Uwe Jochum: Bücher – vom Papyrus zum E-Book

Von Uwe Jochum gibt es bereits einige wichtige Bücher zur Buch- und Bibliotheksgeschichte. Erwähnt seien seine in der Reclams Universal-Bibliothek erschienene „Kleine Bibliotheksgeschichte“ (2007) und seine im Primus-Verlag publizierte „Geschichte der abendländischen Bibliotheken“ (2012). Im Frühjahr 2015 ist sein Buch zur Buchgeschichte „Vom Papyrus zum E-Book“ hinzugekommen.

Bücher Jochum BeitragsbildVermutlich hat der Schutzumschlag wenigstens ein paar Informationen über den Autor enthalten. Das Exemplar, das dieser Buchvorstellung zugrunde liegt, kommt aus der Bibliothek und ist vom Schutzumschlag „befreit“. So muss ich glauben, was ich an kurzen, hoffentlich noch aktuellen Hinweisen im Internet gefunden habe. Danach ist Uwe Jochum leitender Bibliothekar der Universität Konstanz und Fachreferent für Sprach- und Literaturwissenschaften. Auf jeden Fall aber ist er eine Kapazität auf seinem Fachgebiet.

Um das Buch von den allerersten Anfängen bis heute geht es hier in sieben Kapiteln: „Das Buch an der Wand“, „Das Buch in der Hand“, „Das Buch in der Bibliothek“, „Das heilige Buch“, „Das mechanische Buch“, „Das industrielle Buch“, „Das digitale Buch“.

Die Spannweite der Darstellung umfasst also viele Jahrhunderte. Sie  beginnt bei den frühesten gravierten Knochen, die in Bilzingsleben gefunden wurden, und setzt sich mit der Entwicklung, die z. B. zum Gebrauch von Tontafeln in Mesopotamien führte, fort; es geht um die frühen „Bücher“, die – zuerst – in Ägypten auf Papyrusrollen geschrieben wurden; die allmähliche Ablösung von Papyrus durch Pergament und die Entstehung von Codizes, gebundenen Büchern; die nach und nach erfolgte Errichtung von öffentlichen Bibliotheken, die nicht mehr nur wenigen Auserwählten, sondern allen Lesekundigen (das waren allerdings lange Zeit nicht viele) zugänglich waren.

Andere Schwerpunkte sind die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Metall-Lettern durch Johann Gutenberg und die Folgen;  die Leistungen des venezianischen Druckers Aldus Manutius, der nicht nur die alten (griechischen) Klassiker wieder verfügbar machte, sondern die ersten Bücher im Taschenbuchformat veröffentlichte und somit den Trend zum privaten (was die bisher üblichen großen Folianten praktisch ausschlossen) und auch stillen Lesen wenn nicht einleitete, so doch beflügelte. Und natürlich geht es auch um die Ausweitung der Buchproduktion, die mit der zunehmenden Lesefähigkeit der Bevölkerung, deren Lesebegeisterung, dem Entstehen von Lesegesellschaften etc. einherging.

Den Abschluss bildet ein kritischer Blick auf E-Books:  „… denn das E-Book als ein überwachtes Konsumgut fügt sich perfekt in die Geschichte der Wegwerfwaren, die nicht durch ihre sinnlich-übersinnlichen Qualitäten beeindrucken, sondern dank eines möglichst geringen Preises möglichst massenhaft abgesetzt werden sollen …“.

Die 160 Seiten des Buches sind, wie hoffentlich an der oben nur skizzenhaft erfolgten Beschreibung des Inhalts deutlich geworden ist, vollgepackt mit Informationen. Um sie wirklich aufzunehmen, zu verarbeiten, muss man sich etwas Zeit lassen. Jochum’sche Texte sind überwiegend keine zum „Durchrauschen“. Darstellung und Sprache des Autors erfordern Konzentration beim Lesen. Ist man bereit, sich in die Lektüre zu vertiefen, ist der Lohn eine gelungene Einführung in die Geschichte des Buches bis in unsere Tage.

Das relativ großformatige Buch verleitet allerdings (und das ist ja nichts Schlimmes) zunächst einmal zum Durchblättern. Es enthält zahlreiche die Buchgeschichte illustrierende Abbildungen, die die Texte veranschaulichen. Zählsteine, Tontäfelchen, Hieroglyphenreliefs, auf Papyrus geschriebene Texte, handgeschriebene Evangeliare, Stundenbücher und vieles mehr kann man auf schönen Abbildungen näher betrachten.

Eine umfängliche Bibliographie bietet viele Anregungen für die weitere Beschäftigung mit dem Thema mit all seinen Aspekten.

Fazit: Das Buch bietet inhaltlich eine kompakte, kenntnisreiche und lesenswerte Darstellung der Geschichte des Buches. Wenn man noch die gelungene Gestaltung in Betracht zieht, kann man sagen: es ist eine Bereicherung für jede Bibliothek.

Trennstrich rot

Uwe Jochum
Bücher. Vom Papyrus zum E-Book
Wissenschaftliche Buchgesellschaft / Verlag Philipp von Zabern 2015, 160 Seiten

4 Kommentare zu „Uwe Jochum: Bücher – vom Papyrus zum E-Book

  1. Liebe Ingrid,
    auch mir hat, wie Birgit, das Zitat zum E-Book sehr, sehr gut gefallen: Nach den Filmen, nach der Musik nun also auch das Buch als „überwachtes Konsumgut“ (sehr treffende Formulierung!) und gar als „Wegwerfware“ ohne jeden sinnlichen Zugang. Das sind sehr treffende Formulierungen.
    Einen schönen Advbentssonntag wünscht Dir Claudia

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s