Susanne von Meiss: BücherWelten

Von Menschen und Bibliotheken

So, mit diesem Beitrag dürfte ich ziemlich durch sein mit den sogenannten Coffee Table-Books, soweit sie die Thematik von DruckSchrift betreffen. Es handelt sich dabei um Bücher, die gern auf dem Beistelltischchen abgelegt werden und weniger zum intensiven Lesen als zum interessierten – manchmal auch Wartezeit überbrückenden – Durchblättern gedacht sind. „Susanne von Meiss: BücherWelten“ weiterlesen

Gutenberg-Museum: Buchkunstwerke der Berliner Katzengraben-Presse

Ausstellung Christian Ewald
Copyright: Christian Ewald: >>e-wald<<

Im Gutenberg-Museum wird derzeit – wieder einmal – eine sehr interessante Ausstellung gezeigt. Präsentiert werden Editionen der 1990 von Christian Ewald gegründeten Katzengraben-Presse Berlin-Köpenick. Handverlesene Texte werden im Bleisatz, Buchdruck und Hand-Einband zu limitierten Buchkunstwerken. „Gutenberg-Museum: Buchkunstwerke der Berliner Katzengraben-Presse“ weiterlesen

Anja-Franziska Eichler: Schnellkurs Druckgrafik

Das Thema Buchillustration ist ein für DruckSchrift wichtiges. So liegt es nahe, sich auch einmal mit diesem „Schnellkurs Druckgrafik“ zu befassen, denn zwischen beiden Themen gibt es eine enge, ja eine direkte Verbindung.

Die Illustration von Büchern nahm ihren Anfang im 14. Jahrhundert, als die sog. Blockbücher mit Holzschnitten verschönt wurden und/oder deren Texte durch bildliche Darstellungen verständlicher gemacht werden sollten. Schnellkurs DruckgrafikDer Holzschnitt blieb zunächst die einzige Technik, die für die Ausgestaltung von Büchern zur Verfügung stand. Doch ab dem 15. Jahrhundert wurde der Kupferstich nach und nach populär, und in den folgenden Jahrhunderten ging es dann Schlag auf Schlag. Immer neue Verfahren wurden entwickelt, teilweise auch miteinander kombiniert, Techniken weiterentwickelt: Radierung, Vernis mou, Aquatinta, Lithografie, Siebdruck und andere Verfahren standen nun den Künstlern zur Verfügung. Aber auch der gute alte Holzschnitt erlebte mehrfach eine Renaissance.

Viele Maler, darunter solch bedeutende und wegweisende Künstler wie Albrecht Dürer, Rembrandt, Matisse, Picasso Beardsley, Kokoschka beschäftigten sich auch mit der Schaffung von Druckgrafik und haben auch auf diesem Feld Meisterwerke geschaffen. Damals wie heute waren und sind es häufig zum Verkauf bestimmte Einzelblätter. Aber die beispielhaft genannten Künstler und viele andere auch, darunter viele zeitgenössische, betätig(t)en sich auch als Buchillustratoren, schufen/schaffen oft auch sog. Künstlerbücher, wie sie etwa in dem Buch Papiergesänge vorgestellt werden (s. Beitrag in DruckSchrift hier).

Es gibt also auch für Liebhaber schöner illustrierter Bücher, von Künstlerbüchern oder Pressendrucken gute Gründe, sich mit dem Thema Druckgrafik auseinanderzusetzen. Der „Schnellkurs Druckgrafik“ ist dafür gut geeignet.

Die Autorin führt durch die Geschichte der europäischen Druckgrafik von ihren Anfängen bis in die Gegenwart; sie stellt die wichtigsten Künstler, Strömungen und Schulen von Dürer bis Beuys vor und beleuchtet dabei auch das Wirken der Künstler als Buchillustratoren.Die verschiedenen Drucktechniken und ihr Entwicklung werden erläutert. Und dabei verliert Eichler die politischen, religiösen, profanen, propagandistischen oder rein reproduzierenden Funktionen der Druckgrafik nicht aus den Augen.

