Michael Mathias Prechtl: Charakter-Bilder

Charakterbilder PrechtlHeute habe ich wieder einmal ein Bändchen aus der in den 80er Jahren aufgelegten Reihe „Die bibliophilen Taschenbücher“ aus dem Regal gezogen. „Charakter-Bilder“ ist einem Ausschnitt aus dem umfangreichen und vielfältigen Werk des 2003 verstorbenen Künstlers Michael Mathias Prechtl gewidmet und zeigt echte Charakter-Köpfe. Anhand von 60 Abbildungen können wir die wahrlich phantasievolle, kreative Auseinandersetzung Prechtls mit bekannten Personen der Geschichte nacherleben.

Vertreten sind  – neben Kafka auf dem Titel und im Buchinneren –  H. C. Artmann, Fernando Arrabal, Sigmund Freud (Bildtitel: „Dr. Sigmund Freud analysiert Leonardo da Vinci“), Dante (Bildtitel: „Dante hat Beatrice im Kopf“), Odysseus, Johannes Kepler, Francisco Goya, Charles Darwin, Joachim Ringelnatz und viele mehr (Aufzählung entspricht der Reihenfolge im Buch). Es lohnt, genau hinzuschauen, denn es gibt in den Bildern viel zu entdecken (Bilder in Bildern, Anspielungen und Hinweise auf das Werk der Dargestellten etc.). Der an die Bildergalerie angehängte Text „Traumbilder der Wirklichkeit“ von Rolf Michaelis erläutert und vertieft das Gesehene. Eine kurze, recht launig geschriebene Autobiographie Prechtls schließt das kleine, aber feine Bändchen ab.

Buchillustrator Prechtl
Buchillustrator Prechtl, hier E.T.A. Hoffmann’s „Kater Murr“

Prechtl war nicht nur als Maler und Zeichner tätig, er war auch ein gefragter Buchillustrator, der u. a. oft und erfolgreich mit der Büchergilde Gutenberg zusammengearbeitet hat. So hat er u. a. die Illustrationen zu Oskar Maria Grafs „Das bayrische Dekameron“,  zu „Das Leben des Lazarillo von Tormes, seine Freuden und Leiden“, zu Voltaires „Candide oder der Optimismus“ und zu Goethes „Reineke Fuchs“ geschaffen und durch seine Arbeiten dazu beigetragen, dass bibliophile Kostbarkeiten entstanden.

Prechtl hat zwar den größten Teil seines Lebens in Nürnberg gewohnt und ist dort auch 2003 gestorben, geboren ist er aber 1926 in Amberg. In seiner Geburtsstadt hat man zu seiner Würdigung und zu seinem Gedächtnis innerhalb des Stadtmuseums ein „Prechtl-Kabinett“ geschaffen. Den Schwerpunkt der Ausstellung bildet Prechtls buchkünstlerisches Werk. Gezeigt werden 88 Buchillustrationen – Zeichnungen zu den Büchern „Das Leben des Lazarillo von Tormes“, Thomas Morus „Utopia“, Volraires „Candide“, E.T.A. Hoffmanns „Kater Murr“ und Goethes „Reineke Fuchs“.

Selbstbildnis M. M. Prechtl
Selbstbildnis M. M. Prechtl

Auf der Homepage des Museums heißt es über das künstlerische Schaffen von Michael Mathias Prechtl treffend: „Trotz klassischer Vorlage nahm er sich stets die Freiheit, in seinen Illustrationen auch Aktuelles zu thematisieren und Persönlichkeiten des Zeitgeschehens aufs Korn zu nehmen. In seine Interpretationen fließen eigene Erlebnisse, politisches und gesellschaftliches Engagement, historische, künstlerische und kunstgeschichtliche Überlegungen mit ein.“

Es lohnt sich, sich mit diesem kreativen Kopf zu beschäftigen – nicht nur mit seinen „Charakter-Bildern“, sondern mit Prechtls gesamtem künstlerischen Werk.

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Michael Mathias Prechtl
Charakter-Bilder
Die bibliophilen Taschenbücher, Band 415
Harenberg Kommunikation 1983, 178 Seiten

8 Kommentare zu „Michael Mathias Prechtl: Charakter-Bilder

  1. Liebe Ingrid,
    ich habe mich sehr gefreut, heute etwas bei Dir über diesen großartigen Künstler zu lesen. „Das bayerische Dekameron“ – davon bin ich stolze Besitzerin 🙂
    Neu war mir, dass es in Amberg ein Prechtl-Kabinett gibt – das kommt auf meine Ausflugsliste.
    Herzliche Grüße, Birgit

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