Veronica Lawlor: Zeichne jeden Tag

6-Wochen-Training für Kreativität und frische Ideen

Man täusche sich nicht: Dieses Buch ist zwar in gewisser Weise ein Ratgeber, von der herkömmlichen Ratgeber-Literatur aber meilenweit entfernt.  Was uns hier erwartet, das ist ein sehr ambitioniertes Programm.  Über einen Zeitraum von 6 Wochen gilt es ein Zeichen-Training zu absolvieren mit dem Ziel, Kreativität wachzuhalten und Raum für frische Ideen zu schaffen. Genau genommen sind es 8 Profi-Illustratoren des in den USA ansässigen Studios 1482, die sich die Frage gestellt haben, wie sie Erstarrung im Beruf, wie sie das Sich-Bewegen in immer denselben Bahnen vermeiden können. Herausgekommen ist dieses selbstverordnete Programm, das sie Interessierten zur Nachahmung oder zumindest als Quelle für eigene Aufgabenstellungen anbieten.

Die Frage, an wen sich dieses Buch richtet, ist damit zumindest zum Teil schon beantwortet. Anfänger im Zeichnen jedenfalls nicht, denn Zeichnen lernt man mit dieser Veröffentlichung nicht. Es sind wohl eher Profis auf den Feldern Grafik, Illustration, Zeichnung und sehr hoch motivierte und erfahrene Hobby-Künstler, die Nutzen aus diesem Buch ziehen können. Das vorgeschlagene 6-Wochen-Programm schüttelt man nicht mal so eben aus dem Ärmel; wenn man versucht, sich dicht daran entlang zu arbeiten, ist neben Erfahrung doch eine Menge Aufwand erforderlich – vor allem zeitlich, aber auch in anderer Hinsicht. Die Liste „Was Sie brauchen“ ist sehr lang, zumal alle gängigen Zeichenmaterialien zum Einsatz kommen: Bleistift, Buntstift, Tusche und Federn, Aquarell, Kohle, Wachsmalkreide, Ölpastell …Schließlich braucht es auch die Bereitschaft (und den Nerv), in der Öffentlichkeit zu zeichnen – längst nicht alle Aufgaben lassen sich zu Hause am Zeichentisch erledigen.

Gegliedert ist das 6-Wochen-Programm in die Kapitel Linien, Flächen, Striche und Muster / Das Spiel mit der Farbe / Menschen beobachten und Bewegung einfangen / Rund ums Haus / Stadt und Land / Ideen, Urlaub und besondere Projekte. Pro Tag steht eine Doppelseite zur Verfügung. Die jeweiligen Künstler erläutern die Gedanken und die Ideen, die hinter dem beispielhaft vorgestellten Bild stehen. Manchmal finden sich zur Veranschaulichung auch weitere kleinere Zeichnungen auf der Doppelseite. Dann folgt der „Arbeitsauftrag“ mit Erläuterungen, gelegentlich ergänzt um Tipps und/oder Varianten. Im letzten Kapitel werden die Künstler jeweils auf einer Doppelseite vorgestellt (Werdegang und Auswahl einiger Arbeiten).

Fazit: Für diejenigen,  die sich zeichnerisch weiterentwickeln wollen, die offen sind für neue  Ideen, ist dieses Buch ein hilfreiches.  Es bietet mit seinen vielen  Anregungen einen Fundus, aus dem man schöpfen und ggfs. für sich selbst ein „Zeichne-jeden-Tag“-Programm entwickeln kann.  Dass die Buchautoren auf „jeden Tag zeichnen“ und einen 6-Wochen-Zeitraum abheben, ist im übrigen kein Zufall, gilt es doch, sich gewohnheitsmäßig einen (Frei-)Raum zu schaffen, in dem man Neues ausprobieren,  in dem man kreative Kräfte entwickeln und entfalten, in dem man dem Stift oder der Feder einfach mal freien Lauf lassen kann. Dazu braucht es neben Regelmäßigkeit auch eine gewisse Zeitspanne. Als Motivator, als Begleiter und Stütze kann dieses Buch gute Dienste leisten.

 
Veronica Lawlor
Zeichne jeden Tag
6-Wochen-Training für Kreativität und frische Ideen
Frechverlag 2012, 128 Seiten

2 Kommentare zu „Veronica Lawlor: Zeichne jeden Tag

  1. Liebe Ingrid, ich persönlich halte es auch für wichtig, jeden Tag zu zeichnen. Manchmal stelle ich mir selber Aufgaben, manchmal nutze ich einfach eine Stimmung oder eine Situation für meine Zeichnung.
    Seit 1999 zeichen ich täglich, damals beschloss ich, dass wie ein Musiker es auch für ein Zeichner wichtig ist, täglich Erfahrungen zu sammeln.
    Sonnige Grüße aus Berlin
    Susanne

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    1. Ich sehe gerade, dass Du Dich in Deinem Buch „Mit Tusche zeichnen und kolorieren“ – das habe ich mir aus der Bücherei mitgebracht – auch mit der Problematik eines Ideenstaus und Deinem Vorgehen zur Vermeidung eines solchen Staus befasst. Das passt gut zu dem Auslöser, der zu dem Buch „Zeichne jeden Tag“ geführt hat.

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