Votes for Women – Der Marsch der Suffragetten

Der 8. März – also heute – ist der Internationale Frauentag (Weltfrauentag). Die Ursprünge gehen auf die Zeit vor dem 1. Weltkrieg zurück. An diesem Gedenktag nun soll der Kampf der Frauen um das Frauenwahlrecht und um politische Rechte überhaupt, um Chancengleichheit, Bildung, gleiche Bezahlung für gleiche Arbeit in Erinnerung gerufen und in den Blickpunkt einer großen Öffentlichkeit gestellt werden. Das ist gut, und das tut not. Wenn auch viele Forderungen der damals aktiven Frauen heute erfüllt sind, von tatsächlicher Gleichberechtigung/Gleichstellung kann längst noch nicht (und erst recht noch nicht überall) die Rede sein.

Es gilt auch daran zu erinnern, dass heute selbstverständlich erscheinende politische Rechte nicht vom Himmel gefallen sind, sondern mühsam und oftmals unter Einsatz von Leib und Leben erkämpft werden mussten. Aber leider muss auch konstatiert werden, dass das so wichtige Wahlrecht von vielen Menschen, auch vielen Frauen, nicht (mehr) wahrgenommen wird. Einmal erkämpfte Rechte aber haben nicht automatisch ewig Bestand, man muss sie schützen, indem man sie nutzt.

An den schweren Kampf der „Suffragetten“ um das Frauenwahlrecht in England zur Zeit des British Empire erinnert die hier vorgestellte Graphic Novel. Geschildert wird die Geschichte aus der Perspektive von Sally, einer jungen Frau, die als Dienstmädchen bei einer der Aktivistinnen mit vielen Frauen aus der Bewegung und deren Ideen bekannt und nach und nach selbst Teil dieser Bewegung wird – mit allen Folgen (Hohn und Spott, körperliche und verbale Angriffe, Gefängnis, Zwangsernährung).

Die Graphic Novel zeichnet die tatsächlichen Geschehnisse nach. Dabei werden auch die schweren Konflikte innerhalb der Frauenbewegung um den richtigen Weg (Kampf um Reformen mit friedlichen Mitteln oder militante Aktionen) nicht ausgespart.

Leider – kleiner Einwand – verlieren sich m. E. die Autoren Mary M. und Bryan Talbot in dem Bemühen, die historischen Fakten präzise darzustellen, etwas zu sehr in Details. Bei der Vielzahl der agierenden Frauen ist es manchmal schwierig, noch zu durchschauen, wer jetzt wer ist. Auch für die Zeichnerin Kate Charlesworth muss es eine Herausforderung gewesen sein, die vielen vor allem weiblichen Gesichter unterscheidbar zu machen. Immerhin hat Sally rote Haare und ist damit leicht zu erkennen.

Wenn man die Geschichte der englischen Suffragetten bisher nicht kennt, lohnt es sich, nach dem ersten Durchgang die Erläuterungen im Anhang zu lesen und sich danach das Buch noch einmal vorzunehmen.

Ungeachtet der kleinen Einschränkungen ist diese Graphic Novel ausgesprochen lesenswert und informativ. Und sie ist ein durchaus wichtiger Beitrag, um die Erinnerung an die Suffragetten und ihren Kampf um das Frauenwahlrecht wach zu halten.

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Kate Charlesworth, Mary Talbot, Bryan Talbot
Votes for Women – Der Marsch der Suffragetten
Egmont Graphic Novel, 2015, 192 Seiten

Weitere Infos über das Buch mit Leseprobe hier.

2 Kommentare zu „Votes for Women – Der Marsch der Suffragetten

    1. Es stimmt schon: So fortschrittlich wie wir gern tun, sind wir hier in Europa auch nicht. Dennoch ist es aber wichtig und nötig, die teils schreckliche Situation von Frauen in vielen Ländern der Welt zu thematisieren. Da sind wir uns sicher einig.

      Gefällt 1 Person

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