Patrick Colcomb: Carnets Marseillais – Marseilles Sketchbook

[Mit dem Skizzenbuch unterwegs 1]

Während ich mit Spannung und einer gewissen Unruhe auf die Wahlergebnisse der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich heute abend warte, blättere ich durch Patrick Colcombs schönes Marseiller Skizzenbuch. Es ist bereits 2002 erschienen, ein ganzes Stück weg also von den Problemen und Bedrohungen, mit denen sich Frankreich und große Teile der Welt heutzutage konfrontiert sehen. „Patrick Colcomb: Carnets Marseillais – Marseilles Sketchbook“ weiterlesen

Hanns-Josef Ortheil: Schreiben auf Reisen

Die Reihe scheint sich gut zu verkaufen. „Schreiben auf Reisen“ ist der 5. Band, der vom Duden Verlag unter „Kreatives Schreiben“ publiziert wurde. Schreiben dicht am Leben und Schreiben Tag für Tag sowie Schreiben unter Strom habe ich im Laufe der letzten Monate hier auf DruckSchrift schon Schreiben auf Reisenvorgestellt. Inzwischen liegt auch schon wieder ein weiteres Bändchen unter der Überschrift „Schreiben über mich selbst“ vor. Wie lange, so frage ich mich, wird man diese Ausdifferenzierung wohl noch fortführen? Bei „Schreiben auf Reisen“ habe ich den Eindruck, dass man sich mittlerweile im Kreis zu drehen beginnt, dass es zwischen den einzelnen Veröffentlichungen zunehmend zu Überschneidungen kommt, wie die sich mehrenden Verweise im Text auf frühere Publikationen der von Ortheil herausgegebenen, aber nicht durchgehend von ihm selbst geschriebenen  Reihe belegen.

Dennoch: auch „Schreiben auf Reisen“ habe ich wieder gern gelesen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Hanns-Josef Ortheil gut schreiben, ja manchmal wunderbar formulieren kann (leider merkt man das den meist öden Vorworten nicht an).

Der Aufbau entspricht exakt den früheren Bänden: es geht immer um Textprojekte mit anschließenden Schreibaufgaben. Als Vorbilder dienen bedeutende Schriftsteller, anhand von deren Werken eine bestimmte Art zu Schreiben vorgestellt wird. Bei „Schreiben auf Reisen“ beginnt es mit Vorübungen: Raumerkundung durch Spaziergänge, Flanieren, Wandern. Dann geht es um „richtiges“ Reisen: vom Reisetagebuch über das frei geführte zum thematisch geführten Notizbuch; von der Ansichtskarte über mediales bis zum ethnologischen Schreiben; vom Reisebericht über die Reiseerzählung bis zum Reiseroman.

Anregungen und Übungen zum eigenen Schreiben auf Reisen findet man also reichlich.

Mein persönlicher Gewinn lag bei der Lektüre von „Schreiben auf Reisen“ wie bei der von früheren Bänden (s.o.) in hohem Maße darin, dass ich auf viele Autoren gestoßen bin, die ich bisher nicht oder kaum kannte; dass ich neugierig auf sie und ihre Werke, auch auf ihre Art zu Schreiben geworden bin. Insofern kann man – wie ich – die Reihe „Kreatives Schreiben“ auch als Fundgrube verstehen und nutzen.

Hanns-Josef Ortheil
Schreiben auf Reisen
Wanderungen, kleine Fluchten und große Fahrten – Aufzeichnungen von unterwegs
Duden Verlag Mannheim 2012, 160 Seiten, 14,95 EUR