Die schönsten Bibliotheken der Welt

Fotos: Guillaume de Laubier
Text: Jacques Bosser

Mit den Superlativen ist das so eine Sache. Dass die in diesem Buch vorgestellten „schönsten Bibliotheken der Welt“ aber zu den absoluten Highlights zählen, dürfte außer Frage stehen. Das gilt sowohl für ihre Bestände als auch für die Gebäude „Die schönsten Bibliotheken der Welt“ weiterlesen

Buchdruck mit Anspruch – 100 Jahre Cranach-Presse

Eine Woche nach dem Umzug vom Bergischen Land in den Oberbergischen Kreis (NRW) ist der Blick über die Umzugskartons wieder möglich und Land in Sicht. Jetzt bleibt schon wieder etwas Zeit fürs Bloggen und sicher / hoffentlich bald auch wieder fürs Lesen.

Hier der Hinweis auf eine sehr interessante Ausstellung für Liebhaber/innen schöner Bücher:

Dem Thema Buchkunst ist die laufende Jahresausstellung der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar gewidmet. „100 Jahre Cranach-Presse“ lautet der Titel der Ausstellung, die im März eröffnet wurde und noch lange, nämlich bis zum 10. August 2014, im Renaissancesaal des Weltkulturerbes zu sehen sein wird.

Anlass der Ausstellung ist der einhundertste Jahrestag der Gründung dieses Unternehmens durch den bibliophilen Kulturförderer Harry Graf Kessler.

Nähere Informationen gibt es hier.

Anna Amalia Bibliothek: Rettung der verbrannten Bücher

800px-old_typewriter4Bücherliebhaber/innen hielten den Atem an, als im Jahr 2004 die Nachricht vom verheerenden Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar um die Welt ging. Zehntausende historischer Werke wurden beschädigt. In einem weltweit einzigartigen Verfahren werden diese jetzt restauriert.

Nachzulesen in einem interessanten Beitrag bei Zeit Online.

Reise in die Bücherwelt: Drucke der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Was für ein unglaublicher Zufall: Gestern habe ich hier in DruckSchrift das Bändchen von Annette Seemann über die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek vorgestellt. Und heute finde ich in der Bücherkiste eines Trödlers in Essen das Buch „Reise in die Bücherwelt. Drucke der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aus sieben Jahrhunderten“. Preis: 50 Cent.

Es handelt sich um das Begleitbuch zu einer Ausstellung , die im Historischen Bibliotheksgebäude in Weimar vom 9. April – 11. März 2011 zu sehen war.

Vorgestellt werden/wurden 50 bedeutende bibliophile Werke aus den Beständen der Bibliothek, darunter die Schedelsche Weltchronik von 1493, die 1534 gedruckte Luther-Bibel und Alexander von Humboldts amerikanisches Reisewerk von 1805. Außerdem werden/wurden Bücher präsentiert, die in besonderer Weise mit Weimar verbunden sind.

Einleitend beschreibt Michael Knoche, der Leiter der Einrichtung, in meiner neuen Errungenschaft die historische Entwicklung des bedeutenden Bestands, der in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aufbewahrt wird.

Um einen Einblick in das wunderbare Buch zu geben, hier ein paar nach meiner Heimkehr „auf die Schnelle“ gemachte nicht so wunderbare Fotos von Meisterwerken der frühen Buchkunst:

Hartmann Schedel: Liber chronicarum, gedruckt 1493 von Anton Koberger in Nürnberg
Johannes de Cuba: Gart der Gesundheit [das erste Arzneibuch in deutscher Sprache], gedruckt 1496 von Johann Schönsperger in Augsburg
Die Luther-Bibel, Band 2 – gedruckt 1534 von Hans Lufft in Wittenberg

Reise in die Bücherwelt
Drucke der Herzogin Anna Amalia Bibliothek aus sieben Jahrhunderten
Herausgegeben im Auftrag der Klassik Stiftung Weimar von Michael Knoche
Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2011, 148 Seiten

Annette Seemann: Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek

Die Nachricht ging durch alle Medien, und Bücherfreunde in der ganzen Welt waren zutiefst erschrocken und besorgt: Am 2. Februar 2004 brannten die beiden obersten Stockwerke des Rokoko-Saals der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar lichterloh – kurz vor der wegen An- und Umbauarbeiten geplanten Auslagerung der Bestände in diesem Teil der Bibliothek. Ursache für den Brand war eine defekte Elektrokabelverbindung. Die Folge: 50000 wertvolle Bände gingen unwiederbringich verloren; etwa 62000 Bücher wurden durch den Brand oder durch Löschwasser schwer beschädigt.

Das verheerende Feuer war der traurige Höhepunkt in der langen Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek. Ihre Gründung erfuhr die Herzogliche Bibliothek im Jahr 1691, als Herzog Wilhelm Ernst von Sachsen-Weimar die von ihm gesammelten Bücher der Öffentlichkeit zugänglich machte. Insbesondere durch Schenkungen kamen in der Folge große, vielfach sehr wertvolle Büchersammlungen hinzu; andererseits wurde die Entwicklung durch wiederholte Erbteilungen auch immer wieder eingeschränkt und behindert.

Anna Amalia (1739–1807), der Herzogin von Sachsen-Weimar-Eisenach, ist der Umzug der  Bibliothek in das „Grüne Schlösschen“ (1766) und damit in ein eigenes Gebäude zu verdanken. Sie war selbst eine begeisterte Büchersammlerin, verfügte über eine große Musikaliensammlung und förderte das Weimarer Theater. Seit ihrer Regentschaft und dem Umzug der Bibliothek konnte die Einrichtung eine größere öffentliche Wirkung entfalten.

