Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten

Bekenntnisse eines Bibliomanen

Bibliophile wie Bibliomane schreiben gern über ihre Passion. Bibliophile und Bibliomane lesen aber auch gern die Geschichten über Freuden und Leiden ihrer Brüder und Schwestern im Geiste. „Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten“ weiterlesen

Wulf D. von Lucius: Bücherlust

Vom Sammeln

Im Grunde unterscheiden sie sich kaum, die Ratgeber für Sammler. Das gilt auch für Bücher über das Sammeln von Büchern. Und trotzdem fliege ich auf die Letztgenannten. Mittlerweile stehen einige dieser Spezies in meinem Bücherregal. „Bücherlust“ allerdings noch nicht – das ist eine Leihgabe aus der Bücherei. „Wulf D. von Lucius: Bücherlust“ weiterlesen

Termine für Büchersammler und Papierliebhaber

Bücherregal klein 6Vollständigkeit wird erst gar nicht angestrebt. Aber Büchersammler und Papierliebhaber finden in der neu eingerichteten Seite mit interessanten Terminen vielleicht/hoffentlich doch den einen oder anderen Tipp.

Noch ist die Seite ziemlich leer, aber sie wird sich bestimmt mit der Zeit füllen.

Ellis/Seebohm/Sykes: Mit Büchern leben

Buchliebhaber und ihre Bibliotheken

Sicher, genau besehen gehört dieses Buch auch in die Kategorie der sog. Coffee-Table-Books: mehr zum Auslegen, zum Durchblättern gedacht als zu ernsthafter Lektüre. Von daher unterscheidet es sich nicht mit-bc3bcchern-lebenwirklich grundlegend von den anderen Veröffentlichungen, die ich hier bereits im Laufe der letzten Monate zum Themenkomplex „Wohnen und Leben mit Büchern“ vorgestellt habe.

Und dennoch: „Mit Büchern leben“ hat eine Portion mehr Substanz, etwas mehr inhaltlichen Tiefgang. Sicher, es geht auch um die Unterbringung von Bücherschätzen. Aber hier wird nicht vorrangig gezeigt, wie Profi-Raumausstatter auch den letzten Hohlraum unter der Kellertreppe zum Unterbringen von Büchern nutzbar machen. Hier werden 40 Sammler/innen und ihre vielfach an Umfang wie an Wert beträchtlichen Sammlungen vorgestellt. Dass es sich dabei nicht um die Ärmsten der Armen handelt, dass diese Bücherliebhaber über Domizile und damit Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Bücher verfügen, von denen unsereins nur träumen kann, dass sie – sofern sie nicht selbst Profis sind – Architekten und Designer mit Bau und Gestaltung ihrer Bibliotheken beauftragen, versteht sich fast von selbst…

Ich habe gern in diesem Buch gelesen, wie mehr oder weniger bekannte Bücherliebhaber zu ihren Schätzen gekommen sind, wie sie ihre Sammeltätigkeit inhaltlich ausgerichtet, wie sie sich mit ihren Büchern eingerichtet haben. Die Porträts sind meist recht knapp gehalten, dabei aber doch so, dass man einen Eindruck von der Persönlichkeit des/der Sammelnden gewinnt. Ergänzend gibt es die auch in vergleichbaren Büchern zu findenden Beiträge über die Beleuchtung von Bibliotheken, Bücherregal-Varianten, Gefahrenquellen für’s Buch etc. Die Autorinnen belassen es aber nicht bei Gängigem; das Buch beinhaltet auch eine Kurzvorstellung der walisischen Bücherstadt Hay-On-Wye, ein Kapitel über Exlibris, eins über Buchbinder und Restauratoren. Hier kann man das Bemühen verspüren, sich etas von Konkurrenz-Produkten abzusetzen.

Zu den Gemeinsamkeiten von Veröffentlichungen der hier vorgestellten Art gehört, dass sie in hohem Maße von den Fotografien „leben“. Meist sind hervorragende Fotografen beteiligt. Das gilt für dieses Buch hier ganz besonders: die Aufnahmen von Christopher Simon Sykes sind einfach hinreissend. Das recht große Buchformat bringt viele seiner oftmals ganzseitig präsentierten Fotografien wundervoller Bibliotheken bestens zur Geltung. Sehr schön anzusehen sind nicht nur die Büchersammlungen selbst, sondern auch die wiederholt gezeigten „Trompe-l’oeil“-Objekte – Stoffe, Teppiche, Tapeten -, die dem Betrachter eine nicht real vorhandene Bücherwelt vorspiegeln.

Was hier gezeigt wird, dürfte für Normal-Sterbliche zumeist unerreichbar sein. Von daher stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit auf die eigenen vier Wände auch erst gar nicht. Mir jedenfalls nicht. Aber es gibt eben doch eine Gemeinsamkeit: die Liebe zu Büchern, das Wissen darum, dass es ohne Bücher „nicht geht“.

Von den von mir hier bereits vorgestellten Publikationen dieser Art ist mir „Mit Büchern leben“ definitiv die liebste. Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die Büchersammlungen oder ihr Zuhause.

