Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten

Bekenntnisse eines Bibliomanen

Bibliophile wie Bibliomane schreiben gern über ihre Passion. Bibliophile und Bibliomane lesen aber auch gern die Geschichten über Freuden und Leiden ihrer Brüder und Schwestern im Geiste. „Jacques Bonnet: Meine vielseitigen Geliebten“ weiterlesen

Von Bücherlust und Leseglück – hrsg. von Jürgen Busche und Christine Eichel

Kluge Köpfe und ihre Bibliotheken

Welcher Bücherfreund schaut nicht gern in anderer Leute Bibliothek? Noch dazu, wenn diese mehr oder weniger prominent sind. Es gibt immer etwas zu entdecken – Vorlieben wie Abneigungen der anderen Bücherfreaks „Von Bücherlust und Leseglück – hrsg. von Jürgen Busche und Christine Eichel“ weiterlesen

Anne Fadiman: Ex Libris

Bekenntnisse einer Bibliomanin

Ist sie nun biblioman oder doch „nur“ bibliophil?  Schwer zu sagen, denn die Grenzen sind fließend. Für mich aber ist Anne Fadiman ohne Zweifel eine Seelenverwandte. „Noch nie konnte ich an einem Buch über Bücher achtlos vorbeigehen“ schreibt sie Ex Librisin einem der Beiträge dieses Taschenbuchs. Wie gut ich das kenne … So ist es denn auch kein Wunder, dass ich sofort zugriff, als ich „Ex Libris“ kürzlich auf dem „Mängel-Exemplare“-Wühltisch einer Buchhandlung entdeckte.

Die amerikanische Autorin Anne Fadiman kommt aus einem Elternhaus, in dem Bücher eine zentrale Rolle spielten, in dem gesammelt und fast pausenlos gelesen wurde.  Eigenschaften, die sie von Kindesbeinen an übernommen hat und als erwachsene Frau mit ihrem Mann und ihren Kindern teilt.

In „Ex Libris“ vereint Fadiman nun im Laufe von vier Jahren verfasste Aufsätze über ihr und anderer Menschen Leben mit Büchern. Dass man an das Thema nicht bierernst herangehen muss, beweist die Autorin auf jeder Seite dieses Buches. Sie schreibt locker, humorvoll, selbstironisch.

Themen sind zum Beispiel die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn Ehepartner sich nach langem Zögern entschließen, ihre jeweiligen Bibliotheken zu vereinen, oder die unwiderstehliche Anziehungskraft von Antiquariaten.  Fadiman  schreibt über ihr Kuriositätenkabinett, Widmungen in Büchern oder das besondere Vergnügen, das ihr das Studium von Versandkatalogen bereitet. Insgesamt umfasst der Band 17 Aufsätze plus Lektüreempfehlungen (nur bedingt hilfreich). Gelegentlich war ich bei der Lektüre versucht, schallend zu lachen, manchmal fand ich Fadimans Stil aber auch ein wenig überdreht (typisch amerikanisch ?). Dass nicht alle Beiträge des Buches gleich stark sind, versteht sich fast von selbst.

Nichtsdestotrotz: Büchernarren kommen mit „Ex Libris“ auf jeden Fall auf ihre Kosten. Ein Buch, das zu lesen Spaß macht und Bibliophilen das das eine oder andere Mal einen Spiegel vorhält.

Anne Fadiman
Ex Libris
Bekenntnisse einer Bibliomanin
Diogenes Taschenbuch 2007, 224 Seiten

Alexander Pechmann: Das Haus des Bücherdiebs

Sie sind schon ein eigenartiges Völkchen, die Bibliophilen und die Bibliomanen. Was tun sie nicht alles, um in den Besitz eines begehrten Buches zu kommen! Die Bibliophilen sind in der Wahl der Das Haus des BücherdiebsMittel ja noch harmlos, aber die hemmungslosesten Bibliomanen schrecken nicht einmal vor Mord und Totschlag zurück.

So der habgierige Don Vincente, ein abtrünniger Mönch, der ein Antiquariat betrieb und es nicht ertragen konnte, dass sein Konkurrent Patxots ihm bei einer Auktion ein von ihm heiß begehrtes Buch vor der Nase wegschnappte. Wenige Tage nach der Auktion ging Patxots Buchhandlung in Flammen auf, und kurz darauf wurden neun bedeutende Sammler, die allesamt Patxots Kunden gewesen waren, Opfer eines Mordanschlags. Überflüssig, zu sagen, wer der Täter war … Legendär ist auch Graf Libri, der den Auftrag erhalten hatte, einen vollständigen Katalog der Handschriften in den öffentlichen Bibliotheken Frankreichs zu erstellen. Er nutzte sein Amt schamlos aus, um große Mengen wertvoller Handschriften oder aus Büchern herausgerissener Seiten unter seinem weiten Umhang herauszuschmuggeln und der eigenen Bibliothek einzuverleiben.

