Die schönsten Bibliotheken der Welt

Fotos: Guillaume de Laubier
Text: Jacques Bosser

Mit den Superlativen ist das so eine Sache. Dass die in diesem Buch vorgestellten „schönsten Bibliotheken der Welt“ aber zu den absoluten Highlights zählen, dürfte außer Frage stehen. Das gilt sowohl für ihre Bestände als auch für die Gebäude, in Die schönsten Bibliothekendenen die Schätze gelagert werden. In diesem  Buch aber werden die Büchersammlungen selbst und ihre Besonderheiten eher beiläufig erwähnt.

Es geht hier vor allem um Architektur, Innenausstattung, an der Errichtung der Bibliotheken beteiligte Künstler und ihre Werke. Skizziert wird zudem die oft sehr bewegte Geschichte der Bibliotheken und ihrer kirchlichen oder weltlichen Gründer.

Auf den zahlreichen schönen Fotos sehen wir zwar viele Bücherrücken. Über dass, was die Bibliotheken über ihre „Hülle“ hinaus für Bibliophile interessant, ja faszinierend macht, werden aber nicht viele Worte verloren. Nur knapp wird im Text zum Beispiel darauf hingewiesen, dass sich unter den 250 Inkunabeln, die die Bibliothek der Benediktinerabtei Metten besitzt, die Schedel’sche Weltchronik von 1493 befindet. Oder dass die Biblioteca Riccardiana in Florenz Kostbarkeiten wie die Historia naturalis von Plinius (10.-11. Jahrhundert) oder eine schöne Ausgabe der Aeneis von Vergil aus dem 15. Jahrhundert mit umlaufenden Illuminationen beherbergt. Oder dass die Mazarin-Bibliothek in Paris Glanzstücke wie das Stundenbuch Karls V. von Frankreich in ihren Beständen hat. Zu sehen bekommen wir solche Schätze aber nicht.

Insgesamt werden in diesem großformatigen Buch 23 Bibliotheken aus 12 Ländern in schönen Fotografien, manchmal aufklappbar als Panorama-Foto über 3 Seiten, vorgestellt. Vertreten sind aus Deutschland neben der schon erwähnten Bibliothek der Benediktinerabtei Metten die Bibliothek des Klosters Wiblingen in Ulm und die Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar (vor dem großen Brand); aus anderen europäischen Ländern und den USA z. B. die Österreichische Nationalbibliothek in Wien, die Bibliotheca Apostolica Vaticana in Rom, die Klosterbibliothek von Sankt Gallen (Schweiz), das Bücherkabinett des Herzogs von Aumale in Chantilly (Frankreich), die Bibliotheca Bodleiana in Oxford, die Library of Congress in Washington und die Russische Nationalbibliothek in Sankt Petersburg.

In dem gegenüber dem Text foto-dominierten Band sehen wir bedeutende Bibliothekssäle mit ihren Galerien und Regalfluchten, Skulpturen,  Deckenfresken,  allegorischen Figuren. Das alles ist meist sehr beeindruckend, manchmal für meinen Geschmack (und auch den es Autors – Stichwort Metten)  auch etwas überladen. Architektonisch und kunsthistorisch Interessierte werden an dem Buch ihre Freude haben. Bibliophile sicher auch, wenn sie die oben gemachten Einwände hinsichtlich der weitgehenden Ausblendung der Bücher selbst nicht stören.

Vielleicht ergibt sich ja auch einmal die Möglichkeit, die eine oder andere der vorgestellten Bibliotheken zu besuchen. Das wäre sicher mehr als reizvoll. Im Anhang finden sich Adressen und – bei einem Buch, das bereits 2003 erschienen ist, mit Vorsicht zu genießen – die Öffnungszeiten. Außerdem wird dort ganz kurz auf besondere Sammelgebiete der jeweiligen Bibliotheken hingewiesen.

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Guillaume de Laubier/Jacques Bosser
Die schönsten Bibliotheken der Welt
Verlag Knesebeck 2003, 232 Seiten

2 Kommentare zu „Die schönsten Bibliotheken der Welt

  1. Ich habe erst neulich eine der genannten Bibliotheken besucht – Wiblingen. http://saetzeundschaetze.com/2015/08/16/klosterbibliothek-wiblingen-lost-in-rokoko/

    Und da bekommt man schon den Eindruck, dass es den Herren Äbten wichtiger war, eine schöne repräsentative Bibliothek zu haben, das Medium Buch jedoch eher zweitrangig war…aber schade, dass in dem Bildband nicht mehr auf die bibliophilen Schätze eingegangen wird.

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    1. Das war bei den weltlichen Herrschern allerdings auch nicht viel anders: die Zurschaustellung von Macht, Ruhm, Einfluss durch eine imposante Bibliothek war oft genug wichtiger als die Büchersammlung selbst. Bei kirchlichen Gründungen etwas anderes zu erwarten, habe ich mir längst abgewöhnt … Die gleichzeitige Not großer Teile der Bevölkerung hat weder die weltlichen noch die kirchlichen Fürsten sonderlich berührt.

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