Tomi Ungerer – Buchautor, Illustrator und mehr. Oder: Kein Kuss für Mutter

Ein Beitrag von Stift und Schrift zum Muttertag?  🙂 Nun ja, eigentlich soll das hier ein Kurzporträt des Künstlers Tomi Ungerer werden, zumal es dazu einen aktuellen Anlass gibt. Aber ein Buchtitel wie „Kein Kuss für Mutter“ verleitet an einem Tag wie diesem zu Gedankenspielen … Die Antwort ist also ein klares Jein.

In „Kein Kuss für Mutter“  geht es um eine „Mutter-Kind-Beziehung“,  bei der die Mutter es mit den Liebesbezeugungen übertreibt. In schwarz-grau-weiß erzählt erfahren wir die Geschichte vom antiautoritären Jungkater Toby Tatze, der Ärger mit seiner Mutter hat, weil die ihn dauernd küssen, hätscheln und putzen will. Peinlich, peinlich ist das für einen so jungen aufbegehrenden Kerl. Aber schließlich richtet sich alles und – Happy End – die Mutter bekommt von ihrem Sohn einen Blumenstrauß geschenkt. Na, das passt doch …

„Kein Kuss für Mutter“ ist eine von vielen Geschichten für Kinder aus der Feder von Tomi Ungerer, einem ungemein produktiven und vielseitigen Künstler. Ungerer Kein Kuss für Mutter Andere Bilderbücher für die Kleinen, die Ungerer geschrieben und illustriert hat, sind „Die drei Räuber“, „Der Mondmann“, „Der Hut“ oder „Das Biest des Monsieur Racine“. Viele weitere Titel ließen sich anfügen.

Während die Bücher für Kinder „durch die Bank“ geliebt werden, gibt es zu seinen Publikationen, die sich an Erwachsene richten, durchaus kontroverse Meinungen.  Der Künstler hat nämlich u. a. auch eine Reihe „Bilderbücher für Erwachsene“ geschaffen, die oft sehr frech sind und eine rege sexuelle Phantasie erkennen lassen (z.B. „Babylon“, „Das Kamasutra für Frösche“, „Erotoscope“) .

Ungerers Veröffentlichung „Die Gedanken sind frei. Meine Kindheit im Elsass“ ist eine Hommage an „sein“ Elsass. Denn Jean-Thomas „Tomi“ Ungerer, geboren 1931, stammt aus einer Straßburger Uhrmacherfamilie. Nachdem erste Zeichnungen von ihm im ›Simplicissimus‹ erschienen waren, ging er Mitte der 50er Jahre nach New York, wo sein unaufhaltsamer Aufstieg als Zeichner, Maler, Illustrator, Kinderbuchautor und Werbegrafiker begann. Seine Bücher wurden in 28 Sprachen übersetzt.

Sein umfangreiches Schaffen brachte Ungerer zahlreiche Ehrungen ein. Für seine Kinderbücher wurde er u.a. mit dem Hans-Christian-Andersen-Preis ausgezeichnet; 1995 erhielt er den französischen „Großen Nationalpreis für Graphik“.

In seiner Heimatstadt Straßburg befindet sich seit 2007 das Musée Tomi Ungerer – centre international de l’illustration. Die umfangreiche Museumssammlung gründet sich auf eine Schenkung des Künstlers mit einem Teil seines grafischen Lebenswerks (8000 Zeichnungen, 2000 Plakate und Grafiken usw.) sowie einer großen Spielzeugsammlung, dem Familienarchiv, Presseartikeln und Fotografien.

Ungerer gilt als Workoholic. Lt. Wikipedia hat er in den letzten 40 Jahren rund 40.000 Zeichnungen zu Papier gebracht, und er veröffentlichte über 140 Bücher.

Ab 1979 waren seine Werke in etwa 100 Ausstellungen zu sehen.

Ungerer Ausstellung Museum FolkwangAktuell zeigt das Essener Folkwang-Museum unter dem Titel „Incognito“ Ungerers künstlerisches Werk abseits von Text und Illustration. Auf der Homepage des Museums lesen wir: “ Seit den 1950er Jahren und bis heute entstehen Collagen, in denen Ungerer vorgefundene Motive neu kombiniert und thematisch umdeutet – witzig, derb und einfallsreich. Dass ihm oft kleinste Eingriffe genügen, um einem Motiv eine völlig neue Bedeutung zu geben, zeugt von Ungerers großer Meisterschaft auch auf diesem Gebiet.“

Eile ist angesagt: die Ausstellung ist nur noch bis zum 16. Mai zu sehen.

Nähere Informationen über Tomi Ungerer finden sich auf seiner Homepage und bei Wikipedia.

3 Kommentare zu „Tomi Ungerer – Buchautor, Illustrator und mehr. Oder: Kein Kuss für Mutter

  1. Liebe Ingrid, ich finde dieses „JEIN“ eine gelungene Kombination an diesem Tag – denn Ungerer ist schon eine „Type“, der einfach auch als Mensch fasziniert, also schön, dass Du auch über ihn schreibst und noch den Hinweis auf die Ausstellung in Essen gibst (die mich interessieren würde … aber Essen ist nun für mich nicht der nächste Weg .. a propos: In Solingen wird derzeit die erste große Ausstellung zu Ringelnatz als Maler gezeigt – wäre ja auch was für Dich?)
    Aber vor allem hat mich jetzt der „Kein Kuss für Mutter“ umgehauen: Das Buch bekam ich vor einigen Jahren von meiner Mutter (!) als Tochtergeschenk zum Muttertag geschenkt – wenn das nicht vieldeutig ist 🙂
    Aber sie wußte natürlich auch, dass ich den Ungerer sehr mag – und das Büchlein ist einfach klasse … für Mütter, Töchter und alle anderen!

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    1. Sagenhaft! Das ist ja wirklich witzig, was Du über Deine Verbindung zu“Kein Kuss für Mutter“ und dann auch noch im Zusammenhang mit dem Muttertag schreibst 🙂
      Danke für den Hinweis auf die Ringelnatz-Ausstellung. Ich bin immer mal wieder in Solingen, der Stadt, in der ich lange gelebt habe. Ein Besuch der Ausstellung lässt sich sicher einrichten. Ich suche mir gleich die Daten heraus, damit ich planen kann. Einen schönen Sonntag/Muttertag , Ingrid

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      1. Super – das würde mich freuen, wenn Du die Ausstellung besuchen (und darüber berichten könntest). Dann kann ich wenigstens bei Dir mitlesen…und auch erfahren, ob sich ein grundsätzlicher Abstecher in das Museum der verfolgten Künste in Solingen lohnt…Dir auch einen schönen Tag! Birgit

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