Rolf Escher: DichterOrte

Orte der Arbeit – Orte der Inspiration. Zeichnungen

DichterOrte ist eine Art Begleitbuch zu einer gleichnamigen Ausstellung, die zunächst im Stadtmuseum Münster (März -Juni 2013) und anschließend im Heinrich-Heine-Institut in Düsseldorf (Februar-Mai 2014) gezeigt wurde.

Auslöser war die an das Münsteraner Stadtmuseum gerichtete Bitte des im Wechsel in Essen und Berlin lebenden Künstlers Rolf Escher, die Räumlichkeiten von Haus Rüschhaus, dem Wohnsitz von Annette von Droste-Hülshoff, zeichnen zu dürfen. Schon bald reifte die Idee zu einer Ausstellung, die auch Wohn- und Dichterorte ArtikelbildSchaffensorte anderer deutschsprachiger Dichter einbeziehen sollte – ein Vorschlag der Münsteraner, der Escher wohl sehr entgegen kam, hatte der sich doch schon lange mit im weitesten Sinn literarischen Themen beschäftigt. Neue Arbeiten entstanden, aber auch frühere Blätter konnten herangezogen werden: „Escher konnte sowohl auf einen guten Fundus zurückgreifen, als auch voller Eifer wieder an wohlbekannte Orte zurückkehren.“ – so Museumsleiterin Dr. Barbara Rommé im Vorwort zu diesem Band.

Dank dieser Vorgeschichte und ihrer Folgen können wir uns mithilfe dieses Buches an 15 berühmte Orte deutscher Dichtkunst entführen lassen. Rolf Escher hat mit Stift und Skizzenblock die Lebens- und Arbeitsräume, aber auch Arbeitsutensilien, von Größen wie Lessing, Goethe, Schiller, Heine, Rilke, Hauptmann, Hesse, Brecht u. a. m. für uns festgehalten. Mit Marianne von Willemer, Annette von Droste-Hülshoff und Bettina von Arnim sind nur drei Frauen dabei.

Für Vertraute aber wurde das eigentliche Wohnzimmer der Dichterin (= Annette von Droste-Hülshoff) geöffnet. Es war merkwürdig charakteristisch; sie selbst nannte es ihr „Schneckenhäuschen“.

Der Aufbau ist stets gleich: vorangestellt ist den einzelnen „Besuchen“ jeweils eine Kurzbiografie, verfasst von Rita Kauder-Steiniger (Stadtmuseum Münster), der ein Porträt des Dichters oder der Dichterin an die Seite gestellt wird. Dann entführt uns Escher an und in die Wohn- und Schreiborte, an denen Meisterwerke der deutschen Dichtkunst entstanden.

Ein paar Beispiele: Wir werfen einen Blick in Lessings Dienstwohnung in Wolfenbüttel, schauen uns im Arbeitszimmer in Goethes Weimarer Gartenhaus um, betrachten Bettina von Arnims Schreibsekretär im Schloss Wiepersdorf, staunen über Gerhart Hauptmanns zusammenklappbares Reisepult, machen es uns an Thomas Manns Schreibtisch bequem und stehen nachdenklich am Eingang zum Oppelt-Haus am Altstädter Ring in Prag (Wohnhaus der Familie Kafka).

Als wir einmal vom Fenster auf den Ringplatz hinunterschauten (berichtet Kafkas Hebräischlehrer aus dieser Zeit), sagte er, auf die Gebäude hinweisend: Hier war mein Gymnasium, dort in dem Gebäude, das herübersieht, die Universität und ein Stückchen weiter links hin, mein Büro. In diesem kleinen Kreis – und mit seinem Finger zog er ein paar kleine Kreise – ist mein ganzes Leben eingeschlossen.

Die Zeichnungen Eschers – es gibt „pro Dichter/in“ immer mehrere Ansichten – sind einfühlsam und passen vom Zeichenstil her gut in die Zeit. Sie vermitteln uns die Lebens- und Arbeitsbedingungen der vorgestellten Dichterinnen und Dichter, und wenn wir die Blätter in aller Ruhe betrachten, meinen wir die Atmosphäre zu spüren, die an den jeweiligen DichterOrten geherrscht und die WortKünstler inspiriert hat. Manchmal sind auch passende Zitate eingestreut; zwei davon habe ich in diesen Beitrag aufgenommen (s. oben).

Fazit: DichterOrte ist ein schönes Buch für alle, die die Zeichenkunst oder die Dichtkunst lieben. Oder besser noch: beides. Und wer für seine künstlerisch und/oder literarisch interessierten Freunde ein passendes Geschenk sucht, könnte es jetzt gefunden haben …

Trennstrich rot

 

Rolf Escher
DichterOrte
Herausgegeberin im Auftrag der Stadt Münster: Barbara Rommé
Verlag Kettler, Bönen, 120 Seiten

Mehr über Rolf Escher im Internet unter www.rolf-escher.de

10 Kommentare zu „Rolf Escher: DichterOrte

    1. Aha, Essen! Bisher wusste ich nur „Ruhrpott“. Ich bin in Essen aufgewachsen. Meine Eltern haben dort noch lange nach meinem Auszug gelebt. – Rolf Escher nicht zu kennen ist, glaube ich, keine Schande. Und man lernt ja ständig dazu 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s