Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten

Bekenntnisse eines Bibliomanen

Bibliophile wie Bibliomane schreiben gern über ihre Passion. Bibliophile und Bibliomane lesen aber auch gern die Geschichten über Freuden und Leiden ihrer Brüder und Schwestern im Geiste. „Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten“ weiterlesen

Susanne von Meiss: BücherWelten

Von Menschen und Bibliotheken

So, mit diesem Beitrag dürfte ich ziemlich durch sein mit den sogenannten Coffee Table-Books, soweit sie die Thematik von DruckSchrift betreffen. Es handelt sich dabei um Bücher, die gern auf dem Beistelltischchen abgelegt werden und weniger zum intensiven Lesen als zum interessierten – manchmal auch Wartezeit überbrückenden – Durchblättern gedacht sind. „Susanne von Meiss: BücherWelten“ weiterlesen

Wulf D. von Lucius: Bücherlust

Vom Sammeln

Im Grunde unterscheiden sie sich kaum, die Ratgeber für Sammler. Das gilt auch für Bücher über das Sammeln von Büchern. Und trotzdem fliege ich auf die Letztgenannten. Mittlerweile stehen einige dieser Spezies in meinem Bücherregal. „Bücherlust“ allerdings noch nicht – das ist eine Leihgabe aus der Bücherei. „Wulf D. von Lucius: Bücherlust“ weiterlesen

ZVAB: Special zum 150. Geburtstag von Toulouse-Lautrec

Ich mache heute ausnahmsweise einmal etwas Werbung. Aber nicht für eine einzelne Firma, sondern für einen unternehmerischen Zusammenschluss. Eine große Zahl von Antiquaren hat sich zusammengetan, um im Internet unter dem Kürzel ZVAB (Zentrales Verzeichnis antiquarischer Bücher) Millionen antiquarischer, gebrauchter oder vergriffener Bücher sowie Noten, Graphiken, Autographen und Postkarten zum Kauf anzubieten. „ZVAB: Special zum 150. Geburtstag von Toulouse-Lautrec“ weiterlesen

Anneliese Schmitt: Deutsche Exlibris

Auf eine schöne, interessante, ja lehrreiche Reise durch rund 500 Jahre Exlibris-Kunst nimmt uns Anneliese Schmitt in ihrem Buch „Deutsche Exlibris“ mit.

Das Buch gliedert sich in eine ausführliche, repräsentative Bildauswahl und einen redaktionellen Teil, der immer wieder auf die vorgestellten beispielhaften kleinen Deutsche ExlibrisDruckwerke Bezug nimmt. Doch erst einmal heißt es Ordnung in die Begriffsvielfalt rund um das Exlibris zu bringen.

Exlibris oder ex Libris? „Exlibris“, so lernen wir, ist die Substantivierung von ex libris (lat. „aus Büchern“). Während es Exlibris schon seit Ende des 15. Jahrhunderts gibt – die ältesten vorgestellten wurden um 1480 geschaffen -, hat sich der Begriff erst Anfang des vorigen Jahrhunderts durchgesetzt. Das erste Exlibris, wo der Begriff eindeutig substantivisch gebraucht wird, ist ein um 1900 entstandenes Blatt des Künstlers Willi Geiger.

Exlibris oder nicht Exlibris?

Exlibris sind lose Blätter, die den Eigentümer eines Buches bezeichnen und die auf den vorderen Innendeckel von Büchern eingeklebt werden. Mit dem Exlibris verbunden ist die Vorstellung von graphischem Bildschmuck. Der Text auf den Blättern ist in der Regel gedruckt, im 15. und 16. Jahrhundert auch handschriftlich eingefügt.

