Norbert Langenbach: Weihnachtskrippen aus Papier

Ein Streifzug durch die Welt der Papierkrippen

Früher waren es „Arme-Leute-Krippen“, heute sind es echte und bei Sammlern gefragte „Schätzchen“. Seit ihrer Entstehung am Ende des 18. Jahrhunderts waren Papierkrippen eine beliebte Form der Weihnachtskrippenweihnachtlichen Dekoration. Und sie sind es wohl auch heute noch. Stöbert man im Internet, trifft man auf schöne Nachdrucke berühmter Vorlagen, etwa der Neuruppiner Krippenbögen oder der Original-Papierkrippe (1830/35) des Tirolers Josef Führich.

In diesem von Norbert Langenbach zusammengestellten Bändchen finden wir wunderschöne Exemplare unterschiedlichster „Bauart“ und Herkunft. Der Autor präsentiert Krippenbögen aus Papier, Papierkrippen auf Sperrholz, Klapp- oder Faltkrippen, Krippenbücher und Krippenfiguren aus Pappmaché. Die Exponate stammen aus Deutschland, verschiedenen Ländern Europas, eine Faltkrippe neuerer Zeit sogar von den Philippinen. Auffallend stark sind neben dem deutschen Neuruppin (das  d a s   Zentrum der Bilderbogenproduktion überhaupt war)  auch Tschechien und Tirol (Österreich)  bzw. Südtirol (Italien) vertreten.

Krippenbogen Neuruppin
Zu jeder vorgestellten Krippe (eine pro Seite) gibt es, soweit verfügbar, Basisinformationen (Herkunft, Alter, Künstler, Land). Und: längst nicht jede ist alt; wir stoßen immer wieder auf Beispiele, die zeigen, dass auch zeitgenössische Künstler sich der Schaffung und Gestaltung von Krippen aus Papier widmen.

Motivkrippe 1930

Das Bändchen lässt sich gut verschenken (nächstes Jahr Weihnachten vielleicht?). Es ist nicht nur für religiös angehauchte Menschen interessant, sondern für alle, die sich für Arbeiten aus Papier, Papierantiquitäten, die sog. Luxuspapiere (die trotz ihres pompösen Namens für den Alltagsgebrauch bestimmt waren) begeistern können.

Erschienen ist es im Husum Verlag, dessen Produktion stark auf volkskundliche Publikationen und Regionalia ausgerichtet ist. Hier kann man auch die Neuruppiner Bilderbogen zu unterschiedlichen Themen erwerben. Auch das schöne (aber wohl nur noch antiquarisch erhältliche) Buch „Schätze in Papier“, das DruckSchrift hier vorgestellt hat, ist im Husum Verlag erschienen.

Norbert Langenbach
Weihnachtskrippen aus Papier
Husum Verlag 2006, 83 Seiten, 12,95 EUR

Li Hongbo: Papierkünstler

Da staunt man nicht schlecht, wenn man die flexiblen Papierskulpturen sieht, die der chinesische Papierkünstler Li Hongbo kreiert. Als früherer Buchherausgeber und Designer begann er, sich mit Papier, Papierqualitäten, Papiereigenschaften zu beschäftigen. Das Ergebnis ist frappierend.

Man mag auf den ersten Blick kaum glauben, dass es sich bei Li Hongbo’s so robust erscheinenden Skulpturen um Werke aus Papier handelt.

Auf www.ufunk.net gibt’s noch mehr zu sehen. Viel Spaß!

Jason Thompson: Kunst aus Büchern

28 Projekte für spielerisches Recycling

Keine Angst – niemand braucht seine Lieblingsbücher zu opfern. Aber ohne Bücher geht es nun einmal nicht bei dieser Art von künstlerischem Schaffen. Sie sind das Ausgangsmaterial. Die Beispiele auf dem Cover zeigen deutlich, was angesagt ist. Durch Falten, Rollen, Zerlegen und Heften entstehen Objekte, die mit dem ursprünglichen Buch nichts mehr gemein haben.

Kunst aus BüchernKunst aus Büchern zu schaffen ist eine schöne Verwertungsmöglichkeit für aussortierte Bücher – seien es eigene, aus Bibliotheken ausgemusterte oder Flohmarkt-Exemplare. Im Prinzip eignet sich jedes Buch als Grundstoff für die Schaffung von Objekten, wobei alte illustrierte Bücher vermutlich zu besonders reizvollen Ergebnissen führen.

