Blicke ins Grüne: Schreibende Frauen und ihre Gärten …

… von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf

Blicke ins GrüneSchreibende und lesende Frauen sind ein beliebtes (und vielleicht deswegen auch erfolgs- und verkaufsträchtiges) Thema bei männlichen wie weiblichen Büchermachern. Ich erinnere nur an den diesbezüglich besonders produktiven Stefan Bollmann, dem wir Bücher wie „Frauen und Bücher“, „Frauen die lesen sind gefährlich“ oder „Frauen die schreiben leben gefährlich“ (bald Thema in Druckschrift) verdanken. „Wo Frauen ihre Bücher schreiben“ hat uns dagegen Tania Schlie verraten.

Um „Schreibende Frauen und ihre Gärten“ geht es in dem Buch von Annette Diekmann-Müller, das ich heute vorstellen möchte.

Bettina von Arnim, Annette von Droste-Hülshoff, George Sand, Emily Dickinson, Frances H. Burnett, Selma Lagerlöf, Edith Wharton, Virginia Woolf – das alles sind bedeutende Autorinnen, die eins gemeinsam hatten: sie besaßen einen „besonderen“ Garten, der – das lernen wir spätestens bei der Lektüre dieses Buches – ihr Leben und ihr literarisches Werk beeinflusste, ja manchmal stark prägte. Ein wenig „außer der Reihe“ wurde auch die dichtende Kaiserin Elisabeth von Österreich mit in die Reihe der hier als Blumen- und Gartenliebhaberinnen versammelten berühmten Autorinnen aufgenommen.

Ich wohne hier in einem Paradies! Die Nachtigallen schmettern in den Kastanienbäumen vor meinem Schlaffenster …; gegen Abend bearbeiten wir ein kleines Gärtgen hinter unserem Häuslein, das mitten in einem großen Garten steht … (Bettina von Arnim)

Die Genannten kommen bei „Blicke ins Grüne“ weitgehend selbst zu Wort. Annette Diekmann-Müller zitiert ausführlich aus deren Prosa und/oder Lyrik, aus Autobiographien und Briefen, soweit nötig  kommentiert sie und baut Brücken zum besseren Verständnis. So erfahren wir viel über die Beziehung der Autorinnen zur Natur überhaupt, die Anlage, Pflege und Besonderheit ihrer Gärten, ihre Lieblingsblumen wie über ihre Lieblingsplätze zum Schreiben.

Ich berge mich – in meiner Blume,
Die in der Vase bleicht –
Und die – nichts ahnend – spüren lässt –
Beinahe Einsamkeit
(Emily Dickinson)

Zumeist stand den Autorinnen ein Gärtner oder weiteres Personal für die praktische Gartenarbeit zur Verfügung (bei Woolf’s kümmerte sich Ehemann Leonard um den Garten). Dennoch haben sie sich im Laufe der Jahre dank ihrer Liebe zur Natur beträchtliche Kenntnisse über Gartenpflege und -gestaltung angeeignet.

Richtig ambitioniert ging allerdings Edith Wharton zu Werke, die sich im Rahmen ausgiebiger Recherche-Reisen durch Italien  ein enormes Wissen aneignete  und 1904 eine Mongraphie über italienische Villen und ihre Gärten veröffentlichte.

Wer sich für italienische Gärten, besser gesagt Renaissance-Gärten interessiert, kommt an Edith Wharton eigentlich nicht vorbei … ((Annette Diekmann-Müller über Edith Wharton)

Der Aufbau der einzelnen Kapitel ist durchgängig gleich: Es geht stets los mit einem fiktiven kurzen Dialog (Ihre Lieblingsblumen im Garten? Ihre Lieblingsblumen im Haus? Ihre größte Sehnsucht? Irgend ein Ratschlag? u.a.m.), der meines Erachtens aber wenig „bringt“ und verzichtbar gewesen wäre.

Ich habe mir eine kindische Freude daraus gemacht, mein Zimmer und mein Bett mit diesem Blumenmuster zu dekorieren, wo jeder Zweig und jede Blume mir eine Welt voller Träume und Erinnerungen wachruft (George Sand)

Unter „Retrospektive“ folgt dann eine Biografie der Autorin, um die es in dem Kapitel geht. Die Aufgabe wurde von Annette Diekmann-Müller gut gelöst, und wir erfahren auf relativ knappem Raum eine ganze Menge über Leben und Werk der porträtierten Schriftstellerinnen. Im „Herbarium“ führt Diekmann-Müller uns danach durch die für das Buch zusammengestellten Auszüge über Blumen, Garten und Natur im Werk der neun Frauen.

Es ist jetzt so schön hier. Der ganze Garten umbuscht von Syringen, drei vier Nachtigallen zugleich, womit soll ich Euch denn noch den Mund wässrig machen, damit ihr kommt? (Annette von Droste-Hülshoff)

Im Abschnitt „Was bleibt?“ erfahren wir schließlich, was jeweils von Garten, Haus und Hof erhalten ist, wer sich ggfs. um Pflege und Unterhaltung kümmert (des öfteren sind es Stiftungen), ob eine Besichtigung möglich ist etc.

Solange jemand einen Garten besitzt, solange besitzt er eine Zukunft, und wenn man eine Zukunft hat, ist man lebendig. (Frances Hodgson Burnett)

Zum Weiterlesen laden schließlich die jedes Kapitel abschließenden Literaturhinweise ein.

Fazit: „Blicke ins Grüne“ ist ein schönes und lesenswertes Buch. Der Inhalt spricht gleichermaßen Garten- und Naturfreunde wie Liebhaber der Literatur an. Das Bändchen ist zudem liebevoll und der Thematik angepasst gestaltet; mit seinen hübschen Illustrationen, die über die Seiten verstreut eine Fülle von Blumen, aber auch die Gartenliebhaberinnen selbst sowie einige weitere Fotos und Gemälde zeigen, ist es ein Fest für die Augen. Dass es sich wunderbar als Geschenk für Natur- und/oder Literaturbeflissene eignet, muss ich wohl kaum noch erwähnen.

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Annette Diekmann-Müller
Blicke ins Grüne
Schreibende Frauen und ihre Gärten von Bettina von Arnim bis Virginia Woolf
Jan Thorbecke Verlag 2010, 138 Seiten

4 Kommentare zu „Blicke ins Grüne: Schreibende Frauen und ihre Gärten …

  1. Wie schön! Ich teile Stephen Kings Ansicht in „Das Leben und das Schreiben“ nämlich überhaupt nicht, daß man beim Schreiben am besten auf eine Mauer blicken solle, um nicht abgelenkt zu werden. Im Gegenteil, der Blick in die Natur inspiriert. Mein Schreibtisch steht immer vor dem Fenster mit Blick auf Bäume, ohne die ich weder leben noch schreiben kann.
    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

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