Mein Fazit: Für ein Bändchen von 180 Seiten hat die Autorin sich eine große Aufgabe gestellt, diese aber gut gelöst. Auch wenn einem nach der der Lektüre bei all den vielen Namen und eingeflochtenen Details der Kopf raucht. Manchmal wäre es für einen „Schnellkurs“ besser gewesen, auf den einen oder anderen Künstler-Hinweis zu verzichten. Dann wäre auch etwas mehr Platz gewesen für die zahlreichen Bildbeispiele, die doch etwas klein ausfallen und zu oft nicht so richtig zur Geltung kommen. Das gilt insbesondere für die abgebildeten Holzschnitte und Kupferstiche.

Das ist aber nur eine kleine Einschränkung, die an meiner insgesamt positiven Einschätzung nichts ändert.

Die Passagen, die sich mit der praktischen, der technischen Seite der Herstellung von Druckgrafik befassen, die also aufzeigen, welche Schritte etwa zur Herstellung eines Holzschnitts oder einer Lithografie erforderlich sind, sind besonderes gerahmt und farblich unterlegt und heben sich somit vom laufenden Text ab. Das ist hilfreich und einer schnellen Orientierung förderlich. Dieses Buch ist aber kein Lehrbuch für Menschen, die druckgrafische Techniken erlernen wollen, um selbst Druckgrafik herzustellen. Dafür gibt es andere Veröffentlichungen auf dem Büchermarkt.

TrennstrichAnja-Franziska Eichler
Schnellkurs Druckgrafik
DuMont Literatur und Kunstverlag 2006, 180 Seiten, 14,90 EUR

Papiergesänge. Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert

PapiergesängeUm Malerbücher, Künstlerbücher und Pressendrucke aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek  München geht es in diesem Buch, dessen Einband Andy Warhols Kater Sam (aus  „25 Cats Name Sam and one Blue Pussy“) schmückt. „Papiergesänge“ leitet sich ab von „Carta canta“, jenem Titel, den der Maler Pierre Alechinsky einem seiner Bücher gegeben hat. „Papiergesänge. Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert“ weiterlesen

Museum für Druckkunst: Vom Buch auf die Straße

Vom Buch auf die StraßeJetzt heißt es sich zu beeilen: Nur noch bis zum 28. September zeigt das Museum für Druckkunst in Leipzig die Ausstellung „Vom Buch auf die Straße. Große Schrift von 1600 bis 1920“.

Die gemeinsam mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig gezeigte Sonderausstellung gibt einen Einblick in die visuelle Kraft und den Facettenreichtum von Schrift im öffentlichen Raum.

„Schriften“, so lesen wir dazu u.a. auf der Homepage des Museums, „verließen seit dem 18. Jahrhundert zunehmend den lange begrenzenden Raum des Buches und prägten das Stadtbild vor allem im 19. Jahrhundert wesentlich mit.“

Weitere Informationen finden sich hier.

Florentine Mütherich / Joachim E. Gaehde: Karolingische Buchmalerei

An den mittelalterlichen Handschriften interessieren mich vor allem die buchgeschichtlichen Aspekte: Herstellung, Materialien, Arbeit in klösterlichen und privaten Skriptorien, Verwendungszwecke, Buchhandel. Die kunstgeschichtlichen Aspekte stehen dahinter etwas zurück. Oder sollte ich besser sagen: „standen“? Eine exakte Trennung ist ohnehin kaum möglich, und hat man sich einmal in Werke der Buchmalerei vertieft, ist man schnell „mittendrin“. Ich registriere jedenfalls bei mir zunehmende Begeisterung für die wunderbaren Miniaturen, die viele der erhaltenen mittelalterlichen Codizes schmücken (wobei Miniaturen – da kann man sich leicht täuschen – auch ganze Seiten füllen können).

