Walter Trier: Zeichner, Buchillustrator, Gebrauchsgrafiker, Spielzeugsammler

Zwei Buchvorstellungen – in aller Kürze

Walter Trier (1890 in Prag geboren, 1951 in Ontario/Kanada gestorben) ist vor allem als Illustrator der Kästner-Kinderbücher in Erinnerung geblieben. Legendär sind seine Zeichnungen für „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“. Trier war aber schon längst ein anerkannter Künstler, bevor seine Zusammenarbeit mit dem Schriftsteller begann. Er arbeitete u. a. für den Simplicissimus, Die Jugend und Die Lustigen Blätter. Auch als Werbezeichner und Schöpfer von Zeichentrickfilmen und Bühnenbildern war er erfolgreich

Trier Politik Kunst Reklame1936 musste der jüdische Künstler Trier Nazi-Deutschland verlassen; er emigrierte mit seiner Familie nach London. Hier zeichnete er für  die Satirezeitschrift Liliput und die Illustrierte Picture Post.

Wer sich einen Überblick über das Schaffen Walter Triers verschaffen will und detaillierte Informationen zu einzelnen Arbeiten sucht (hier sind immerhin 285 vereint), trifft mit „Walter Trier – Politik, Kunst, Reklame“ eine ausgezeichnete Wahl. Unterteilt in die Abschnitte „Walter Trier für Kinder“ und „Walter Trier für Erwachsene“ zeigt die Werkschau die gesamte Bandbreite seiner Arbeiten. Hervorragend!

Wem es weniger um Detailinformation, dafür aber mehr darum geht, sich an vielen der wunderbaren Zeichnungen Walter Triers zu erfreuen und dabei en passant einen großen Menschen- und vor allem Kinderfreund kennenzulernen, greift besser zu „Das große Trier-Buch“ von Lothar Lang. Das zu DDR-Zeiten im Eulenspiegel-Verlag erschienene Buch, das die Büchergilde Gutenberg in ihr Programm aufgenommen hatte, enthält nur eine kurze Einführung, dafür aber viel sehenswertes Bildmaterial (und ist trotz seines Alters noch recht problemlos zu bekommen).

Das Eulenspiegel-Verlagsprogramm (ich glaube, es gibt den Verlag noch heute) war jedenfalls seinerzeit stark auf Satire/Karikatur/Humor/Bilderbogen ausgerichtet. Ich denke, ich werde mich noch damit beschäftigen, denn es passt gut in die inhaltliche Ausrichtung dieses Blogs.

Zurück zu Walter Trier: der besaß eine beachtliche Spielzeugsammlung, an der er so hing, dass er sie mit ins Exil nahm.

Eingangs des Kapitels „Walter Trier für Erwachsene“ in der Trier-Retrospektive wird ein gewisser George Eaglesmith mit einem schönen Ausspruch zitiert, der den Menschen und Künstler Trier mit einem Satz treffend charakterisiert und mit dem ich diesen Beitrag schließen will:

Walter Trier may well become known to history as the Chaplin of our art world.

Trennstrich rot

Antje Neuner-Warthorst
Walter Trier – Politik, Kunst, Reklame
Ausstellungskatalog der Trier-Retrospektive im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover als Buchausgabe
Atrium Verlag 2006, 236 Seiten

Lothar Lang
Das große Trier-Buch
Eulenspiegel Verlag 1974, 320 Seiten; hier: Lizenzausgabe für die Büchergilde Gutenberg

weiterführende Links:
walter-trier.de (Offizielle Künstler-Homepage)
www.wikipedia.de

Thematisch passend: Druckschrift/StiftundSchrift-Beitrag Erich Kästner und seine Illustratoren Walter Trier und Horst Lemke

4 Kommentare

  1. Schön an Walter Trier erinnert. Ich halte ihn auch in Ehren mit seinen Kästner-Büchern. Es gibt inzwischen ja eine „aufgefrischt“-illustrierte Ausgabe, aber für mich wirkt Trier nie antiquiert. Ich liebe seinen Till Eugenspiegel. Da lohnt sich das Großformat. Gut, dass Hannover – und „Druckschrift“ – mit seiner Retrospektive an den ganzen Menschen Trier und an sein Schicksal erinnert. Ich wußte gar nicht, dass es ihn am Ende nach Kanada verschlagen hatte. Danke.

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