Beata Thackeray: Papier

Handschöpfen – Gestalten – Objekte und Skulpturen

Wer sich für Papier, seine Geschichte, seine Herstellung, vor allem aber für die unzähligen Gestaltungsmöglichkeiten von und mit Papier interessiert, ist mit diesem Buch bestens bedient.

Es ist zwar schon 1998 erschienen (deutschsprachige Ausgabe), aber das tut der Begeisterung, die sich schon beim Durchblättern einstellt, keinen Abbruch, ist doch das Thema zeitlos.

Thackeray Papier 2Das Buch beginnt mit einer relativ kompakten Darstellung der Geschichte des Papiers und zeichnet die Entwicklung nach, die es erst viele Jahre nach seiner Erfindung in China nach Europa geführt hat. Dabei werden auch die unterschiedlichen Herstellungsverfahren handgeschöpften Papiers  z.B. in China und Japan skizziert.

Sodann kann man, wenn man denn will (und der Versuchung nicht widerstehen kann), das Schöpfen von Papier erlernen. Angeboten werden drei „Crash-Kurse“: für Anfänger (mit bescheidenem Aufwand, was die technische Ausstattung angeht), für Fortgeschrittene und schließlich für Könner.

Was auf den ersten Blick recht simpel aussieht, täuscht: Soll das Ergebnis zufriedenstellend ausfallen, erfordert Papierschöpfen eine gehörige Portion Erfahrung. Beata Thackeray zitiert in diesem Zusammenhang den Autor eines Standardwerks über das Papierschöpfen (David Hunter, „The History and Technique of an Ancient Craft“), und das klingt erst einmal nicht sehr ermutigend:

„Ohne mindestens fünf- oder sechsjährige konstante Büttenerfahrung kann man keine wirklich ebenmäßigen Bogen machen … Wer nicht von ganzem Herzen und voller Begeisterung Papier von Hand schöpft, sollte es niemals versuchen.“

Von dieser harten Formulierung sollten Anfänger sich aber nicht abschrecken lassen. Schließlich muss man erst einmal beginnen, um herauszufinden, ob man das nötige handwerkliche Geschick und den langen Atem für einen solchen Lernprozess mitbringt. Beata Thackeray hilft mit ihrem „Crash-Kurs für Anfänger“ beim Einstieg.

Den weitaus größten Teil des Buches nimmt Teil 3 ein, in dem es um Papiertechniken geht. Und was es nicht alles gibt:

Unter „Arbeiten mit Papier als Rohstoff“ finden wir: Falten, Plissieren, Weben, Knittern, Prägen.  Im Kapitel „Oberflächen dekorieren“ wird u. a. gezeigt, wie man Collagen anfertigt, marmoriert, mit Holzschnitt bedruckt; auch Bindebatik und Kleistermalerei werden thematisiert. Schließlich geht es im Kapitel „In drei Dimensionen arbeiten“ um Papiermaché, Buchbinden, Schablonieren, Gießen …

Wer sich selbst papier-gestalterisch betätigen will, findet Anregungen zuhauf; die einzelnen Techniken werden Schritt für Schritt unter Einbeziehung zahlreicher Abbildungen erklärt. Eine den einzelnen Abschnitten zugeordnete jeweilige kleine Galerie zeigt Meisterwerke von Papierkünstlern. Wie überhaupt in diesem Buch zahlreiche Fotos die Schönheit unterschiedlichster Papiere und Papierobjekte dokumentieren.

Beata Thackeray hat ein Studium am Royal College of Art abgeschlossen. Sie befasst sich, wie den kurzen biografischen Angaben zu entnehmen ist, seit langem mit dem Papierschöpfen und war in  sog. Entwicklungsländern  an der Schaffung einzigartiger Papiere aus einheimischen Pflanzen beteiligt.  Bei diesem – ihrem ersten – Buch hat Thackeray sich der Unterstützung durch renommierte Kolleginnen und Kollegen erfreuen können; deren jeweiliger Beitrag wird im Anhang kurz dargestellt.

Das rundum schöne  Buch ist antiquarisch noch recht problemlos erhältlich. Es lohnt sich, auf den Preis zu achten – ich habe bei den Preisvorstellungen der Anbieter manchmal große Unterschiede festgestellt.

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Beata Thackeray
Papier
Handschöpfen – Gestalten – Objekte und Skulpturen
Spezialfotos von Jacqui Hurst
Christian Verlag 1998,160 Seiten

 

10 Kommentare zu „Beata Thackeray: Papier

      1. Ja, genau – das Thema interessiert mich ja außerdem selbst. 😀Mein zwölfjähriger Neffe hat bei einem Schulprojekt auch schon Papier hergestellt. Ich finde es gut, wenn Kinder mit solchen traditionellen Techniken in Berührung kommen, nicht mit dem Ziel, etwas Perfektes herzustellen, sondern um zu erfahren, wo Dinge herkommen und wie sie sich entwickelt haben.

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