So die Definition von Anneliese Schmitt. Aber die Abgrenzung ist oftmals gar nicht so einfach, denn es gibt viele dem Exlibris verwandte Formen: den handschriftlichen Eintrag als die älteste Form der Kennzeichnung von Bucheigentum, Stempel, rein typographische Blätter, Signaturenschilder oder Supralibros (Außenexlibris), die aus der Einbandkunst erwachsen sind …
Einige Beispiele für Blätter, die keine „echten“ Exlibris sind, finden sich auch im Bildteil.

Das Exlibris ist eng mit der Geschichte des Buchdrucks, des Büchersammelns und der Druckgraphik verbunden. Seine Erfolgsgeschichte nahm in Deutschland ihren Anfang.

Die erste große Blütezeit der Buchillustration und Buchgestaltung fällt in die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts. Durch sie angeregt und mitgetragen, erlebt die Entwicklung des Exlibris, das zu dem Zeitpunkt zu einer europäischen Erscheinung wird, ihre erste große Glanzzeit …

Das ist auch die Zeit, in der die namhaftesten Künstler der Epoche wie Albrecht Dürer, Lucas Cranach oder Jost Amman sich dieser Kunstgattung widmeten.

Anneliese Schmitt schildert in ihrem Buch in konzentrierter Form und immer wieder auf die Beispiele im ersten Buchteil verweisend die weitere Entwicklung des Exlibris, die sich verändernden Sujets, die Nutzung sich neu ergebender unterschiedlicher Techniken der Druckgraphik, zeigt an Beispielen das Zusammenwirken von Exlibris-Auftraggebern und gestaltenden Künstlern auf.

Oft sind die sog. „Redenden Exlibris“ von besonderem Reiz. Hier versucht der Künstler, den Namen des Bucheigners bildlich umzusetzen. Ein Beispiel findet sich auf dem Buchumschlag. Es zeigt das für Johann Knabensberg, genannt Igler, um 1480 geschaffene Blatt – eines der ältesten Holzschnitt-Exlibris. Der Text auf dem Schriftband lautet: „hanns igler. Das dich ein igel küs“.

Bücher selbst als Sujets für die Gestaltung eines Exlibris spielen übrigens erst seit dem 18. Jahrhundert eine Rolle.

Während das ältere Exlibris uns vor allem die Buchbesitzer und -liebhaber näher bringt, hat sich in jüngerer Zeit eine weitere Gruppe entwickelt, die ihre Aufmerksamkeit auf das Exlibris richtet: es sind die Sammler, bei denen das Interesse an der Graphik dominiert. Anneliese Schmitt: „Das moderne Exlibris … hat seine eigentliche kulturhistorische Funktion nicht zu bewahren gewußt.“

Mein Fazit: Auf gerade einmal 40 Textseiten vermittelt uns die Autorin eine prägnante Darstellung der Geschichte des deutschen Exlibris. Sie hat ihr umfangreiches Wissen gut verständlich aufbereitet. Im Zusammenwirken mit dem ausführlichen Bildteil vermittelt die Publikation einen guten Überblick über die Entwicklung dieses reizvollen kleinen Kunstformats in Deutschland. Bücher- wie Exlibrissammler sind mit diesem noch zu DDR-Zeiten in Leipzig erschienenen Buch gut bedient.

Leider verraten uns die Verlagsverantwortlichen mit keinem Wort, wer die Buchautorin ist. Da ein großer Teil der Abbildungen aus der Exlibris-Sammlung der Deutschen Staatsbibliothek Berlin stammt, könnte man vermuten, dass Schmitt die dortige Sammlung betreut hat. Aber das ist reine Spekulation.

