Ralph Skea: Van Goghs Gärten

Auch wenn der Sommer sich in den letzten Tagen noch einmal richtig ins Zeug gelegt hat: von einem „schönen Sommer“ waren wir in diesem Jahr doch ein Stück entfernt. Gartenbesitzer und -liebhaber werden bedauert haben, dass sie nicht so sehr viel Zeit in der Ruhe und Abgeschiedenheit ihrer „Oasen“ verbringen, sich wärmen lassen, die Farben- und Blütenpracht genießen, in ungestörter Umgebung ein Buch lesen konnten.

van Goghs Gärten ArtikelbildEinen – zugegeben nur – kleinen Ausgleich mag das Buch bieten, das ich heute vorstellen möchte. Und wir finden darin auch nicht ausschließlich sommerliche Gärten.

Vincent van Gogh (1853 – 1890) war sein  Leben lang ein großer Gartenliebhaber – seien es die heimischen Pfarrhausgärten in den Niederlanden, die mit Sonnenblumen übersäten Kleingärten am Montmartre, die Gärten im Hospital Saint-Rémy oder die Anlagen in Auvers. Der Künstler gab sich hingebungsvoll  dem einzigartigen Charakter hin, den jeder dieser Orte auszeichnete.

Für van Gogh, der zunehmend unter schweren manisch-depressiven Anfällen litt,  waren die Gärten zudem (lebens)wichtige  Orte, an denen er Ruhe fand, Ängste abbauen, sich erholen, neue Kräfte sammeln konnte. Und er zeichnete sie wieder und wieder: mehr als 90 Gemälde, fast sechzig Zeichnungen und zahlreiche Skizzen gehören zu van Goghs „gärtnerischer“ Hinterlassenschaft. Gartenmotive sowohl in ländlicher als auch in städtischer Umgebung finden sich in allen Schaffensphasen seines leider nur zehn Jahre währenden Künstlerlebens.

Seit sechs Wochen habe ich keinen Fuß aus dem Hause gesetzt, nicht mal im Garten bin ich gewesen; aber nächste Woche […] will ich es versuchen.

Einen eigenen Garten aber besaß er nie. Dazu reichten seine finanziellen Mittel nicht.

Viele der Garten- und Parkbilder van Goghs präsentiert Ralph Skea in dem hier vorgestellten Buch.

Er tut das nicht isoliert, sondern zeichnet in vier Abschnitten in groben Zügen das Leben des Künstlers nach: Auf die beiden einleitenden Kapitel über Vincents Liebe zu Gärten folgen die Abschnitte „Vincents holländische Gärten 1881 – 1885“, „Vincents Pariser Gärten 1886 – 1888“, „Vincents provenzalische Gärten 1888 – 1890“ und „Vincents Gärten in Auvers 1890“.

Wenn ich Dir die vier Bilder schicke, die ich vom Garten in Arbeit habe, wirst Du sehen, dass es hier nicht allzu trübselig ist, wenn man bedenkt, dass sich das Leben großenteils im Garten abspielt.

So lernen wir, sofern wir mit van Gogh nicht ohnehin vertraut sind, quasi nebenbei beim Betrachten der Bilder, die natürlich die Hauptrolle spielen, auch den Menschen Vincent, seine besonders intensive Beziehung zu seinem Bruder Theo (den er erstaunlicherweise nie porträtiert hat) und die wichtige Rolle kennen, die die Natur im allgemeinen und Gärten im besonderen für den Künstler spielten..

Ergänzt wird der Text des Autors  gelegentlich von Auszügen (s. Zitate oben)  aus van Goghs Briefen an den Bruder.

Fazit: „Van Goghs Gärten“ ist ein schönes, empfehlenswertes Buch für Kunst- wie für Gartenliebhaber. Es lädt zum „Flanieren“ ein, zum aufmerksamen Betrachten der Werke van Goghs wie zum Lesen. Und das am besten natürlich im Garten.

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Ralph Skea
Van Goghs Gärten
E. A. Seemann Verlag 2011, 112 Seiten

8 Kommentare zu „Ralph Skea: Van Goghs Gärten

  1. Danke für den Tip, Ingrid. Die wenigsten wissen, dass Van Gogh auch ein hervorragender Zeichner war. Ich kann dazu das DuMont Buch „Vincent Van Gogh – Zeichnungen“ empfehlen. Es ist sicher nur noch antiquarisch zu erhalten. Dort wird Vincent auf Seite 9 zitiert: „So unwillkürlich, wie ich schreibe mache ich ab und zu eine kleine Zeichnung (…)“. Ich finde diese Verbindung von Text und Zeichnung interessant. Liebe Grüße von Susanne

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    1. Liebe Susanne, „Vincent van Gaogh – Zeichnungen“ ist sofort auf meine Leseliste gewandert. Bemerkenswert ist ja, dass van Gogh weitgehend Autodidakt war. In „meinem“ Buch habe ich gelesen, dass er nach den Zeichenschulen und Handbüchern der französischen Künstler Charles Bargue und Armand Cassagne Zeichnen gelernt/geübt hat. Ich war sehr überrascht, als ich bei der Recherche im Netz sah, dass diese Werke nach wie vor antiquarisch bzw. in Neuauflagen erhältlich sind. Grüße nach Berlin, Ingrid

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      1. Liebe Ingrid, manche Bücher werden immer wieder neu aufgelegt, wahrscheinlich die erfolgreichen. Bei manchen frage ich mich, warum sie immer noch nicht wieder neu aufgelegt wurden. „Der Betrachter steht im Bild“ in der kompletten Auflage der 80er Jahre wäre klasse….. Liebe Grüße von Susanne

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  2. Wieder ein schöner Tipp von Dir … beim Stichwort manisch-depressiv fällt mir natürlich Hesse ein, der ja auch im Garten (und im Malen) Ausgleich und Beruhigung fand. Ich meine, dass es auch ein Buch oder Bücher über den „Gärtner“ Hesse gibt, wahrscheinlich im Insel Verlag…
    Und ich habe heute abend beim Durchfahren der Augsburger City gedacht, dass eine Wohnung im Grünen doch ganz schön wäre mittlerweile …

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    1. Hallo Birgit, ich werde mal nach Büchern über den Gärtner Hesse fahnden … Übrigens: „Fast ganz die Deine“ (Sabines Tipp) kommt in den nächsten Tagen. Ich habe es gerade eben angefangen. Es ist ein dünnes Bändchen, was mir als Langsamleserin und schon etwas Umzugsgestresster (Wohnung ziemlich im Grünen 🙂 sehr gut passt.

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      1. Falls Du wegen Hesse nicht fündig wirst … ich will immer noch eines der nächsten Wochenenden nutzen, um die Hesse-Ausstellung in Ochsenhausen zu sehen und in Gaienhofen mal sein Haus anzuschauen – da gibt es ja in den Museen meist auch schöne Buchtipps. Und in Gaienhofen war der Garten wohl auch recht wichtig. Und auf das angekündigte Buch freue ich mich – aber kein Stress! Ich werde gerade so nett mit Buchnachschub und Post versorgt – das ist eine Freude… Dir hoffentlich nicht mehr allzuviel Umzugsstress … Herzliche Grüße, Birgit

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      2. Allerdings, Museen und die Museumsshops sind die reinsten Fundgruben. Wie ich sehe, bist Du ja immer noch in Reiselaune 🙂 Und was meinen Umzugsstress angeht: der geht jetzt erst voll los Deshalb gibt’s in Kürze auch eine Blogpause.

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