Dazu bietet das Buch des Amerikaners Jason Thompson viele Anregungen. Doch bevor man sich in die praktische Arbeit stürzt und sich voller Elan daranmacht, Bücher zwecks Schaffung von Kunstobjekten auseinanderzunehmen, sollte man erst einmal das kurze Eingangskapitel lesen. Hier stellt der Autor die  benötigten Materialien und Werkzeuge vor – die Anforderungen sind weder groß noch kostspielig. Dann werden noch kurz die einzelnen Bestandteile eines Buches beschrieben. Danach geht es gleich an die künstlerische Arbeit. Schritt für Schritt wird erläutert, wie man Taschenbuch-Postkarten herstellt, Brieftaschen aus Buchhüllen, Papierhäuschen aus Büchern, Papierblüten , Dekokugeln aus Papierstreifen, Buchmobiles, Wall-Art-Rahmen oder handgeformte Buchobjekte. Insgesamt werden 28 mögliche Projekte vorgestellt, aber der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Sehr schön ist, dass man auch Werke von Meistern dieser Art von Buchkunst studieren und sich bei ihnen viele Anregungen für die eigene Arbeit holen kann. Das 3. Kapitel präsentiert nämlich in einer Art Galerie unter dem Titel „Bücher neu konzipieren“ auf jeweils einer Seite insgesamt 35 Papierkünstler/innen mit Beispielen aus deren Schaffen. Einer von ihnen ist der  Buchautor selbst: Thompson weiß, worüber er schreibt. Er ist, so lesen wir auf dem Umschlagtext, Gründer der Rag & Bone Buchbinderei, „die sich der Herstellung einzigartiger, handgebundener Bücher und Alben für den Verkauf in Geschenk- und Papeteriegeschäften verschrieben hat“.

Das im Buch befindliche Verzeichnis der Künstler enthält auch die Adressen von deren Homepages. Somit hat man ohne große eigene Recherche die Möglichkeit, sich auch dort umzusehen und sich inspirieren zu lassen. Und DruckSchrift hat sich vorgenommen, nach und nach einige der Buch-/Papierkünstler vorzustellen.

Jason Thompson
Kunst aus Büchern
28 Projekte für spielerisches Recycling
Haupt Verlag 2012, 152 Seiten, 24,90 EUR

Papierarbeiten von Marc Fichou

(c) Marc Fichou

In einer ganzen Reihe von Blogs kursieren in den letzten Tagen die „Origami-Tier-Kreationen“ von Marc Fichou. Fichou faltet Haie, Vögel, Füchse und andere Tiere aus einem bunten, quadratischen Stück Papier, und das Ergebnis ist beeindruckend.

Auf www.marcfichou.com kann man die Papierschöpfungen, aber auch andere Arbeiten des Künstlers (Videos, Installationen) ansehen.

Kurz-Info: Workshop „Paper Art“ im Gutenberg-Museum

Ein interessantes Angebot für Papier-Fans:

Paper Art – Papier schöpfen, gestalten, verändern

Workshop am 25./26. August mit Elli Weishaupt im Druckladen des Gutenberg-Museums in Mainz.

Teilnahmebeitrag 100 Euro pro Person (Voranmeldung erforderlich).

Einzelheiten unter www.gutenberg-museum.de.

Masahiro Chatani: Kunstwerke aus Papier

Von Meistern ihres Fachs gestaltete Papierobjekte faszinieren mich. Als ich kürzlich bei Ebay das Buch „Kunstwerke aus Papier“ mit Arbeiten des Japaners Masahiro Chatani für erfreulich wenig Geld ersteigerte, hatte ich vor allem etwas erwartet, das meine Schaulust befriedigt.

Nein, ich bin nicht enttäuscht. Es gibt in diesem Buch wirklich wunderbare Kunstwerke aus Papier zu bestaunen. Aber es wendet sich wohl weniger an die Schaulustigen als vielmehr an potenzielle „Nachbauer“. Und da es mit meiner Kunstfertigkeit nicht gerade weit her ist, wird mir beim Anschauen der „Bauanleitungen“ doch etwas mulmig. Ob mir das eine oder andere Kunstwerk gelingen wird? Na ja, ich muss es hier ja nicht vorstellen.

Dafür präsentiere ich aber um so lieber ein paar Arbeiten des Meisters höchstpersönlich.

Kugel
Weiße Kapelle
Palast auf dem Meeresgrund

Über den Künstler verrät das Buch kaum etwas. Dort ist nur vermerkt, dass er 1967 seinen Dr.Ing. machte und nacheinander Professuren in Washington und Tokio inne hatte. Im englisch-sprachigen Wikipedia bin ich aber fündig geworden. So weiß ich nach Lektüre des Artikels über „Origamic architecture“, welch wichtige Rolle Chatani, der 2008 im Alter von 74 Jahren verstorben ist, bei der Entwicklung der japanischen Papierkunst gespielt hat. Hier kann der Beitrag nachgelesen werden.

Es gibt in der Reihe „Kunstwerke aus Papier“ neben dem hier vorgestellten Band 1 noch zwei weitere Bände mit Werken von Chatani (2 und 4). Außerdem erschienen: Band 3 – Tomoko Fuse.

Kunstwerke aus Papier
Band 1: Masahiro Chatani
Verlag Orell Füssli
2. Auflage 1990
nur noch antiquarisch erhältlich