höher schlagen lässt.

Jede einzelne Präsentation, verfasst von Experten ihres jeweiligen Fachgebiets, erfolgt nach dem Schema Objektbeschreibung / Geschichte / Funktion / Herstellung / Hersteller / Sammlungen / Quellen und Literatur. Damit ist „Das ABC des Luxuspapiers“ ein (nach meiner Kenntnis) einzigartiges und unentbehrliches Nachschlagewerk.

Die umfangreiche Einführung in die Thematik „Luxuspapier“ stammt aus der Feder von Christa Pieske. Sie beschäftigt sich darin nicht nur mit der Problematik der Definition (s.o.), sondern informiert gut verständlich über Vorläufer des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, Ausgestaltung durch Wort, Bild

Zigarrenkisten-Ausstattungen

und Ornament, Herstellung und Hersteller oder die wirtschaftliche Entwicklung des Luxuspapiers.

Mit der Präsentation auf der Weltausstellung in Wien 1873 wurde einhellig bestätigt, daß Deutschland nunmehr die Führung auf dem Luxpapier-Sektor erlangt habe; zwei Jahrzehnte zuvor hatte Frankreich diese Position inne.

Dankenswerterweise hat die Autorin sich auch des Themas „Soziale Frage“ angenommen. Vieles spricht dafür, dass sich soziale Fürsorge gerade in der Luxuspapier-Branche – um es vorsichtig auszudrücken –  stark in Grenzen gehalten hat. Kleinteilige, knifflige Materialien mit wenig Gewicht und Raumbedarf wurden vielfach in Heimarbeit am Familientisch gefertigt.

Papier-Christbaumschmuck

Fazit: Dieses Buch ist mehr als eine interessante Zusammenfassung der Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Luxuspapiers und eine alphabetische Übersicht über die unzähligen Produktvarianten. Es ist gleichzeitig auch ein wunderbares Bilderbuch, denn es enthält eine Unmenge an Abbildungen – schwarz-weiß im Text, Farbtafeln im Anschluss an das ABC. Allein das Blättern in diesem reich illustrierten Buch ist ein Vergnügen. In der Kombination Text / Bild ist es unschlagbar.

Wer neugierig auf die Autorin geworden ist und nähere Informationen über Christa Pieske sucht, findet sie bei Wikipedia.

Christa Pieske
unter Mitarbeit von Konad Vanja und anderen
Das ABC des Luxuspapiers
Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930
Dietrich Reimer Verlag Berlin, 379 Seiten

Reklamemarken: Meine „Sammelstückchen“ machen Karriere

Als ich „DruckSchrift“ startete, war mir erst gar nicht klar, dass meine kleine Sammlung von Reklamemarken ein Blog-Thema werden könnte. Weder hier noch anderswo. Aber dann fiel mir die Marke, die für eine Ex-Libris-Ausstellung 1913 in Wien wirbt, in die Hände, und ich erkannte, dass Reklamemarken sehr gut zu diesem und in dieses Blog passen. Was ich da noch nicht ahnte, war, dass Petra Gust-Kazakos von Philea’s Blog auf genau diese Marke stoßen würde …

Der langen Rede kurzer Sinn: Es gibt in Petras schönem Blog eine Rubrik „Sammelstückchen“, und sie schlug mir vor, meine Reklamemarken-Sammlung dort vorzustellen. Das habe ich mir nicht zweimal sagen lassen. Hier geht es zur Präsentation, auf die meine Sammelstückchen mächtig stolz sind …

Reklamemarken: Papier und Schreibwaren

Einmal ist keinmal. Nach der Präsentation der Reklamemarke zur Ex Libris Ausstellung geht es deshalb munter weiter, und zwar mit der Vorstellung von gleich zwei  dieser hübschen kleinen Sammelobjekte.

Zu sehen ist die Reklamemarke, mit der die Fachausstellung der Papier- und Schreibwarenhändler 1915 in Stuttgart beworben wurde.

Und auch der Nürnberger Großhändler und – später –  Papier- und Pappenhersteller M. Weinberg’s Nachf. hat sich einer Reklamemarke bedient, um für seine Produkte zu werben.

Ein wenig über die Geschichte des traditionsreichen Unternehmens (1851 gegründet) kann man hier nachlesen.

Reklamemarke Ex.Libris.Ausstellung

Reklamemarken waren früher beliebte Werbemittel. Sie wurden als Werbeträger für Firmen und Produkte ebenso eingesetzt wie für kulturelle und künstlerische Zwecke. Längst sind die kleinen Papiere, die an Briefmarken erinnern, aber normalerweise größer sind als diese, beliebte Sammelobjekte.

DruckSchrift stellt heute – zur Thematik des Blogs passend – eine Reklamemarke vor, die für die Ex Libris-Ausstellung im Frühjahr 1913 in Wien wirbt. Veranstalter war die Österreichische Ex-Libris-Gesellschaft.