Zwei umfassende Werke über die Buchmalerei des gesamten Mittelalters, die der Ein- und Hinführung dienen können, habe ich in DruckSchrift schon Karolingische Buchmalereivorgestellt: Goldenes Mittelalter und Mit Pinsel und Federkiel. Für diejenigen, die sich lieber (erst einmal) einzelnen Abschnitten zuwenden wollen, gibt es Alternativen. Sie kommen z. B. aus dem Prestel Verlag, der in den 70er und 80er Jahren eine ganze Reihe von Monographien herausgegeben hat: von der karolingischen bis zur frühen spanischen, von der italienischen bis zur insularen Buchmalerei. Die Bücher sind auch heute noch relativ gut und preiswert antiquarisch zu bekommen.

Soweit ich es sehe (ich habe bisher nur 2 Ausgaben vorliegen), ist die Machart stets gleich. Nach einer etwas ausführlicheren Einleitung werden wegweisende Codizes des jeweiligen Betrachtungszeitraums und/oder -gebiets vorgestellt. Zunächst gibt es Hinweise auf das (mutmaßliche) Entstehungsjahr der Handschrift, die „Schule“, der sie zugeordnet wird, auf Besonderheiten, die das Werk auszeichnen und wo es sich gegenwärtig befindet. Danach werden die ausgewählten Abbildungen beschrieben.

Konkret sieht das in dem Band „Karolingische Buchmalerei“, um den es hier „aktuell“ geht, so aus:

Vorgestellt werden eine ganze Reihe von Evangeliaren, Psaltern, Sakramentaren, Bibeln. Darunter sind der Utrecht-Psalter, das Godescalc-Evangelistar, das Krönungs-Evangeliar, der Codex Aureus aus St. Emmeram und die Vivian-Bibel. Über diese sog. Erste Bibel Karls des Kahlen lesen wir u. a.:

Unter den erhaltenen touronischen Bibeln ist die hier vorliegende Handschrift das am reichsten ausgestattete Exemplar. Das letzte der drei Widmungsgedichte besagt, dass der Laienabt Graf Vivian (844-851) und die Mönchen der Abtei Saint-Martin in Tours diese Bibel Karl dem Kahlen zueigneten. Anlass für die Widmung war Karls Bestätigung der Immunitätsrechte der Abtei im Jahr 845 …

Vivian Bibel 1
Basis-Infos zur Vivian-Bibel und Beginn der Ausführungen zur Tafel „Titelbild zu den Vorreden des hl. Hieronymus“

Danach werden dann drei ganzseitige Miniaturen detaillierter beschrieben.

Vivian Bibel 2
Vivian-Bibel: Titelbild zu den Vorreden des hl. Hieronymus

Das geschieht gut lesbar und öffnet einem die Augen für so manches Detail, das man sonst wohl übersehen hätte. Und hilft, wenn man mit der Bibel vielleicht nicht (mehr) so ganz vertraut ist…

Auch wenn die Inhalte der mittelalterlichen Codizes weitgehend religiösen Charakter hatten und kirchlichen Zwecken dienten: es gab durchaus auch andere Werke, im Zeitraum der karolingischen Buchmalerei zum Beispiel Abschriften der Komödien des Terenz, das „Astronomisch-komputistische Lehrbuch“ (unvollständige Kopie eines Lehrbuches, das um 810 am Hof Karls des Großen entstand) oder den Physiologus – ein  Werk griechischen Ursprungs, das die Eigenschaften wirklicher oder legendärer Tiere, Pflanzen und Steine mit den Mitteln der christlichen Allegorese darstellt und deutet. Auch hier gilt: Auf einleitende Basis-Informationen folgen mehrere farbige Abbildungen, die sachkundig beschrieben werden.

Mein Fazit: „Karolingische Buchmalerei“ macht auf kompetente, dabei (aber) angenehme Art und Weise mit Werken vertraut, die zur Zeit Karls des Großen und seiner Nachfolger entstanden sind und Meilensteine in der Geschichte des Buches und der Buchmalerei wurden. Der Band ist durchaus auch einsteigergerecht, wenn auch ein Glossar manchmal hilfreich wäre.

