Die vielen Gesichter des Johannes G.

Wie hat Johannes Gutenberg eigentlich ausgesehen, der Mann, der mit seiner Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metalllettern eine neue Epoche der Buchgeschichte einleitete?

So wie auf dieser Gedenk-Postkarte? „Die vielen Gesichter des Johannes G.“ weiterlesen

Alan G. Thomas: Alte Buchkunst

Wenn ich einmal reich wär‘ – dann würde ich mir eine dieser wunderbaren mittelalterlichen, handkolorierten Schriften kaufen. Oder einen der frühen Drucke von Fust und Schöffer, die seinerzeit den überschuldeten Gutenberg „beerbt“ haben. Oder … Ich müsste dann allerdings schon sehr, sehr reich sein. Aber selbst dann würde es mit der Einkaufstour vermutlich nicht klappen. Etliche der in dem Buch, um das es hier geht, vorgestellten Bücher sind nur noch in ganz wenigen Exemplaren, manche aber auch nur noch einmal, der Nachwelt erhalten geblieben. Und wenn ich denn, ein Wunder vorausgesetzt, doch unversehens in den Besitz eines solchen Buches käme? Ich glaube, ich hätte viel zu viel Respekt, um es zu öffnen, zu lesen, damit zu arbeiten. Dann schaue ich sie mir letztlich doch lieber in Büchern über Buchkunst an. Wie in diesem hier.

Holzschnitt aus der Nürnberger Chronik von 1493

Alan G. Thomas‘ Buch über „Alte Buchkunst“ ist ein Klassiker unter den Einführungsbüchern in die Geschichte des Buches. Es ist mit 120 Seiten ein relativ dünnes Werk.  Da ist es kein Wunder, dass der Autor, selbst Antiquar, sich auf einige Schwerpunkte konzentrieren musste: In drei von vier Kapiteln befasst sich der  Engländer Thomas vor allem mit der Buchkunst seines Heimatlandes. Im Kapitel über die frühe Druckkunst kommt er aber an der deutschen Buchproduktion nicht vorbei. Wegen Gutenberg, wegen Fust und Schöffer, wegen Johann und Ulrich Zainer und vielen anderen Meistern der schwarzen Kunst.  Deutschland war lange Zeit Hochburg und Zentrum der Druckkunst und hat hervorragende Drucker, die gleichzeitig Verleger waren, hervorgebracht.

Zu jedem Abschnitt der Buchgeschichte stellt Thomas uns die Meisterwerke der Buchkunst vor. Er tut das gut verständlich und geht auch auf den historischen Kontext ein.

Aus dem Evangeliar von Kells

Die mittelalterlichen illuminierten Handschriften entstanden in einer Zeit, in der es nicht nur wenige Bücher gab, sondern die große Mehrzahl der Menschen weder lesen noch schreiben konnte. Die Bibel und Schriften der Kirchenväter, aber auch antike Schriften wurden von den Mönchen im Skriptorium ihres Klosters abgeschrieben. Als Meilensteine der englischen bzw. irischen Buchkunst aus dieser Zeit gelten das Evangeliar von Lindisfarne und das Evangeliar von Kells. Nach der Gründung von Universitäten vergrößerte sich der Bedarf an Büchern, und es entstanden auch kommerzielle Schreibwerkstätten.

Der Schlüssel zur Erfindung des Buchdrucks waren die beweglichen Lettern, die geniale Entwicklung von Johannes Gutenberg. Die Gutenberg-Bibel war das erste mit diesem neuen Verfahren gedruckte Buch. Drucker war allerdings nicht Gutenberg selbst. Der nämlich hatte sich für die Arbeit an der Entwicklung „seines“ Systems von dem Goldschmied Johann Fust Geld geliehen, das er nicht zurückzahlen konnte. So wurde Fust Eigentümer der Werkstatt und Gutenberg um die Früchte seiner Arbeit gebracht.

Dem Drucken mit beweglichen Lettern ging die Herstellung von Blockbüchern voraus, die mit ganzseitigen Holzschnitt-Tafeln gedruckt waren. Das früheste Blockbuch, die Apokalypse, entstand ca. 1451.

Nähe Bristol. Aus einem Buch von Humphrey Repton über Landschaftsarchitektur.

Alan G. Thomas macht dann einen großen Sprung in die Zeit um 1800. Zu dieser Zeit erschienen in England die sog. Coloured-Plates-Bücher, großflächig mit Aquatinta-Illustrationen ausgestattete wunderbare Werke, bei deren Herstellung der Deutsche Rudolf Ackermann eine wichtige Rolle spielte. Nachdem er in London seine Kunsthandlung „Repository of Arts“ gegründet hatte, dauerte es nicht lange, bis er anfing, auch Bücher zu verlegen. U. a. arbeitete er mit dem Zeichner Thomas Rowlandson und dem Texter William Combe erfolgreich zusammen.

Angesichts wachsender Mechanisierung und der rücksichtslosen Verfolgung des Ziels, konkurrenzlos billige Bücher herzustellen, erreichte die Ausstattung gedruckter Bücher um die Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Tiefpunkt. Diesem Trend stellten sich die Privatpressen entgegen, die der Buchgestaltung wieder hohen, ja höchsten Stellenwert einräumten. Hauptinitiator dieser Entwicklung war William Morris mit der von ihm gegründeten Kelmscott Press. Der „Kelmscott-Chaucer“ (Chaucer war der Lieblingsautor von Morris) gilt als Höhepunkt der Neuausgaben privater Pressen.

