Bilderbögen und Bildergeschichten: Struwwelpeter und Consorten

Es ist mal wieder Zeit für eine Dosis Nostalgie. Und was könnte sich dafür besser eignen als Bilderbögen und Bildergeschichten aus vergangenen Zeiten?

In „Struwwelpeter und Consorten“ sind eine ganze Reihe der das Genre prägenden Bögen und Erzählungen aus dem 19. Jahrhundert versammelt. Das „Hausbuch“ aus dem Gerstenberg Verlag lässt, so der Einbandtext, „Klein und Groß in den Bilderwelten längst vergangener Tage schwelgen“. Nach meinem Eindruck ist „Stuwwelpeter und Consorten“ aber eher ein Buch für jung gebliebene Erwachsene und für Menschen, die in den Bilderbögen und Bildergeschichten das sehen, was sie – auch – sind: kulturgeschichtliche Dokumente. Ich habe gewisse Zweifel, ob kleine Jungen und Mädchen mit zumindest einem Teil der Inhalte und Darstellungen aus einer ganz anderen Zeit noch wirklich etwas anfangen können.

Für welches Kind ist Honig in einem Honigtopf heute noch so begehrenswert, das es seinen Kopf so weit zum Schlecken hineinsteckt, dass es ihn nicht mehr herausziehen kann (und im zähen Honig erstickt)? Überhaupt sind die „belehrenden Geschichten“, die einen eigenen Abschnitt in diesem Buch einnehmen, in Werken wie dem Struwwelpeter oder auch auf vielen Bilderbögen oftmals ganz schön martialisch und für moderne Pädagogen zum Haare-Raufen …

Aber es gibt ja auch noch „Märchenhaftes und Sagenhaftes“ wie z. B. Till Eulenspiegel, den „Gestiefelten Kater“, die „Heinzelmännchen“ oder den Doktor Eisenbart oder die „Lustigen Geschichten“ wie „Der Affe als Barbier“ und Wilhelm Busch’s „Max und Moritz“ (na, die sind ja auch nicht „ohne“ und enden böse). Schließlich finden sich in dem Buch Weisheiten aus dem Volksmund à la „Wenn die Katze aus dem Haus ist“ und eine Reihe von Nonsens-Geschichten.

Schöpfen konnte der Verlag aus einer Vielzahl von Quellen wie dem Struwwelpeter, 1847 zum Weihnachtsfest von dem Arzt Dr. Heinrich Hoffmann für seinen kleinen Sohn Carl ausgedacht, den Streichen von Max und Moritz, die Wilhelm Busch knapp zwei Jahrzehnte später zu Papier brachte, und anderen Klassikern der Kinderliteratur. Hinzu kommen zahlreiche Bilderbögen, die in den Zentren der Bilderbogen-Produktion Neuruppin (Gustav Kühn u.a.) und München („Münchner Bilderbogen“, „Deutsche Bilderbogen“) entstanden sind.

Insgesamt gesehen bietet „Struwwelpeter und Consorten“ eine schöne Zusammenstellung von Bildgeschichten, bebilderten Reimen und Nonsens. Sie kann auch heute noch, viele Jahre nach dem Entstehen der Bilder und Texte, gut unterhalten und führt – wie mir scheint, vor allem – erwachsenen Leserinnen und Lesern auf lebendige Art vor Augen, was Kinder und Erwachsene damals beschäftigt hat, teilweise auch, wie ihre Lebensbedingungen ca. Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts ausgesehen haben. Neben dem Unterhaltungsfaktor ist auch dies ein nicht zu unterschätzender Aspekt.

 
Struwwelpeter und Consorten
Bilderbögen und Bildergeschichten
Gerstenberg Verlag 2003, 196 Seiten

2 Kommentare zu „Bilderbögen und Bildergeschichten: Struwwelpeter und Consorten

  1. Liebe Ingrid,
    ja, ich denke auch, dass Erwachsene am Meisten von deinen vorgestellten nostalgischen Bilderbücher profitieren, besonders historisch interessierte. Kinder möchte man heute nicht mehr mit diesen Erziehungsmethoden konfrontieren. Aber egal wie Bilderbücher gestaltet sind, Kindererziehung ist und bleibt schwierig und fordert alles von den Eltern!
    Einen schönen Sonntag von Susanne

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