Karolingische Buchmalerei
Florentine Mütherich (Einführung); Joachim E. Gaehde (Erläuterung der Bildtafeln)
Prestel Verlag München
128 Seiten, 48 Farbtafeln

Margit Krenn / Christoph Winterer: Mit Pinsel und Federkiel

Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei

Sie sind wunderschön – die mittelalterlichen handgeschriebenen Codizes. Die verwendeten alten Schriften faszinieren Bücherliebhaber ebenso wie die handgemalten Miniaturen, die Initialen und andere ausschmückende Elemente, die diese Bücher zu Kunstwerken machen.

Mit Pinsel und FederkielLeider bekommt man solche Prachtstücke nur selten, und dann auch nur aus für die Bücher sicherem Abstand zu sehen. Zum Glück gibt es aber ein reichhaltiges Buchangebot, das einzelne Epochen der Buchmalerei oder besonders berühmte oder wertvolle Schätze wie Bibeln, Stundenbücher, Evangeliare, Chroniken etc. in Verbindung mit vielen Abbildungen darstellt. Ergänzt wird diese Palette an Publikationen durch zusammenfassende Darstellungen, die einen Überblick über die Geschichte der Buchmalerei vermitteln.

Ein Buch aus der letztgenannten Kategorie ist „Mit Pinsel und Federkiel“. Es gliedert sich in drei Abschnitte: I. Buch und Bild im Mittelalter; hier geht es kurz einleitend um äußere Form und kulturelle Funktion, um Entstehungsumfeld und Auftraggeber sowie um Sammlungen und Bibliotheken. Im Abschnitt II „Aus Skriptorium und Werkstatt“ beschreiben die Autoren die ganz konkreten Schritte der Herstellung einer mittelalterlichen Handschrift. Schließlich folgt im umfangreichsten Abschnitt III „Buchkunst im Spiegel der Zeiten“ ein Abriss der Geschichte der Buchmalerei, angefangen von ihrem antiken Erbe bis zur Blüte des Spätmittelalters.

Sowohl Margit Krenn (Kunsthistorikerin und wiss. Mitarbeiterin an der Universitätsbibliothek Heidelberg) als auch Christoph Winterer (wiss. Mitarbeiter am Institut für christliche Philosophie der Universität Innsbruck) sind zweifellos ausgewiesene Experten. Ich bin mir nur nicht sicher, welche Leserschaft die Autoren dieses Buches im Auge hatten, als sie sich an die Aufgabe machten, die Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei aufzuzeichnen. In weiten Bereichen ist es ein guter Einstieg in eine hochinteressante Thematik, aber das gilt meines Erachtens nicht durchgehend.

Sehr gut gelungen ist das Kapitel II „Aus Skriptorium und Werkstatt“, das die eher praktische Seite der Buchherstellung und -malerei beschreibt.. Die Autoren schildern anschaulich, was Schreiber und Maler in den Klöstern, in denen normalerweise die mittelalterlichen Handschriften entweder für den eigenen Bedarf oder als Auftragsarbeiten hergestellt wurden, an Voraussetzungen für ihre mühevolle Arbeit brauchten: sie gehen auf die zur Verfügung stehenden Beschreibstoffe ein und stellen die für Schrift und Bild erforderlichen Werkzeuge, Tinten, Farben und Edelmetalle vor. Im Unterkapitel „Layout, Text und Buchschmuck“ geht es um wichtige Schrifttypen, die Initialkunst sowie Bildformen und Dekor.