Diebstahl von Büchern war offenbar unter Bibliomanen ein beliebtes Mittel, um in den Besitz begehrter Bücher zu kommen. Gerade auch Kirchenmänner scheinen für diese „Methode“ anfällig gewesen zu sein, was vermutlich damit zusammen hängt, dass gerade in den Klosterbibliotheken die wertvollsten Schätze in den Regalen standen. Pechmann berichtet beispielsweise von Kardinal Passionei, der ganz ungeniert vorging und „Bücher, die sein Herz begehrte, bei seinen Inspektionsbesuchen gleich aus den Fenstern der Klosterbibliotheken warf; unten wartete stets ein Gehilfe mit einem Korb, der die Kostbarkeiten auffing.“

In die Kategorie der harmlosen Büchernarren fällt der florentinische Bibliothekar Antonio Magliabechi, der von seinen Zeitgenossen „Bücherfresser“ genannt wurde. Er las praktisch von morgens bis abends; sein schier unglaubliches Gedächtnis „speicherte alles Gelesene sorgfältig und legte die Texte zuverlässig abrufbar in den kleinen grauen Zellen ab“. Erwähnt sei auch Charles Chadenat, der Anfang des 20 Jahrhunderts in Paris ein Antiquariat führte, das bis zum Platzen mit Americana gefüllt war. Aber Chadenat war – so etwas scheint es unter Antiquaren gar nicht so selten zu geben – ein Buchhändler, der nur äußerst ungern verkaufte; er hortete und las die Bücher lieber selbst. Gelegentlich, so lesen wir in Pechmanns Buch, „ließ er sich zu einem Tauschgeschäft herab, wenn er dadurch eine minderwertige Doublette loswerden und dafür eine nur ihm bekannte Kostbarkeit ergattern konnte. Nur selten ließ er sich nach langem Feilschen dazu überreden, ein gut erhaltenes Buch aus seinen übervollen Regalen zu verkaufen.“

Nicht gerade bescheiden gab sich im 19. Jahrhundert der Sammler Sir Thomas Phillipps, der von dem Gedanken besessen war, jede erhaltene Handschrift auf Pergament aufzukaufen: „Ohne besondere Kenntnisse von alten Manuskripten kaufte er einfach alles und bezahlte jeden Preis.“ Der Amerikaner Fred Board erwarb auf seinen Geschäftsreisen im Laufe der Jahre Mengen an Büchern, die durch ein besonderes Aussehen hervorstachen: runde Bücher, herzförmige Bücher, Bücher aus Beton, Bücher, die auf schottischer Wolle gedruckt waren …

Diese und viele andere mehr oder weniger kuriose Geschichten hat Alexander Pechmann für „Das Haus des Bücherdiebs“ zusammen getragen. Er erzählt sie auf unterhaltsame Weise; manchmal glaubt man ihn dabei schmunzeln zu sehen. Wer Lust hat (und welcher Bücherfreund hätte das nicht?), den Spuren berühmter Bibliophiler, passionierter Sammler oder trickreicher Bücherdiebe zu folgen, wird das Buch gern in die Hand nehmen und eine vergnügliche Zeit des Lesens haben.

Alexander Pechmann
Das Haus des Bücherdiebs
Aufbau Verlag 2010, 192 Seiten, 16,95 EUR

Ich nutze die Gelegenheit, noch einmal auf Pechmanns wunderbares Buch „Die Bibliothek der verlorenen Bücher“ hinzuweisen, das ich hier vorgestellt habe.

Steven Gilbar: Bibliomania

Ein listenreiches Buch über Bücher …

… lautet der Untertitel dieses Büchleins. Und das ist wörtlich zu nehmen. Hier geht es nämlich nicht um List und Tücke, sondern um Listen: Etwa Bibliomaniaüber die zehn unantastbaren Rechte des Lesers; fünfzehn Schriftsteller, die Linkshänder waren; zwölf Nationalepen; elf Ermittlerduos in angelsächsischen Krimis; Liebespaare in der Literatur; vierundzwanzig Schriftsteller, die auf dem Friedhof Père Lachaise in Paris beerdigt sind; die zehn größten Bibliotheken der Welt; zwölf Opern mit literarischen Vorlagen; fünfundzwanzig Autoren mit medizinischer Ausbildung – um nur einige Beispiele von vielen möglichen zu nennen. Die Aufzählung macht schon deutlich: hier wird Wissenswertes und Interessantes munter mit Kuriosem und Belanglosem gemischt.

