Hemmungslos zeichnen: Gegen den Strich oder – Just draw it !

Ein Blick in die gut gefüllten Regale der Buchhandlungen zeigt es: Zeichnen, Skizzieren ist „in“. Der Wunsch, sich mit Zeichenstift, Block und Skizzenbuch kreativ zu betätigen, scheint aktuell weit verbreitet zu sein. Und das – auch – bei Menschen, die zunächst vor allem erst einmal eins müssen: eine enorme Hemmschwelle überwinden. Als Kinder haben sie noch mit Freude und Hingabe gemalt und gezeichnet. Doch kritische Bemerkungen von Erwachsenen oder Druck in der Schule, der Eindruck, den Anforderungen anderer oder den eigenen Ansprüchen nicht gerecht zu werden – all das lässt viele Menschen früher oder später die Freude am Zeichnen verlieren.

Dass das nicht auf alle Ewigkeit so bleiben muss, zeigen einige Veröffentlichungen der letzten Jahre, die es sich zum Ziel gesetzt haben, auf unbefangene, spielerische Weise an das freie Zeichnen heranzuführen. Wertungsfrei genannt seien an dieser Stelle „Zeichnen für verkannte Künstler“ von Quentin Blake und John Cassidy, „Willkommen im Kritzelclub“ von Jenny Doh und „Kritzeln, Zeichnen, Kunst entdecken“ von Marion Deuchars. Auf die beiden Veröffentlichungen „Gegen den Strich“ von Gecko Keck und „Just draw it“ von Sam Piyasena & Beverly Philp will ich an dieser Stelle etwas näher eingehen. Dass beide Bücher im selben Verlag erschienen sind, hat bei der Auswahl keine Rolle gespielt.

Nach dem einleitenden Text oben überrascht das jetzt niemanden mehr: Beiden Büchern gemeinsam ist das Ziel, das sie verfolgen:

Wichtiges Ziel dieses Buches ist jedoch, Sie dazu zu motivieren, jede Scheu abzulegen und mit jedem einzelnen Kunstwerk Ihre Gefühle und Ihre Persönlichkeit auszudrücken. [Just draw it!]

Kreative Impulse, Inspiration und Spontaneität stehen im Vordergrund und sind der Auslöser für die Gestaltung. Alles ist möglich und nichts ist falsch. [Gegen den Strich]

Beide Bücher enthalten eine Fülle an Anregungen und Übungen: Vom Blindzeichnen über das Spiel mit dem Zufall, vom Telefongekritzel bis zu abstrakten Tiermustern, von der Führung eines Skizzenbuchs bis zum Zeichnen auf Reisen – um nur einige wenige Beispiele aus „Gegen den Strich“ zu erwähnen. „Spuren im Sand“, „In einer Minute“, „Menschen in Bewegung“ „Kaffeetassen-Kritzeleien“, „Frosch- und Vogelperspektive“ und „Ich bin das Skizzenbuch“ – so sind einige der abwechslungsreichen Kapitel in „Just draw it!“ überschrieben. Zu jedem Vorschlag gibt es hier übrigens unter „Inspirationen“ Links zu Künstlern, aus deren Schaffen sich die Autoren ihrerseits Anregungen geholt haben.

Sicher wird nicht jeder Leser jede Übung machen, aber das ist auch nicht nötig. Sowohl Keck als auch Piyasena/Philp wollen ja keinen Stress verursachen, keine Zwänge schaffen, sondern einen unkonventionellen Zugang zur Zeichenkunst eröffnen und Mut machen, selbst zu experimentieren und auszuprobieren. Dabei ist „Just Draw it!“ nach meinem Eindruck der künstlerisch etwas ambitioniertere Titel. „Echte“ Anfänger könnten sich bei der einen oder anderen Übung doch etwas überfordert fühlen. „Gegen den Strich“ wirkt auf mich alles in allem etwas niederschwelliger, spielerischer.

Generell glaube ich aber, dass der (Wieder-)Einstieg ins Zeichnen mit Hilfe beider Bücher, die nicht nur eine Vielzahl an Anregungen enthalten, sondern auch locker geschrieben sind, sehr wohl gelingen kann. Menschen, die – möglicherweise nach Jahren – wieder einen Stift in die Hand nehmen und unbeschwert zeichnen wollen, sollten sich vor einem Kauf beide Titel anschauen und sich einen Eindruck verschaffen, um dann mit Hilfe des zu ihnen und ihren Bedürfnissen passenden Buchs ans Werk zu gehen. Denn Zeichnen müssen sie schon selbst. Also: Just draw it!

 

Gecko Keck
Gegen den Strich
Das etwas andere Zeichenbuch
Frechverlag 2012, 144 Seiten

Sam Piyasena & Beverly Philp
Just Draw It !
Kritzeln Skizzieren Zeichnen – Coole Techniken einfach erlernen
Frechverlag 2013, 160 Seiten

4 Kommentare zu „Hemmungslos zeichnen: Gegen den Strich oder – Just draw it !

      1. Nein, anders als das Musizieren (von meinem Musiklehrer in der Schule – Gott hab ihn selig) wurde mir das Zeichnen nie verleidet, ich habe einfach vor sehr langer Zeit damit aufgehört – und verspüre nun große Lust, mal wieder zum Stift zu greifen.

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