Die Darstellung der Epochen mittelalterlicher Buchmalerei gliedert sich in 5 Kapitel: Karolingerzeit, Ottonische Buchkunst, romanische Buchkunst, gotische Buchmalerei, Spätmittelalter. Hier wird es – zumindest für Einsteiger – schwieriger. Die Beschreibungen sind recht kompakt, enthalten viele Querverweise, Bezüge auf andere Epochen, Schreiber, Skriptorien, politische Zusammenhänge, religiöse Aspekte. Es ist nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Leser/innen mit kunst- und/oder religionsgeschichtlichen Vorkenntnissen sowie Vertrautheit mit der Bibel – die mittelalterlichen Codizes beinhalteten lange Zeit ausschließlich religiöse Schriften mit der Bibel entlehnten Bildmotiven – sind hier jedenfalls klar im Vorteil und können aus dieser „Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei“ den größeren Nutzen ziehen.

Was das Buch auf jeden Fall attraktiv macht, sind die zahlreichen Bildbeispiele, die den Text illustrieren; sie ermöglichen das Nachvollziehen des Geschriebenen, laden zum Verweilen, zum Entdecken ein, zeigen die beeindruckende Schönheit der Buchmalerei(en). Um zu vermeiden, bei der notwendigen Auswahl wieder einmal altbekannte Objekte zu präsentieren, haben die Autoren mit der Handschriftenabteilung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt kooperiert.

Mein Fazit: „Mit Pinsel und Federkiel“ ist ein schönes, ein interessantes Buch, das ausgewiesene Liebhaber der Buchmalerei zweifellos erfreuen wird. Für Einsteiger, die sich bislang nicht oder wenig mit Geschichte, Kunst- und/oder Religionsgeschichte befasst haben, dürfte die Darstellung der Epochen eine gewisse Herausforderung darstellen, aber sie kann gut als Ansporn für eine vertiefende, sich lohnende Beschäftigung mit der Thematik dienen.

Margit Krenn / Christoph Winterer
Mit Pinsel und Federkiel
Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei
Primus Verlag / Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2009, 160 Seiten

Durchgeblättert: Masters Book Arts

Major Works by Leading Artists.

Bei dieser Art von Buchkunst geht es nicht um Buchgestaltung, sondern um Buchumgestaltung, künstlerisches Schaffen mit Büchern als Ausgangsmaterial.

Book ArtsUnd damit es erst gar keine Missverständnisse gibt: In diesem Buch finden sich keine Anleitungen, um selber Objekte „nachzubauen“. Insofern unterscheidet es sich deutlich von Jason Thompsons „Kunst aus Büchern“, das DruckSchrift hier vorgestellt hat.

Masters: Book Arts präsentiert wichtige Werke führender Künstler, für die Bücher die Basis kreativen Arbeitens darstellen. Vielfach sind ihre Kunstwerke in bedeutenden Museen und Galerien zu sehen.

In diesem umfangreichen Buch sind 40 dieser kreativen Köpfe versammelt. Jedem einzelnen werden 8 Buchseiten zugestanden: auf Seite eins erfolgt die Vorstellung, verbunden mit Aussagen zu Ausrichtung und Arbeitsweise des Künstlers;  auf den folgenden sieben Seiten kann man dann eine Auswahl ihre Werke bewundern. Und oftmals kann man wirklich nur staunen, was sich aus oder mit ausgemusterten Büchern oder Papieren und wenigen Hilfsmitteln realisieren lässt.

Vielleicht ein kleiner Wermutstropfen: Die begleitenden Texte sind alle auf Englisch. Eine deutschsprachige Ausgabe des Buches gibt es meines Wissens nicht. Englische Sprachkenntnisse zu haben, wäre also sicher hilfreich. Aber das Anschauen allein ist auch schon ein Gewinn. Die Texte nehmen verhältnismäßig wenig Raum ein.

Wer Bücher liebt und gleichzeitig interessiert ist an Objekten aus Papier, an Papierkunst, wird an Masters: Book Arts viel Freude haben und sicher immer wieder in dem Band blättern, um sich bezaubern und manchmal auch in eine fremdartig anmutende Welt entführen zu lassen.