Von den 7  Kapiteln dieses 128 Seiten umfassenden Büchleins von Annette Seemann fand ich das mit dem Titel „Goethe und die Weimarer Bibliothek: Geschickte Administration und Künstlerische Ausstattung “ besonders interessant. Goethe war zwischen 1775 und 1797 als „Oberaufseher“ an der Weimarer Bibliothek tätig und übte dieses Amt sehr gewissenhaft aus. So erließ er zum Beispiel 1798 die erste Benutzerordnung – die „Vorschrifft, nach welcher man sich bei hießiger Fürstl. Bibliothek, wenn Bücher ausgeliehen werden, zu richten hat“. Das war nötig, denn bezüglich der Rückgabe der ausgeliehenen Bücher gab es immer wieder Probleme.

Die meisten Restanten haben sich gefügt, Herder ist noch der stärkste, der sich aber auch finden wird …

schrieb Goethe in recht mildem Ton an seinen Kollegen Voigt, mit dem er sich mehrere Jahre die Oberaufsicht teilte.

Bei unsachgemäßer Behandlung der wertvollen Bücher konnte Goethe aber auch Härte zeigen, wie ein Brief an den Weimarer Pädagogen Johann Daniel Falk belegt:

… vorher aber möchte ich eine Verlegenheit beseitigt wissen, in der ich mich um Ihretwillen befinde. Sie haben nämlich das von Herzogl. Bibliothek Ihnen anvertraute Exemplar des Heldenbuches durch Anstreichen, Beschreiben, Ausstreichen auf eine mir unbegreifliche Weise beschädigt … Gar sehr wünschte ich daher, dass Sie mir hierüber einige Erklärung gäben und einen Anlaß verschafften der Sache eine Wendung zu geben, wodurch die Bibliothek satisfacirt und das Auffallende des Ereignisses vermindert würde.

Es ist in hohem Maße Goethes Wirken zu verdanken, dass sich die Bibliothek in Weimar zu einer der bedeutendsten Deutschlands jener Zeit entwickeln konnte. Sie prägte die Weimarer Klassik mit und ist bis heute eines der wichtigsten Archive dieser Epoche. In Goethes Amtsperiode verdoppelten sich der Buchbestände auf 80.000 Exemplare.

In der Folge verlangsamte sich die Entwicklung der Bibliothek. Nach der Abdankung des letzten Weimarer Großherzogs Wilhelm Ernst (1876 – 1923) wechselten die Bibliothek wie auch das Goethe- und Schiller-Archiv in die Trägerschaft der Thüringer Landesregierung; seit 1920 hieß sie „Thüringische Landesbibliothek“. Nach der Wende bekam die Bibliothek anlässlich des dreihundertjährigen Jubiläums im Jahr 1991 den Namen ihrer größten Förderin, der Herzogin Anna Amalia.

Am 24. Oktober 2007, dem Geburtstag der Namenspatronin, wurde das durch den Brand 2004 so schwer beschädigte Historische Gebäude der Herzogin Anna Amalia Bibliothek durch den Bundespräsidenten wieder eröffnet.

Das Fazit von Annette Seemann:

Die Weimarer Herzogin Anna Amalia Bibliothek hat sich von der Fürstenbibliothek, die zunächst nur wenigen Menschen zugänglich war, im Laufe von etwas mehr als drei Jahrhunderten zu einer modernen Forschungsbibliothek gewandelt . Diese Wandlungen hatten natürlich auch ihren Grund in der allgemeinen historischen Wandlung in unserem Land: deutsche Geistesgeschichte war mit der Bibliothek von vornherein eng verbunden. Als wahrhaft bedeutend ist daher Herzogin Anna Amalias Leistung einzuschätzen, der Bibliothek ein eigenes Gebäude zu geben, das durch seine Gestaltung eine auratische Atmosphäre entfaltete.

Die Weimarer Bibliothek verfügt aktuell über einen  Bestand von etwa 1 Million Bänden, darunter ca. 200.000 aus der Zeit vor 1850. Sie gehört heute zur Klassikstiftung Weimar

Das in der Insel-Bücherei erschienene Bändchen, das ich hier vorstelle, spiegelt ein hoch interessantes Kapitel deutscher Buch-, Bibliotheks- und Kulturgeschichte. Die Autorin schildert die Entwicklung einer der wichtigsten deutschen Bibliotheken gut lesbar und mit viel Sympathie für die Einrichtung. Kein Wunder, ist sie doch –  das musste ich mangels Information in dem Buch selbst erst bei Wikipedia nachlesen – nicht nur journalistisch und als Sachbuchautorin tätig, sondern seit 2003 auch Vorsitzende des Freundeskreises „Gesellschaft Anna Amalia Bibliothek (GAAB) e.V.“.

Wie wir das von der Insel-Bücherei her gewohnt sind, haben wir es auch hier mit einem gut ausgestatteten, auf hochwertigem Papier sorgfältig hergestellten kleinen Schmuckstück zu tun, das man gern in die Hand nimmt. Zahlreiche Abbildungen veranschaulichen den Text. Bei den zahlreichen Daten, mit denen man konfrontiert wird, und angesichts der vielen Namen – zum Beispiel der Bibliothekare der Einrichtung -, denen man begegnet, wären eine kleine Chronik und ein Namensregister im Anhang hilfreich gewesen. Darauf müssen wir leider verzichten, aber das ändert nichts an dem positiven Gesamteindruck.

Die Geschichte der Herzogin Anna Amalia Bibliothek
von Annette Seemann
Insel-Bücherei Nr. 1293, Insel Verlag 2007, 128 Seiten