Außerhalb Englands, so Thomas, hatte die Bewegung der Privatpressen am meisten Einfluss auf Deutschland und Amerika. Einige der amerikanischen stellt er auch vor, deutsche Privatpressen leider nicht.

Die Publikation von Thomas ist – wie könnte es bei dem Thema „Alte Buchkunst“ auch anders sein – mit zahlreichen, oft farbigen Illustrationen ausgestattet, die zeigen, welch hervorragende Könner mit der Herstellung von Büchern beschäftigt waren. Da kann man oft nur staunen – und schwärmen.

Alan G. Thomas
Alte Buchkunst
Verlag Ariel, Reihe „Erlesene Liebhabereien“
nur noch antiquarisch erhältlich

Helmut Presser: Das Buch vom Buch

5000 Jahre Buchgeschichte

Meine jüngste Errungenschaft ist ein altes Buch. Und was für ein Buch! Nun ja, „alt“ ist relativ. Aber als 1978 erschienenes Buch ist es jedenfalls nicht mehr taufrisch. Doch bei einem Werk, das sich 5000 Jahren Buchgeschichte widmet, kommt es auf ein paar Jährchen ja ohnehin nicht an.

Das Buch bietet Lesestoff in Hülle und Fülle. Es ist sinnvoll nach Jahrhunderten gegliedert und deckt, wie mir nach erstem Durchblättern scheint, alles ab, was wichtig ist: Keilschrift, Papyrus, mittelalterliche Handschriften, Blockbuch, Gutenberg und die Gutenbergbibel, Bücherschicksale im 30jährigen Krieg, Papierversuche, Bucheinband und Buchgestaltung, die Entwicklung der Drucktechniken, Verlagswesen und Buchhandel und und und – ich könnte die Aufzählung noch fast endlos fortsetzen.

Ein Schmuckstück ist das Buch auch durch die Vielzahl von Illustrationen. Meistens sind sie schwarz-weiß, aber das tut ihrem Reiz keinen Abbruch.

Nach dem Schwärmen kommt jetzt das Lesen. Nach und nach, denn „Das Buch vom Buch“ ist keine Veröffentlichung, die man „in einem Rutsch“ durchliest, und das war’s kann. Ich werde mich sicher immer wieder einmal darein vertiefen. Und auf diese Momente freue ich mich.

Meine Ausgabe ist nur noch antiquarisch erhältlich. Ich habe aber gesehen, dass es auch eine neuere, von anderen Autoren überarbeitete und erweiterte Ausgabe gibt. Dafür muss man 88 EUR hinblättern – wesentlich mehr, als ich für mein „altes Schätzchen“ bezahlt habe.

Helmut Presser
Das Buch vom Buch
5000 Jahre Buchgeschichte
Schlütersche Verlagsanstalt und Druckerei, Hannover 1978, 244 Seiten

Wenn ich mal in Mainz wäre … | Das Gutenberg-Museum

Wenn ich eines Tages mal nach Mainz käme und viel Zeit hätte, würde ich das im Zentrum der Altstadt gelegene Gutenberg-Museum besuchen. Ausgeschlossen ist das nicht, ist doch die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt für eine Nordrhein-Westfälin durchaus erreichbar. Aber vorerst muss ich mich mit einem virtuellen Rundgang begnügen.

Das renommierte Museum wurde im Jahr 1900 anlässlich des 500. Geburtstags Johannes Gutenbergs von Mainzer Bürgern gegründet. Es soll den berühmten und wegweisenden Erfinder ehren und seine technischen und künstlerischen Erfindungen präsentieren. Natürlich wird auch, so weit das überhaupt möglich ist, das Leben des Mannes dokumentiert, der eigentlich Gensfleisch hieß und als dessen Geburtsjahr traditionell das Jahr 1400 angesehen wird, obwohl, so habe ich gelernt, als Datum seiner Geburt jeder Zeitpunkt zwischen 1394 und 1404 in Frage kommt.

Das Museum versteht sich  als „Schatzhaus der Druckkunst“, wie es auf der Eingangsseite der Museums-Homepage heißt. Und das ist sicher keine Übertreibung. In den Abteilungen Drucktechnik, Buchkunst, Akzidenzen und Ex Libris, Grafik und Plakate, Papier und Schriftgeschichte, Zeitungsgeschichte sowie moderne Künstlerbücher können sich die Besucherinnen und Besucher einen umfassenden Überblick über die Entstehung der Schrift und die Entstehung des Druckens verschaffen.

Und dann gibt es neben einer  vielfältigen Dauerausstellung auch ständig wechselnde Themenausstellungen. Aktuell gezeigt wird „Moving Types – Lettern in Bewegung“ (bis zum 12. August). Die Ausstellung reflektiert die moderne Medienentwicklung von „Schrift in Bewegung“ von den Anfängen des bewegten Bildes bis in die heutige Zeit.

Nicht zu vergessen der Gutenberg-Shop, dessen Angebote mein Herz höher schlagen lassen. Was ich da nicht alles kaufen könnte! Miniaturbücher, Nachdrucke aus der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel, Kataloge und CDs, edle Papiere, Fachliteratur zu allen Bereichen des Druckens, Plakate und Postkarten und vieles mehr. Gefährlich für mein Bankkonto, denn im Museumsshop kann man auch online einkaufen.

Was ich hier beschrieben habe, ist nur ein Ausschnitt aus dem vielfältigen Angebot des Museums. Es gibt noch viel mehr zu entdecken.

Wenn ich mal in Mainz wäre? Ich wüsste, was ich täte.

Gutenberg-Museum
Liebfrauenplatz 5
55116 Mainz
Internet: www.gutenberg-museum.de