Janusz Korczak und seine Kinder: Die letzte Reise

Buchvorstellung – in aller Kürze

Am 5. August 1942 traten sie ihre letzte Reise an. Die fast 200 Kinder des jüdischen Waisenhauses im Warschauer Ghetto wurden ins Konzentrationslager Treblinka abtransportiert. Janusz Korczak, der Gründer und Leiter des Waisenhauses, hätte zurückbleiben können. Doch er Die letzte Reise Artikelbildentschied sich, bis zuletzt bei „seinen“ Kindern zu bleiben und ging mit ihnen in den Tod.

Eine wahre Geschichte. Der Pole Janusz Korczak war ein jüdischer Arzt und Schriftsteller, der von 1878 bis 1942 lebte. Als Leiter des Waisenhauses setzte er Maßstäbe, die auch heute noch vorbildlich sind. Er nahm die Kinder und ihre Anliegen und Bedürfnisse ernst, erwies sich als ein konsequenter Verfechter von Kinderrechten.

Zunächst war das Waisenhaus in einem schönen großen Haus in der Krochmalna-Straße untergebracht. Es herrschte eine fröhliche, entspannte Atmosphäre. Dann erfolgte der erzwungene Umzug „auf die andere Seite“, ins Warschauer Ghetto. Die Lebensbedingungen auch im Waisenhaus verschlechterten sich ständig. Die Kinder spürten die unheilvolle Entwicklung.

Man hatte uns alles genommen und tief in unserem Inneren wussten wir, dass wir nie groß werden würden. Aber unsere Hymne hieß „Brüder“.

Die Autorin Irène Cohen-Janca erzählt Janusz Korczaks Geschichte und die „seiner“ Kinder aus der Sicht eines der in dem Haus lebenden Waisenjungen. Sie tut das schlicht, behutsam und zutiefst berührend. Erst am Schluss, als die Deportation ansteht, übernimmt sie kurz die Rolle der Erzählerin.

Die großformatigen, in grau-schwarz und in Brauntönen gehaltenen Illustrationen von Maurizio A. C. Quarelo „dokumentieren“ die Worte und beziehen den Betrachter in die schrecklichen Geschehnisse mit ein.

Fazit: „Die letzte Reise“ ist ein beeindruckendes Buch für größere Kinder (Verlagsempfehlung 10 – 12 Jahre), aber es ist auch nachdrücklich zu empfehlen für Jugendliche wie für Erwachsene. Es ist ein Buch, das einen so manches Mal schlucken lässt. Und es ist eine schöne Erinnerung an einen wahrlich großen Kinderfreund.

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Irène Cohen-Janca / Maurizio A. C. Quarelo
Die letzte Reise: Janusz Korczak und seine Kinder
Verlagshaus Jacoby & Stuart 2015, 72 Seiten

Irène Cohen-Janca ist eine 1954 geborene Tunesierin, die in Frankreich lebt und als Bibliothekarin und Schriftstellerin arbeitet.

Maurizio A. C. Quarelo, 1974 in Turin geboren, studierte Graphikdesign, Illustration und Architektur und hat mehr als 30 Kinderbücher illustriert.

Informationen über Janusz Korczak bei Wikipedia.

13 Kommentare zu „Janusz Korczak und seine Kinder: Die letzte Reise

  1. danke sehr für die Erinnerung an diesen Menschen. So viel hat er uns gegeben, und so viel haben wir (als Volk) verwüstet und zugrunde gerichtet. „König Hänschen“ gehört zu den schönsten Büchern, nicht nur für Kinder.

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  2. In Berlin gibt es auch noch eine Ausstellung mit einem ähnlichen Thema: „Art from the Holocaust“ nur noch bis 3. April 2016 im Deutschen Historischen Museum, das sind Bilder, die normalerweise nur in der Gedenkstätte Yad Vashem in Israel zu sehen und die in den Konzentrationslagern entstanden sind.

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  3. LIebe Ingrid,
    eine beeindruckende Vorstellung einer sehr beeindruckenden Geschichte. Ich habe schon beim Lesen Deines Textes und beim Betrachten des Buchcovers schlucken müssen. Wie gut, dass die Gesschichten auch so illustriert immer noch überleben.
    Viele Grüße, Claudia

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  4. Danke für die Erinnerung an diesen wunderbaren Menschen. Es gibt ein Kinderbuch von Wanda Zolkiewska „Eine Chance für Heniek“ das ich als eines der wenigen aufgehoben habe, in dem es um seine Geschichte geht. Wollte ich schon lange einmal wiederlesen 🙂

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    1. Ja, das ist ja das Schöne an der Bloggerei, das man auch immer wieder an Schönes, Interessantes, Wichtiges erinnert wird 🙂 Und Janusz Korczak war ja nun wirklich ein wunderbarer Mensch. Was für eine Entscheidung, mit den Kindern in den Tod zu gehen!

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  5. Ich erfuhr von ihm vor Jahren durch eine Fernsehdokumentation… und mir ging es wie Wanja: Bewunderung und Achtung für diesen Menschen.
    Wie so oft aber: Ich nehme mir vor, etwas über ihn zu lesen, mehr zu erfahren, und es geht im Alltag unter. Das wird sich jetzt ändern. Danke, Birgit

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  6. Janusz Korczak bin ich mit vierzehn das erste Mal begegnet und ich habe ihn aus tiefster Seele (wie man das wohl nur in diesem Alter tut) bewundert und geachtet. Später traf ich ihn wieder, als ich selbst meine erste Charge kleiner Kinder hatte und beschäftigte mich mit „Wie man ein Kind liebt“. Von ihm jetzt hier wieder zu lesen freut mich sehr und ich werde das Buch auf jeden Fall ebenfalls lesen. Vielen Dank!! Liebe Grüße, Wanja

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