Masters: Book Arts
Major Works by Leading Artists
Lark Crafts/Sterling Publishing New York 2011, 330 Seiten

Meisterhafte Skulpturen aus Büchern: Art Made from Books

Art made from booksDiese Buchvorstellung auf brainpickings hat bei mir sofort Begeisterung ausgelöst: Es geht um „Art Made from Books“, also um ein Buch, das zeigt, wie man aus alten Büchern hinreißende Skulpturen fertigen kann. Wenn man es denn kann. Es handelt sich nicht um ein Lehrbuch mit Anleitungen, sondern um die Präsentation von Arbeiten einer Vielzahl  renommierter Buch-/Papierkünstler. Darunter sind Su Blackwell, James Allen, Jennifer Collier und Jennifer Koshbin, um nur einige Namen zu nennen.

Schön ist, dass an die Buchvorstellung einige Fotos mit Arbeiten vertretener Künstler/innen angehängt sind. Somit kann man sich vor dem Kauf schon einmal ein Bild von dem faszinierenden Buchinhalt machen, den es zu entdecken gilt.

Hier der  Link zu brainpickings. Ich wünsche viel Spass.

Geschichte der Buchmalerei: Goldenes Mittelalter

Mit diesem Buch werde ich noch längere Zeit beschäftigt sein. Nicht, weil es so dick wäre – mit 158 Seiten ist es kein „Wälzer“. Nicht, weil es schwer verständlich wäre – die Autorin Anja Grebe hat ein gut lesbares Buch geschrieben. Nein, es ist die Vielzahl der wunderbaren Abbildungen, die eine  Fülle von Goldenes MittelalterDetails enthalten, die einfach Zeit und Aufmerksamkeit erfordern, um sie wirklich aufnehmen zu können.

Anja Grebe lehrt Kunstgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg und hat bereits diverse Veröffentlichungen zur mittelalterlichen und modernen Kunstgeschichte vorgelegt. Hier nun wirft sie einen Blick auf 1000 Jahre europäische Buchkunst. Sie tut das umfassend, ohne zu ermüden, und bietet dem Leser eine fundierte Einführung in die mittelalterliche Buchmalerei.

Auf ein einleitendes Kapitel über die Bedeutung der Buchmalerei folgt ein Kapitel über die historischen Grundlagen. Hier wird u. a. anschaulich geschildert, wie die (arbeitsteilige) Buchproduktion im Mittelalter aussah und wie in den Klosterskriptorien und Handwerkerateliers gearbeitet wurde.

Unter „Miniatur, Initiale, Bordüre“ werden die Grundformen der Buchmalerei vorgestellt; dann geht es um die Geschichte und Entwicklung der mittelalterlichen Buchmalerei, angefangen bei der Spätantike bis zum Spätmittelalter. Abschließend folgt ein Ausblick mit dem Titel „Illuminierte Bücher in Renaissance und Barock“.

Das Buch ist also sehr informativ und gut geschrieben, auch wenn die Autorin sich gelegentlich etwas wiederholt. Auf die Fülle der wunderbaren Abbildungen (ich habe sie nicht gezählt, laut Klappentext sind es rund 150)  habe ich schon hingewiesen.

Was ich mir gewünscht hätte, wäre eine etwas bessere Abstimmung zwischen Text und Bild. Wenn es zum Beispiel im Text heißt: „Eine Vorstellung von der gebückten Haltung mittelalterlicher Schreiber vermittelt eine ungewöhnliche Miniatur im Evangelistar Heinrichs III., die einen Einblick in das Skriptorium der Abtei Echternach um 1040/45 gibt.“ schaut man unwillkürlich auf die Abbildung auf der entsprechenden Seite (oder auf der nebenstehenden) in der Erwartung, sich diese Szene ansehen zu können. Die Abbildungen zeigen aber etwas ganz anderes. In anderen Fällen muss man etwas vor- oder zurückblättern oder es gibt gar keinen Zusammenhang.

