Ein Kapitel Kulturgeschichte: Bilderbogen aus Epinal

Im Jahr 1988 präsentierte das Gutenberg-Museum in Mainz den Liebhabern populärer Druckgrafik ein besonderes Highlight: in einer Sonderausstellung wurden Bilderbogen aus Epinal gezeigt.

Epinal, das ist eine Stadt in den Vogesen, die sich zwar nicht nur, aber doch in hohem Maße durch die Aktivitäten des Unternehmens Pellerin im 19. Jahrhundert zum Zentrum der französischen Bilder- und Bilderbogenproduktion entwickelt hatte.

Bilderbogen aus EpinalDie Mainzer Ausstellung verdankte ihr Entstehen der Zusammenarbeit des Gutenberg-Museums mit dem „Musée Departemental des Vosges et Musée International de l’Imagerie“, der „Imagerie d’Epinal“ und der „Ecole de l’Image“ in Epinal. Und so ist es naheliegend, dass die Einführung in diesem heute von mir vorgestellten Heft von Bernard Huin, dem seinerzeitigen Konservator des Musée International de l’Imagerie (aktuell: Musée Départemental d’Art ancien et contemporain) stammt. In einem historischen Abriss zeigt er die Entwicklung der Herstellung volkstümlicher Bilder und populärer Druckwerke auf.

In Epinal wurde in der Bilderbogenproduktion der Schritt vom kleinen patronalen Handwerksbetrieb zum kleinindustriellen Unternehmen vollzogen. Moderne Druckverfahren ermöglichten im 19. Jahrhundert Massenauflagen, und die Bandbreite der Themen war nahezu unerschöpflich: Märchen, Bilderrätsel, Spiele, Chansons, Propaganda, Reklame u.v.m. Und es waren keineswegs nur Kinder, die an den Bilderbogen ihre Freude hatten. Auch bei Erwachsenen erfreuten sie sich großer Beliebtheit. Heute sind sie beliebte Sammelobjekte.

Die Bilderbogen aus Epinal wurden in alle Welt exportiert, Im Laufe der Zeit wurde „Epinal“ fast zu einem Synonym für Bilderbogen überhaupt, zumindest was das Frankreich des 19. Jhdts. betrifft. Neuruppin in Brandenburg war übrigens eine Art deutsches Pendant; darauf aber kommt Druckschrift später zurück.

In der Ausstellung im Gutenberg-Museum hatten Interessierte damals Gelegenheit, sich selbst „ein Bild zu machen“. Aber auch der oben abgebildete Begleitkatalog, der noch antiquarisch erhältlich ist, ermöglicht einen – ersten – Einblick.

Grand Livre Images EpinalWen es nach mehr Anschauungsmaterial gelüstet, wird viel Freude an dem Buch „Le grand livre des images d’Épinal“ haben. Es enthält eine Fülle von bezaubernden farbenfrohen Bildern und Bilderbogen. Inhaltlich gliedert es sich in die Kapitel „Images de Dévotion“, „Images d’Information, Images d’Opinion“ und „Images de tous les Jours“.

Französisch-Kenntnisse sind allerdings erforderlich, wenn man nicht nur schauen und an den Bildern seine Freude haben möchte – das würde einen Kauf schon rechtfertigen -, sondern auch den Erwerb von Hintergrundwissen anstrebt.

Der Idealfall für Freunde populärer Druckgrafik aber wäre sicher ein Besuch in Epinal selbst. Auf der Homepage des Musée de l’Image kann man, wenn man nicht ohnehin schon überzeugt ist, zehn guten Gründe nachlesen, warum sich ein Besuch lohnt. Als Appetitanreger findet sich auf den Museumsseiten aber auch bereits eine Menge Anschauungsmaterial.

Musée Image Epinal

Musée Image Epinal 2

trennstrich

Bilderbogen aus Epinal
Katalog zur Ausstellung im Gutenberg-Museum 27. April – 27. Juni 1988
36 Seiten

Le grand livre des images d’Épinal

v. Mireille Bénédicte Bouvet
Éditions Solar 1996, 144 Seiten

2 Kommentare zu „Ein Kapitel Kulturgeschichte: Bilderbogen aus Epinal

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