Estelle Ellis / Caroline Seebohm / Christopher Simon Sykes
Mit Büchern leben
Buchliebhaber und ihre Bibliotheken
Gerstenberg Verlag, brosch. Sonderausgabe 2008, 256 Seiten

Alexander Pechmann: Das Haus des Bücherdiebs

Sie sind schon ein eigenartiges Völkchen, die Bibliophilen und die Bibliomanen. Was tun sie nicht alles, um in den Besitz eines begehrten Buches zu kommen! Die Bibliophilen sind in der Wahl der Das Haus des BücherdiebsMittel ja noch harmlos, aber die hemmungslosesten Bibliomanen schrecken nicht einmal vor Mord und Totschlag zurück.

So der habgierige Don Vincente, ein abtrünniger Mönch, der ein Antiquariat betrieb und es nicht ertragen konnte, dass sein Konkurrent Patxots ihm bei einer Auktion ein von ihm heiß begehrtes Buch vor der Nase wegschnappte. Wenige Tage nach der Auktion ging Patxots Buchhandlung in Flammen auf, und kurz darauf wurden neun bedeutende Sammler, die allesamt Patxots Kunden gewesen waren, Opfer eines Mordanschlags. Überflüssig, zu sagen, wer der Täter war … Legendär ist auch Graf Libri, der den Auftrag erhalten hatte, einen vollständigen Katalog der Handschriften in den öffentlichen Bibliotheken Frankreichs zu erstellen. Er nutzte sein Amt schamlos aus, um große Mengen wertvoller Handschriften oder aus Büchern herausgerissener Seiten unter seinem weiten Umhang herauszuschmuggeln und der eigenen Bibliothek einzuverleiben.

Diebstahl von Büchern war offenbar unter Bibliomanen ein beliebtes Mittel, um in den Besitz begehrter Bücher zu kommen. Gerade auch Kirchenmänner scheinen für diese „Methode“ anfällig gewesen zu sein, was vermutlich damit zusammen hängt, dass gerade in den Klosterbibliotheken die wertvollsten Schätze in den Regalen standen. Pechmann berichtet beispielsweise von Kardinal Passionei, der ganz ungeniert vorging und „Bücher, die sein Herz begehrte, bei seinen Inspektionsbesuchen gleich aus den Fenstern der Klosterbibliotheken warf; unten wartete stets ein Gehilfe mit einem Korb, der die Kostbarkeiten auffing.“

In die Kategorie der harmlosen Büchernarren fällt der florentinische Bibliothekar Antonio Magliabechi, der von seinen Zeitgenossen „Bücherfresser“ genannt wurde. Er las praktisch von morgens bis abends; sein schier unglaubliches Gedächtnis „speicherte alles Gelesene sorgfältig und legte die Texte zuverlässig abrufbar in den kleinen grauen Zellen ab“. Erwähnt sei auch Charles Chadenat, der Anfang des 20 Jahrhunderts in Paris ein Antiquariat führte, das bis zum Platzen mit Americana gefüllt war. Aber Chadenat war – so etwas scheint es unter Antiquaren gar nicht so selten zu geben – ein Buchhändler, der nur äußerst ungern verkaufte; er hortete und las die Bücher lieber selbst. Gelegentlich, so lesen wir in Pechmanns Buch, „ließ er sich zu einem Tauschgeschäft herab, wenn er dadurch eine minderwertige Doublette loswerden und dafür eine nur ihm bekannte Kostbarkeit ergattern konnte. Nur selten ließ er sich nach langem Feilschen dazu überreden, ein gut erhaltenes Buch aus seinen übervollen Regalen zu verkaufen.“

Nicht gerade bescheiden gab sich im 19. Jahrhundert der Sammler Sir Thomas Phillipps, der von dem Gedanken besessen war, jede erhaltene Handschrift auf Pergament aufzukaufen: „Ohne besondere Kenntnisse von alten Manuskripten kaufte er einfach alles und bezahlte jeden Preis.“ Der Amerikaner Fred Board erwarb auf seinen Geschäftsreisen im Laufe der Jahre Mengen an Büchern, die durch ein besonderes Aussehen hervorstachen: runde Bücher, herzförmige Bücher, Bücher aus Beton, Bücher, die auf schottischer Wolle gedruckt waren …

Diese und viele andere mehr oder weniger kuriose Geschichten hat Alexander Pechmann für „Das Haus des Bücherdiebs“ zusammen getragen. Er erzählt sie auf unterhaltsame Weise; manchmal glaubt man ihn dabei schmunzeln zu sehen. Wer Lust hat (und welcher Bücherfreund hätte das nicht?), den Spuren berühmter Bibliophiler, passionierter Sammler oder trickreicher Bücherdiebe zu folgen, wird das Buch gern in die Hand nehmen und eine vergnügliche Zeit des Lesens haben.

Alexander Pechmann
Das Haus des Bücherdiebs
Aufbau Verlag 2010, 192 Seiten, 16,95 EUR

Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal auf Pechmanns wunderbares Buch „Die Bibliothek der verlorenen Bücher“ hinzuweisen, das ich hier vorgestellt habe.