Die Listen werden aber immer wieder unterbrochen durch kleinere, meist interessante Artikel über Bücher und Buchgeschichte. So informiert Steven Gilbar kurz und knapp über Begriffe aus der Typographie, die Geschichte des Buchdrucks, die Teile eines Buches (Buchblock, Bundsteg, Falz etc.), die Dezimalklassifikation für Bibliotheken oder die ersten Buchgemeinschaften.

Was macht man mit einem solchen Buch? In einer ruhigen Stunde durchblättern, interessante kleine Artikel lesen, über manche Listen-Zusammenstellungen staunen, einfach Spaß haben. Oder an bibliophile Freunde und Freundinnen verschenken.

Ich jedenfalls habe meine Freude an und mit „Bibliomania“ gehabt.

Bibliomania
Ein listenreiches Buch über Bücher
zusammengestellt von Steven Gilbar
bearbeitet und ergänzt von Christian Detoux
Broschiert; 176 Seiten
Verlag: Diogenes; Dezember 2008

Alfons Schweiggerts Roman „Das Buch“

Ist das ein irres Buch! „Das Buch“ muss man gelesen haben. Und wenn es nicht zum reinen Vergnügen geschieht, dann vielleicht als Warnung? Denn eine gewisse Vorsicht ist angebracht. Sonst ergeht es einem wie dem Herrn Bibli, mit dessen nicht alltäglichem Schicksal wir hier konfrontiert werden. Aber was heißt hier „Vorsicht“? Die Frage ist doch, ob wir Bibliophilen unsere Wahl eigentlich noch selbst treffen  oder ob  es  „Das Buch“ ist, das sich den Menschen aussucht und ihn dann … Wie bei Herrn Bibli. Und das kam so:

Herr Bibli ist bibliophil seit frühester Jugend. Oder ist er schon Bibliomane?  Die Grenzen sind zumindest fließend. Manchmal lässt er ein ausgewähltes Buch auch mal einfach „mitgehen“. So auch „Das Buch“, das er auf einem Bücherflohmarkt entdeckt und dessen Sogwirkung er sich nicht mehr entziehen kann. Die Lektüre fesselt ihn, und ohne dass er es anfangs so richtig realisiert, ergreift  „Das Buch“  Besitz von ihm. Es dringt in seine Träume ein, verursacht ihm körperliche Schmerzen.  Mit der Zeit bemerkt Bibli  fortschreitende Veränderungen an sich: er wird nicht nur dünner, sondern auch kleiner. Und dann passiert es eines Tages: unter größten körperlichen Qualen vollzieht sich Herrn Biblis Transformation. Er selbst wird „Das Buch“.

Ab sofort verfolgen wir  Biblis Leben als Buch. Dieses neue Leben ist für Herrn Bibli ganz schön aufregend. Es/er geht durch viele Hände; meist nimmt er es hin, wie man mit ihm umgeht. Aber  wenn es sein muss, wenn ihn die ganz große Empörung packt, entwickelt „Das Buch“ unter Aufbietung aller Kräfte Biblis sogar für Menschen lebensbedrohliche Fähigkeiten…

Nein, mehr erzähle ich jetzt nicht über den Inhalt. Selber lesen macht Spaß. Schweiggert beweist eine unglaubliche Phantasie. Sein Roman ist wunderbar geschrieben, skurril und amüsant, entführt uns in das weite Feld zwischen Märchen und Alptraum. Und nimmt auch noch den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki aufs Korn.

Der 1947 geborene Autor wurde übrigens 2010 mit dem Großen Karl-Valentin-Preis ausgezeichnet. In den 70er Jahren  war er freier Mitarbeiter des Satire-Magazins „Pardon“.

Ausführliche Informationen über Alfons Schweiggert gibt es auf seiner Homepage. Wem meine Lobeshymnen über „Das Buch“ noch nicht ausreichen, findet dort weitere von Journalisten und Schriftstellerkollegen Schweiggerts.

Alfons Schweiggert
Das Buch
Ehrenwirth Verlag 1989, Hardcover, 136 Seiten
(Hardcover-Ausgabe wohl nur noch antiquarisch erhältlich; es gibt aber auch ein noch lieferbares Taschenbuch)