Dennoch bleibt kurz und bündig zu sagen: ein schönes, großformatiges Buch (24 x 30 cm), das sich auch gut als Geschenk für Bücherliebhaber eignet. (Obwohl erst 2007 erschienen, ist es aber schon jetzt nur noch antiquarisch erhältlich.)

Schade nur, dass man außergewöhnlich reich sein muss, um sich eines der vorgestellten Bücher aus dem „Goldenen Mittelalter“ in den Bücherschrank stellen zu können … Wenn sie denn überhaupt verkauft werden. Aber darüber muss ich mir nicht wirklich Gedanken machen.

Anja Grebe
Goldenes Mittelalter
Geschichte der Buchmalerei
Jan Thorbecke Verlag 2007

Jason Thompson: Kunst aus Büchern

28 Projekte für spielerisches Recycling

Keine Angst – niemand braucht seine Lieblingsbücher zu opfern. Aber ohne Bücher geht es nun einmal nicht bei dieser Art von künstlerischem Schaffen. Sie sind das Ausgangsmaterial. Die Beispiele auf dem Cover zeigen deutlich, was angesagt ist. Durch Falten, Rollen, Zerlegen und Heften entstehen Objekte, die mit dem ursprünglichen Buch nichts mehr gemein haben.

Kunst aus BüchernKunst aus Büchern zu schaffen ist eine schöne Verwertungsmöglichkeit für aussortierte Bücher – seien es eigene, aus Bibliotheken ausgemusterte oder Flohmarkt-Exemplare. Im Prinzip eignet sich jedes Buch als Grundstoff für die Schaffung von Objekten, wobei alte illustrierte Bücher vermutlich zu besonders reizvollen Ergebnissen führen.

Dazu bietet das Buch des Amerikaners Jason Thompson viele Anregungen. Doch bevor man sich in die praktische Arbeit stürzt und sich voller Elan daranmacht, Bücher zwecks Schaffung von Kunstobjekten auseinanderzunehmen, sollte man erst einmal das kurze Eingangskapitel lesen. Hier stellt der Autor die  benötigten Materialien und Werkzeuge vor – die Anforderungen sind weder groß noch kostspielig. Dann werden noch kurz die einzelnen Bestandteile eines Buches beschrieben. Danach geht es gleich an die künstlerische Arbeit. Schritt für Schritt wird erläutert, wie man Taschenbuch-Postkarten herstellt, Brieftaschen aus Buchhüllen, Papierhäuschen aus Büchern, Papierblüten , Dekokugeln aus Papierstreifen, Buchmobiles, Wall-Art-Rahmen oder handgeformte Buchobjekte. Insgesamt werden 28 mögliche Projekte vorgestellt, aber der eigenen Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

Sehr schön ist, dass man auch Werke von Meistern dieser Art von Buchkunst studieren und sich bei ihnen viele Anregungen für die eigene Arbeit holen kann. Das 3. Kapitel präsentiert nämlich in einer Art Galerie unter dem Titel „Bücher neu konzipieren“ auf jeweils einer Seite insgesamt 35 Papierkünstler/innen mit Beispielen aus deren Schaffen. Einer von ihnen ist der  Buchautor selbst: Thompson weiß, worüber er schreibt. Er ist, so lesen wir auf dem Umschlagtext, Gründer der Rag & Bone Buchbinderei, „die sich der Herstellung einzigartiger, handgebundener Bücher und Alben für den Verkauf in Geschenk- und Papeteriegeschäften verschrieben hat“.

Das im Buch befindliche Verzeichnis der Künstler enthält auch die Adressen von deren Homepages. Somit hat man ohne große eigene Recherche die Möglichkeit, sich auch dort umzusehen und sich inspirieren zu lassen. Und DruckSchrift hat sich vorgenommen, nach und nach einige der Buch-/Papierkünstler vorzustellen.

Jason Thompson
Kunst aus Büchern
28 Projekte für spielerisches Recycling
Haupt Verlag 2012, 152 Seiten, 24,90 EUR