Durchgeblättert: Bücher, die Geschichte machten

Vom Ägyptischen Totenbuch, Homers Ilias und der Bibel bis zu Descartes‘ „Abhandlung über die Methode“, Freuds „Traumdeutung“, den Worten des Vorsitzenden Mao, Tolkins „Herr der Ringe“ und Harry Potter reicht die Spannbreite der in diesem Buch vorgestellten „Bücher, die Geschichte machten“. Berücksichtigt sind Werke der Weltliteratur, aber auch aus Religion, Geschichte, Philosophie, Naturwissenschaften. Bei vielen der präsentierten Titel ist die Aufnahme logisch, Bücher die Geschichte machtenzwingend, bei anderen fragt man sich, wieso dieses Werk eines Dichters und nicht jenes. So hat halt jeder seine Prioritäten; bei 50 aufgenommenen Titeln ist eine (subjektive) Auswahl nicht zu vermeiden.

Aber an welche Leserschaft richtet sich dieses Buch eigentlich? Wer hat so weitgespannte Interessen, um aus einer Veröffentlichung dieser Art wirklich Nutzen zu ziehen?

„Der Verlag cbj ist der Kinder- und Jugendbuchverlag in der Verlagsgruppe Random House“ heißt auf einem Vorsatzblatt. Also jugendliche Leser als Zielgruppe. Ob sich mit einem inhaltlichen „Sammelsurium“ dieser Art hier Jugendliche für Bücher begeistern lassen? Mhm. Ich verfüge über keine Zahlen, aber es könnte schon sein, dass sich das Buch zumindest gut verkauft hat. Dass anderthalb Jahre später eine Art Nachfolgeband mit dem Titel „Nachrichten die Geschichte machten“ erschien, ist schon irgendwie bezeichnend.

Auch wenn hier ein anderer Ansatz verfolgt wird (s.u.): Ich fühle mich an  Publikationen  in der Art von „Bücher, die man gelesen haben muss“ erinnert: schnell und ohne großen Recherche-Aufwand gestrickt, populär.

Wobei man eine gewisse Mühe bei der Zusammenstellung dem Herausgeber (Wolfgang Herles)  und dem Verfasser der Texte (aller Texte? Und das bei dieser Themenvielfalt?), Klaus Rüdiger Mai, nicht absprechen kann. Der Text beschränkt sich nicht auf die bloße Inhaltsangabe, sondern bezieht den gesellschaftlichen, den historischen Kontext mit ein.  Wirklich in die Tiefe kann der Autor bei dem zur Verfügung stehenden Platz aber natürlich nicht gehen. Gestalterisch ist das reich bebilderte Buch gut gelungen.

„Es ist kein Pflichtpensum, das der Leser von Anfang bis Ende absolvieren muss“ heißt es im Umschlagtext. Glück gehabt, denn dazu hätte es mir recht bald an Motivation gefehlt. Ich habe mich auf einige Beiträge konzentriert, um einen Eindruck von dem Buch zu bekommen. Das Ergebnis war soweit zufriedenstellend.  Dass aber im Kapitel über Pippi Langstrumpf die junge Frau, die vor Jahren vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Bestimmung des Grundgesetzes klagte, wonach „Frauen auf keinen Fall Dienst an der Waffe leisten dürfen“ als Beispiel für eine emanzipierte „Frau von heute“ zitiert wird, verursacht mir aber doch Schluckbeschwerden.

Es fällt mir bei diesem Buch schwer, zu einem Resümee zu kommen. „Bücher, die Geschichte machten“ verheißt für meinen Geschmack  im Klappentext zu großspurig „eine aufregende Entdeckungsreise“. Im Gegensatz zu einer Vielzahl der zwischen den Buchdeckeln zu findenden Titel haben wir es hier nach meinem Eindruck nicht mit einem Buch zu tun, das man haben muss, weder als Jugendlicher noch als Erwachsener. Mein Tipp: nach Möglichkeit  in der heimischen Bibliothek erst einmal einen Blick in das Buch werfen und den einen oder anderen Artikel anlesen und testen, ob es das ist, was man sucht. Und erst dann über Kaufen oder Nicht-Kaufen entscheiden.

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Wolfgang Herles (Hg.)
Bücher die Geschichte machten
cbj München 2007, 320 Seiten

7 Kommentare zu „Durchgeblättert: Bücher, die Geschichte machten

  1. Danke, Ingrid. Ich hatte von dem Buch noch nicht gehört.
    Ich entdecke Bücher nach dem Schneeballprinzip:
    Zuerst mit dem Finger an den Bücherreihen der Bibliothek vorbeiziehen, das eine oder andere Buch aus dem Regal ziehen, die eine oder andere Seite lesen, Literaturhinweise anschauen, zum nächsten Buch verzweigen und so die Zeit vergessen und irgendwann den Hinweis bekommen, dass die Bücherei schliesst…..
    Regnerische, Berliner Grüße von Susanne

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    1. Ich schließe aus Deinem Kommentar, dass Du Deine Aufenthalte in Büchereien sehr genießt und Dir „Entdeckungsreisen“ dort viel Spaß machen. Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Aber hören zu müssen, dass die Bücherei schließt, ist schon bitter. – Was das von mir vorgestellte Buch angeht, das kannst Du schnell vergessen. Wenn es überhaupt einen Sinn hat (außer die Kassen des Verlegers zu füllen), dann wohl, Lesenovizen an Bücher heranzuführen. – Vergiss den Regenschirm nicht 🙂 Grüße, Ingrid

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  2. Ich bin wirklich jedes Mal dankbar, wenn jemand Vertrauenswürdiges für mich Bücher „vorkostet“, die mir tatsächlich ins Auge fallen würden (und natürlich ist es genauso toll, über eine gute Rezension an schöne Bücher zu kommen, die ich wiederum nicht o schnell entdeckt hätte!!). Ich stelle es mir immer ganz fein vor, mein Allgemein- und Weltwissen sozusagen in Zusammenfassungen erweitern zu können, bin aber froh, dann doch schon mal eine Meinung dazu gehört/gelesen zu haben… Dankeschön!!

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