Luxuspapier, Buntpapier und Ephemera

Die Sammlung Helmut und Dr. Juliane Färber im Historischen Museum der Stadt Regensburg

Ich war schon versucht, die kleine Apotheken-Tüte wieder aus dem Altpapier herauszusuchen. Den Impuls verdankte ich dem Ehepaar Färber, über dessen Sammlung ich mich mithilfe des hier vorzustellenden Buches informieren wollte. „Luxuspapier, Buntpapier und Ephemera“ weiterlesen

Album auf: ein Blick in meine Reklamemarken-Sammlung

Na so was! Mir fällt gerade auf, dass ich schon lange keine zum Blog-Thema passenden Reklamemarken mehr vorgestellt habe. Das hole ich hiermit sofort nach.

Aus meiner kleinen Sammlung habe ich je eine Marke der Buchdruckerei Reusche und der Buchdruckerei/Buchbinderei Ad. G. Langer ausgewählt.

Reklamemarke BuchdruckereiReklamemarke Langer

 

 

 

 

 

 

 
 

Reklamemarken zählen zu den sog. Luxuspapieren, wie man früher veredeltes Papier, aber auch aus Papier hergestellte Gebrauchs- und/oder Sammelgegenstände bezeichnete. Sie waren vor allem Anfang des 20. Jahrhunderts beliebte Werbeträger für Firmen und Produkte. Genutzt wurden diese Marken, die an Briefmarken erinnern, oft aber deutlich größer sind, als Verschlussmarken für Briefe. Heute werden Reklamemarken nur noch selten eingesetzt. Die alten Stücke aber sind längst beliebte Sammelobjekte.

Norbert Langenbach: Weihnachtskrippen aus Papier

Ein Streifzug durch die Welt der Papierkrippen

Früher waren es „Arme-Leute-Krippen“, heute sind es echte und bei Sammlern gefragte „Schätzchen“. Seit ihrer Entstehung am Ende des 18. Jahrhunderts waren Papierkrippen eine beliebte Form der Weihnachtskrippenweihnachtlichen Dekoration. Und sie sind es wohl auch heute noch. Stöbert man im Internet, trifft man auf schöne Nachdrucke berühmter Vorlagen, etwa der Neuruppiner Krippenbögen oder der Original-Papierkrippe (1830/35) des Tirolers Josef Führich.

In diesem von Norbert Langenbach zusammengestellten Bändchen finden wir wunderschöne Exemplare unterschiedlichster „Bauart“ und Herkunft. Der Autor präsentiert Krippenbögen aus Papier, Papierkrippen auf Sperrholz, Klapp- oder Faltkrippen, Krippenbücher und Krippenfiguren aus Pappmaché. Die Exponate stammen aus Deutschland, verschiedenen Ländern Europas, eine Faltkrippe neuerer Zeit sogar von den Philippinen. Auffallend stark sind neben dem deutschen Neuruppin (das  d a s   Zentrum der Bilderbogenproduktion überhaupt war)  auch Tschechien und Tirol (Österreich)  bzw. Südtirol (Italien) vertreten.

Krippenbogen Neuruppin
Zu jeder vorgestellten Krippe (eine pro Seite) gibt es, soweit verfügbar, Basisinformationen (Herkunft, Alter, Künstler, Land). Und: längst nicht jede ist alt; wir stoßen immer wieder auf Beispiele, die zeigen, dass auch zeitgenössische Künstler sich der Schaffung und Gestaltung von Krippen aus Papier widmen.

Motivkrippe 1930

Das Bändchen lässt sich gut verschenken (nächstes Jahr Weihnachten vielleicht?). Es ist nicht nur für religiös angehauchte Menschen interessant, sondern für alle, die sich für Arbeiten aus Papier, Papierantiquitäten, die sog. Luxuspapiere (die trotz ihres pompösen Namens für den Alltagsgebrauch bestimmt waren) begeistern können.

Erschienen ist es im Husum Verlag, dessen Produktion stark auf volkskundliche Publikationen und Regionalia ausgerichtet ist. Hier kann man auch die Neuruppiner Bilderbogen zu unterschiedlichen Themen erwerben. Auch das schöne (aber wohl nur noch antiquarisch erhältliche) Buch „Schätze in Papier“, das DruckSchrift hier vorgestellt hat, ist im Husum Verlag erschienen.

Norbert Langenbach
Weihnachtskrippen aus Papier
Husum Verlag 2006, 83 Seiten, 12,95 EUR

Reklamemarken: Luxuspapier und Sammelmarken-Verlag

Im Nachgang zur Vorstellung des Buches ABC des Luxuspapiers präsentiere ich heute zwei Reklamemarken, die in doppelter Hinsicht „passend“ sind.

Reklamemarken zählen zu diesen sog. Luxuspapieren, wie man früher veredeltes Papier, aber auch aus Papier hergestellte Gebrauchs- und/oder Sammelgegenstände bezeichnete.

