Elke Schutt-Kehm/Claus Wittal: Katzen-Exlibris

Nur wenige Tiere finden sich so häufig auf Exlibris wie die Katze. Kein Wunder, hat sie sich im Laufe der Jahrhunderte doch zu einem favorisierten Haustier „hochgearbeitet“.

Wer Katzen mag, der findet sie gern in seiner Umgebung wieder; wenn schon nicht als lebendiges Wesen, so doch wenigstens als „Abbild“ in allen möglichen Formen … Wie könnte es da verwundern, dass sich auch Bücherfreunde zur Kennzeichnung ihrer bibliophilen Schätze Exlibris mit Katzendarstellungen anfertigen lassen.

Der Weg in die guten warmen Stuben der freundlichen, dienstbeflissenen Dosenöffner war lang und in Europa mit viel Leid und Blutvergießen unter den Katzen verbunden. Das war zum Beispiel ganz anders im alten Ägypten, wo Katzen verehrt, oft auch für die äußere Erscheinung von Göttern gehalten wurden. In Japan und China glaubte man, der Katzengott Li-shou beschütze die Ernte vor allen Gefahren. In anderen Kulturen hatten es die samtpfötigen Wesen wesentlich schwerer. Die Buddhisten verübelten der Katze, dass sie, so die Legende, Buddhas Tod mit herbeigeführt habe, weil sie jene Ratte getötet hatte, die dem Schwerkranken ein rettendes Heilmittel herbeischaffen sollte.

In Europa kam es zunächst ganz schlimm. Im Christentum des Mittelalters galt besonders der schwarze Kater als Begleiter der Hexe als Inkarnation eines bösen Dämons oder des Teufels selbst. Im Zuge der grauenhaften Hexenverbrennungen, das wird oft übersehen, wurden auch massenhaft Katzen gequält, gefoltert, umgebracht.

Der Bewusstseinswandel dauerte und führte mit der Zeit zu einer positiveren Einstellung Katzen gegenüber, hier bei uns sind sie zum beliebtesten Haustier avanciert, doch viele Vorurteile finden sich auch heute noch im Volksglauben und in Spruchweisheiten: so glaubt man in unseren Breiten, es bringe Unglück, wenn einem am Morgen eine schwarze Katze über den Weg laufe. Aber es gibt auch positive Erwartungen, so z. B. dass. jemand, der Katzen mag, am Hochzeitstag gutes Wetter haben wird.

Diese und weitere Informationen zur Kulturgeschichte der Katze finden sich einleitend in dem Bändchen über Katzen-Exlibris, das ich Exlibris- wie Katzenfreunden gleichermaßen ans Herz legen möchte.

In den Exlibris spiegelt sich die ganze Bandbreite der Empfindungen Katzen gegenüber wider. Elke Schutt-Kehm und Claus Wittal haben 114 Bucheignerzeichen mit Katzenmotiven für diese Publikation hier ausgesucht und im redaktionellen Teil ihre Besonderheiten und/oder Gemeinsamkeiten herausgearbeitet.

Wir finden das alle Aufmerksamkeit auf sich ziehende individuelle „Katzenporträt“ oder den Stubentiger als Hausgenossen in unserem direkten Wohnumfeld. Wir begegnen der Ruhe, Wärme, Zärtlichkeit ausstrahlenden wie auch der – meist schwarzen – unergründlichen und verschlagenen Katze, der man besser aus dem Weg geht. Wir werden in das die Katze verehrende alte Ägypten zurückgeführt, aber es finden sich auch Beispiele, die die – vermeintliche – Nähe von Katzen zu Hexen ausdrücken. Wir finden zudem Märchenmotive und, nicht zu vergessen,  Katzen, die es sich auf Büchern bequem gemacht haben und die gleichzeitige Liebe des Bucheigners zu Büchern wie zu Katzen dokumentieren.

Elke Schutt-Kehm ist eine anerkannte Exlibris-Expertin, die mit verschiedenen Publikationen zum Thema an die Öffentlichkeit getreten ist (Besprechung von „Hexe Hausfrau Heilige“ in Druckschrift hier.) Im Mainzer Gutenberg-Museum betreut sie die dortige umfangreiche Exlibris-Sammlung. Auch der Verlag Claus Wittal hat sich durch die Veröffentlichung einiger Werke zum Thema um das Exlibris verdient gemacht. Die Zusammenarbeit Schutt-Kehm / Claus Wittal bei diesem Bändchen hier ist nicht der einzige Beleg für eine fruchtbare Zusammenarbeit zwischen Museum und Verlag.

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Verlag Claus Wittal
Wiesbaden 1984, 112 Seiten
redaktioneller Teil zweisprachig deutsch / englisch

Damit das hier kein „Trockenschwimmen“ wird,  füge ich zwei Beispiele für Katzenexlibris an. Sie sind nicht dem Buch, sondern meiner kleinen privaten Sammlung entnommen.

Exlibris von Olaf Gropp für Martina Wagenknecht
Exlibris von Olaf Gropp für Martina Wagenknecht
Katzenexlibris2
Exlibris von B. Kratky für Klaus Rödel

9 Kommentare zu „Elke Schutt-Kehm/Claus Wittal: Katzen-Exlibris

  1. Oh, wie schön, da schlägt doch das Herz jedes Katzenliebhabers höher. – Und die Skizzen der Geschichte der Katze vom vermeintlichen Unheilbringer bis zum schnurrenden Familienmitglied sollten wir auch nicht vergessen. Wenn man aber doch ganz genau hinschaut auf die Katze, dann wird doch eigentlich völlig klar, nicht nur wegen des Aussehens und der anmutigen Bewegungen, sondern auch wegen den klaren Vorstellungen darüber, was sie zu tun vorhaben, dass es sich einfach um Götter und Göttinnen handeln kann.
    Einen schnurrenden Start in die Woche wünscht Claudia

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    1. Ja, das ist ein Bändchen, das Exlibris- und Katzenfreunde gleichermaßen anspricht, erst recht, wenn beides zusammentrifft. Mit den im Handel reichlich vorhandenen Katzenbüchern hat das nichts gemein. – „Home is where Mietzekatze is“ – Du kennst Dich aus, wie ich einem Deiner letzten Beiträge entnommen habe 🙂

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  2. Danke für die feine Empfehlung und zu der privaten Sammlung kann ich nur gratulieren (bewundernd und fast ein kleines bisschen neidisch)
    Ich wünsche eine gute Woche und sende herzliche Grüße aus Jena,
    Marlis

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    1. Diese Empfehlung konnte ich leichten Herzens geben. Und was meine Sammlung angeht: auch wenn sie langsam aber stetig wächst: sie ist noch seeehr klein und ausbaufähig! Auch Dir eine gute Woche! Grüße aus dem Oberbergischen, Ingrid.

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