Gabriel Campanario: Urban Sketching

Zeichnen und skizzieren unterwegs – eine Weltreise

Oft sieht es aus wie mal eben hingekritzelt. Und nicht selten ist es das auch. Die in wenigen Minuten entstandene Skizze macht einen glauben: das kann ich auch. Doch der Selbstversuch zeigt: so einfach ist das gar nicht. Hier waren „echte“ Künstlerinnen und Künstler am Werk.

Andere Skizzen dagegen sind sehr konkret und detailliert ausgearbeitet. Das dauert dann schon länger. Manchmal vergehen etliche Stunden bis zur Fertigstellung. Nicht selten werden die Skizzen schon vor Ort z.B. mit Aquarellfarbe gezeichnet oder später zu Hause bzw. am Arbeitsplatz koloriert, vielleicht auch am Computer nachgearbeitet.

Egal, wohin ich gehe, mein Skizzenbuch kommt mit. Ich verliebe mich in Orte, indem ich sie zeichne (Virginia Hein, Los Angeles)

Urban SketchingDie Bandbreite der in diesem Buch gezeigten Skizzen ist so beachtlich wie die Zahl der vertretenen Künstlerinnen und Künstler und deren „Arbeitsplätze“ im Freien.

Die Rede ist von den Zeichnerinnen und Zeichnern, die man an zugigen Ecken in der Stadt, mitten im Verkehrsgewühl,  auf belebten Plätzen, vor Sehenswürdigkeiten,  in Parks, ja auch am Rande von Industriebrachen sieht. Sie beschäftigen sich mit Stadtmotiven, und ihrer Arbeit oder auch ihrem Hobby sind sie lange Zeit mehr oder weniger isoliert nachgegangen. Doch durch die Möglichkeiten, die das Internet bietet, nicht zuletzt durch Blogs oder die Sozialen Netzwerke, haben sie gemerkt: ob sie in Paris, Berlin, New York oder Sydney, in Johannesburg, Hongkong, Seoul oder Tokio zeichnen: sie haben Kolleginnen und Kollegen auf der ganzen Welt. Schließlich hatte Gabriel Campanario, ein in Seattle lebender Journalist, Zeichner und Illustrator, die Idee, ein spezielles Netzwerk der Urban Sketcher zu gründen: urbansketchers.org mit Regionalgruppen in aller Welt, so auch in Deutschland.

Seit ich meine Skizziertätigkeit wieder aufgenommen habe, hat sich meine Beziehung zu Berlin vertieft, und auf gewisse Weise bin ich noch mehr mit dieser Stadt verbunden. (Rolf Schroeter, Berlin)

Mit dem Buch, das ich hier vorstelle, begeben wir uns, der Untertitel verrät es schon, auf eine Weltreise und besuchen rund um den Globus tätige Sketcher. 55 Orte stehen auf dem Reiseprogramm, zahlreiche Zeichnerinnen und Zeichner werden in einem kurzen Künstlerporträt vorgestellt, über 500 oft beeindruckende, nicht selten hinreißende Zeichnungen bekommen wir zu sehen.

Meine Erinnerungen leben auf den Seiten meines Skizzenbuchs. (Lapin, Barcelona)

Viele der Porträtierten sind ausgebildete Künstler, Kunstlehrer, Illustratoren, Grafikdesigner. Auch Architekten sind häufig dabei – beim Thema „Urban Sketching“ nicht ganz überraschend. Und ganz viele haben schon als Kinder mit dem Zeichnen begonnen.

Ich will Bewegung und Atmosphäre wiedergeben. Deshalb suche ich nach lebendigen Szenen und zeichne sie so unaufdringlich wie möglich. (Cathy Gatland, Johannesburg)

„Urban Sketching“ ist aber nicht prinzipiell nur etwas für Profis. Viele Freizeit-Künstler/innen gehen diesem Hobby nach (und finden in diesem Buch eine Menge an Beispielen, Anregungen, Hinweisen für die Ausstattung etc.). Mittlerweile gibt es vielerorts sog. Sketchscrawls, zwanglose Treffen von Profis wie Amateuren, die sich über das Internet zum gemeinsamen Zeichnen an einem vorgegebenen Ort treffen.

Einer meiner „Lieblingssketcher“, der im übrigen auch in dem vorgestellten Buch vertreten ist, ist Pete Scully, dessen Blog ich schon längere Zeit abonniert habe und dessen Zeichnungen mich immer wieder begeistern. Vielleicht geht es Euch künftig  auch so?

Im Blog der Kulturbuchhandlung Jastrum gibt es seit einiger Zeit unter der Rubrik Sonntagsskizzen jeden Sonntag Arbeiten des Berliner Zeichners, Illustrators und Comic Künstlers Detlef Surrey zu sehen.

Als weitere Appetitanreger – mehr kann das im Rahmen dieser Buchvorstellung leider nicht sein – habe ich die Zeichner/innen, die, eine recht zufällige Auswahl, mit Aussagen zu ihrer Arbeit zitiert werden, mit ihren Internetpräsenzen verlinkt.

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Gabriel Campanario
Urban Sketching
Zeichnen und skizzieren unterwegs – eine Weltreise
Frechverlag 2012, 320 Seiten

9 Kommentare zu „Gabriel Campanario: Urban Sketching

  1. Es interessiert mich sehr zu sehen, wie es anderen ergeht! Vor drei Tagen habe ich nach langer Pause wieder angefangen zu skizzieren und war so besessen davon, dass ich am Kiosk ein paar lose Blätter und einen schwarzen Kugelschreiber erstand. Es war Sonntag und anderes gab es nicht. 🙂

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    1. Da kommt die Buchvorstellung ja gerade zur rechten Zeit! – Das Schöne am Skizzieren ist ja auch, dass man z.B. nicht auf bestimmte Stifte angewiesen ist. So wird Dir der kurzfristig neuerworbene Kugelschreiber sicher schon gute Dienste geleistet haben. Vielleicht sehen wir ja Ergebnisse auf Deinem Blog? Ich selbst stecke noch in den Zeichnen-Anfängen; bis ich (wenn überhaupt) was vorzeigen kann, wird es noch Ewigkeiten dauern. Aber es macht Spaß 🙂

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    1. Danke meinerseits für das Interesse. Ich hätte ja gern mehr Bilder aus dem Buch gezeigt, aber da bekommt man schnell urheberrechtliche Probleme. U. a. deshalb habe ich diverse Links eingestreut, damit es etwas mehr zu sehen gibt. Grüße nach Berlin (wenn ich mich richtig erinnere), Ingrid

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  2. Liebe Ingrid,
    da hast Du ja ein tolles Buch vorgestellt: eine Reise vom Sofa aus in die Städte der Welt und dabei auch noch richtig viel zu sehen, zu betrachten und zu staunen. Schon das Buchcover ist ja ein Augenschmaus. Werde dann auch Deine Links besuchen, genau das richtige an diesem trüben Sonntag.
    Viele Grüße, Claudia

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    1. Es ist in der Tat ein tolles Buch. Und was diese Zeichner – oft mit wenigen Strichen – können, macht mich manchmal sprachlos. Ich bin fasziniert. – Viel Spaß beim Besuch der Links und einen schönen Rest-Sonntag, Ingrid

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      1. Der Felix Scheinberger hat auch tolle Anleitungsbücher – auch vom bibliophilen Standpunkt aus.
        (Aber geholfen hat es mir auch nicht – manchmal ist halt Hopfen & Malz verloren)
        Einen kreativen Sonntag
        Erich

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