Selbstverständlich nutzten auch die Produzenten von Reklamemarken selbst das Medium, um für ihre Artikel zu werben, so der Sammelmarken-Verlag Paul Hamburger:

Auf der folgenden Marke wirbt Betty Gabler aus Nürnberg für die in ihrem Geschäft angebotenen Artikel „Luxuspapier und Schreibwaren“:

Diese Reklamemarke ist übrigens ein Beispiel dafür, dass Motiv und beworbene Artikel nicht übereinstimmen müssen. Die Marke ist Teil einer Trachtenserie. Auf die Herstellung von Sammelmarken spezialisierte Druckereien haben gern Serien zu bestimmten Motiven aufgelegt, und kleinere Unternehmen, die sich die Herstellung eigener Marken nicht leisten konnten, hatten die Möglichkeit, kostengünstig ihre Werbung aufdrucken zu lassen. Ich vermute, dass es sich im „Fall Betty Gabler“ so verhalten hat.

Vielleicht war Betty Gabler sogar Kundin des Sammelmarken-Verlags Paul Hamburger? Beide waren in Nürnberg angesiedelt. Die Stadt war im übrigen – weit hinter Berlin, aber auch Leipzig – eines der Zentren der Luxuspapier-Herstellung.

Christa Pieske: Das ABC des Luxuspapiers

Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930

Dieses – um es gleich zu sagen – wunderbare Buch ist das Begleitbuch zur gleichnamigen Ausstellung im Berliner Museum für Deutsche Volkskunde 1983/1984. Zielsetzung der Ausstellung war es,

Luxuspapier in seinen kultur-, wirtschafts-, technik- und sozialgeschichtlichen Zusammenhängen zu zeigen. Durch diese umfassende Sicht wird der Versuch unternommen, eine kulturelle Randerscheinung, eine Alltäglichkeit und Selbstverständlichkeit, die nicht des Nachdenkens wert war, eben Luxuspapier, in den Griff zu bekommen.

Der heute aus unserem Sprachgebrauch verschwundene Begriff „Luxuspapier“ täuscht, denn es geht hier nicht um Papiere für die „oberen Zehntausend“. Die Definition war allerdings wohl schon immer ein Problem. Hatte man um 1860 darunter veredelte Papiere verstanden, begann man um die Jahrhundertwende auch „Luxusgegenstände“ aus Papier darunter zu verstehen.

Luxuspapier, das ist das Unerwartete dabei, ist keineswegs nur von der Oberschicht als Luxusträger und -verbraucher goutiert worden.

Neujahrsgrüße

Der Blick in das umfangreiche ABC macht rasch deutlich, um was es geht: die Präsentation reicht von Abziehbildern über Adventskalender bis zu Ansichtskarten, von Laternen über Lebkuchenbilder bis zu Menukarten, von Papierfächern über (die von mir so geliebten) Reklamemarken bis zu Spielkarten oder Widmungsbüchern. Es dürfte so ziemlich alles dabei sein, was Papierfans und Sammlern von Papierartikeln das Herz höher schlagen lässt.

Jede einzelne Präsentation, verfasst von Experten ihres jeweiligen Fachgebiets, erfolgt nach dem Schema Objektbeschreibung / Geschichte / Funktion / Herstellung / Hersteller / Sammlungen / Quellen und Literatur. Damit ist „Das ABC des Luxuspapiers“ ein (nach meiner Kenntnis) einzigartiges und unentbehrliches Nachschlagewerk.

Die umfangreiche Einführung in die Thematik „Luxuspapier“ stammt aus der Feder von Christa Pieske. Sie beschäftigt sich darin nicht nur mit der Problematik der Definition (s.o.), sondern informiert gut verständlich über Vorläufer des 18. und frühen 19. Jahrhunderts, Ausgestaltung durch Wort, Bild

Zigarrenkisten-Ausstattungen

und Ornament, Herstellung und Hersteller oder die wirtschaftliche Entwicklung des Luxuspapiers.

Mit der Präsentation auf der Weltausstellung in Wien 1873 wurde einhellig bestätigt, daß Deutschland nunmehr die Führung auf dem Luxpapier-Sektor erlangt habe; zwei Jahrzehnte zuvor hatte Frankreich diese Position inne.

Dankenswerterweise hat die Autorin sich auch des Themas „Soziale Frage“ angenommen. Vieles spricht dafür, dass sich soziale Fürsorge gerade in der Luxuspapier-Branche – um es vorsichtig auszudrücken –  stark in Grenzen gehalten hat. Kleinteilige, knifflige Materialien mit wenig Gewicht und Raumbedarf wurden vielfach in Heimarbeit am Familientisch gefertigt.

Papier-Christbaumschmuck

Fazit: Dieses Buch ist mehr als eine interessante Zusammenfassung der Kultur-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte des Luxuspapiers und eine alphabetische Übersicht über die unzähligen Produktvarianten. Es ist gleichzeitig auch ein wunderbares Bilderbuch, denn es enthält eine Unmenge an Abbildungen – schwarz-weiß im Text, Farbtafeln im Anschluss an das ABC. Allein das Blättern in diesem reich illustrierten Buch ist ein Vergnügen. In der Kombination Text / Bild ist es unschlagbar.

Wer neugierig auf die Autorin geworden ist und nähere Informationen über Christa Pieske sucht, findet sie bei Wikipedia.

Christa Pieske
unter Mitarbeit von Konad Vanja und anderen
Das ABC des Luxuspapiers
Herstellung, Verarbeitung und Gebrauch 1860 – 1930
Dietrich Reimer Verlag Berlin, 379 Seiten