Anneliese Schmitt
Deutsche Exlibris
Koehler & Amelang, Leipzig 1986, 192 Seiten
nur noch antiquarisch erhältlich

Joachim Elias Zender: Geliebte alte Bücher

Sammeln – Pflegen – Schätzen

Geliebte alte BücherManchmal nimmt eine Büchersammlung (wie andere Sammlungen auch) ganz unmerklich ihren Anfang: man wird gelegentlich auf dem Flohmarkt fündig, entdeckt bei Ebay hin und wieder ein interessantes Altertümchen und „schägt zu“, nutzt den Einkauf im Buchladen zu einem Abstecher ins angegliederte Antiquariat und stößt unvermittelt auf eine erschwingliche illustrierte Ausgabe mit Werken eines verehrten Autors … Und ehe man sich versieht, hat man eine kleine, aber feine Sammlung alter Bücher zusammengetragen. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen (und vermutlich der Wunsch da), sich intensiver mit seinen Sammelobjekten zu befassen, fundiertes Grundwissen zu erwerben.

Andere kaufen von vornherein zielbewusst alte Bücher in der Absicht, ihr Geld anzulegen. Für diese Sorte Sammler, soweit sie auf eigene Faust vorgehen, ist mindestens solides Basiswissen unerlässlich. Fachwissen entsteht dann mit der Zeit durch ständige Auseinandersetzung mit der Materie.

Dann gibt es noch die Bücherliebhaber mit einem besonderen Interesse an der Geschichte des Buches.

Sie alle und diejenigen, die sich irgendwo dazwischen bewegen, finden in Zenders „Geliebte alte Bücher“ eine informative Einführung, einen nützlichen Ratgeber.

Der Autor beschreibt zunächst, worauf beim Kauf eines alten Buches geachtet werden sollte (Thema, Ausstattung, Erhaltungszustand, Einband u.a.) und was ein Buch wertvoll macht oder seinen Wert ggfs. mindert. Er zeigt mögliche Einkaufsquellen auf und demonstriert Schritt für Schritt, wie man die Angaben in einem Antiquariatskatalog zu lesen hat. Ein weiteres grundlegendes Kapitel ist dem Aufbau des Buches gewidmet. „Vorsatz“ und „Kopfschnitt“ etwa sind Begriffe, die Bücherfreunden wahrscheinlich geläufig sind; aber bei Bezeichnungen wie „Schutzkappe“, „Bodensignatur“, „Supralibros“, „Kolophon“ oder „Kustode“ wird es schon kniffliger.

Andere Kapitel befassen sich mit Papier, dem „Stoff, aus dem die Bücher sind“, der Kunst der Drucker, Buchillustration und Buchgeschichte. Schließlich geht es um den pfleglichen Umgang mit den alten Schätzen, um Gefahren, denen sie ausgesetzt sein können (mechanische, biologische und chemische Schäden, Schäden durch schlechtes Aufbewahrungsmaterial u. a.), zu vermeiden. Manches, was dort zu lesen ist, dürfte „Normalos“ unter den Büchersammlern doch etwas zu weit gehen, aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste.

Alles in allem aber ist „Geliebte alte Bücher“ ein brauchbarer Einstieg in die wunderbare Welt alter Bücher. Die für den Sammler am Beginn seiner Sammeltätigkeit wesentlichen Punkte werden abgehandelt. Wer sich angeregt fühlt, tiefer in die Materie einzudringen, findet im ausführlichen Literaturverzeichnis am Ende des Buches nützliche Hinweise.

Dank seiner sorgfältigen Aufmachung (die allerdings ihren Preis hat) und zahlreichen schönen Abbildungen ist „Geliebte alte Bücher“ zudem ein Schmuckstück, das sich in jedem Bücherschrank gut macht.  Leider hat man dem Text nicht ganz so viel Aufmerksamkeit zukommen lassen wie dem Buchäußeren. Manche Passagen, in denen sich „auf kürzester Distanz“ zuvor gemachte Aussagen wiederholen,  erwecken den Eindruck, es habe dem Autor bei abschließender Durchsicht des Geschriebenen an Konzentration gefehlt. An der insgesamt positiven Bewertung des Buches ändert das aber nichts.

Joachim Elias Zender
Geliebte alte Bücher
Sammeln – Pflegen – Schätzen
Jan Thorbecke Verlag 2010, 136 Seiten, 34,90 EUR