Isabel Kreitz: Jugendbuch-Klassiker von Erich Kästner als Comics

Emil und die Detektive und Pünktchen und Anton

In meinen schon etwas weiter zurückliegenden Jugendjahren habe ich sie mit großem Spaß und viel Sympathie für die „Helden“ gelesen – die Kinderbuch-Klassiker „Emil und die Detektive“ und „Pünktchen und Anton“ von Erich Kästner. Emil und die Detektive Jetzt habe ich sie als Comics entdeckt und die willkommene Gelegenheit genutzt, die Bekanntschaft in Form von Bildergeschichten aufzufrischen.

Über die „Vorlagen“ verfüge ich nicht. (Ich weiß auch nicht mehr, ob ich die Kästner-Bücher jemals selbst besessen habe.) So bleiben mir nur eher etwas verblasste Erinnerungen zum Vergleich, als Möglichkeiten zur Abschätzung, ob und wie die Adaption sprachlich und zeichnerisch gelungen ist. Vielleicht aber wird dadurch sogar eine unbefangene(re) Bewertung möglich …?

Und das Ergebnis? Die Comics von Isael Kreitz sind m. E. hervorragend gelungen und haben es mir sehr angetan.

Emil darf zum ersten Mal allein nach Berlin fahren. Im Zug wird ihm sein ganzes Geld gestohlen. Kaum ist Emil am Bahnhof ausgestiegen, heftet er sich dem Dieb an die Fersen. Zum Glück bekommt er bald Unterstützung von Gustav mit der Hupe und seinen Jungs. Die selbst ernannten Detektive stürzen sich in eine aufregende Verfolgungsjagd … (Einbandtext zu „Emil und die Detektive“)

Pünktchen und AntonDie Comic-typischen kurzen Dialoge vermitteln gut, worum es geht, und treiben die jeweilige Handlung voran. Die Akteure sind treffend gezeichnet, für die Kolorierungen wurden warme, augenfreundliche Farben ausgewählt. Und so, wie Isabel Kreitz die Hauptakteure präsentiert – couragierte Kinder, die die Handlung weitestgehend bestimmen und tun, was sie für richtig halten -, muss man Emil Tischbein, Gustav mit der Hupe, Anton Gast und Luise Pogge alias Pünktchen einfach gern haben.

Wie ich bei meiner Recherche im Internet (mir fehlen ja die direkten Vergleichsmöglichkeiten, s.o.) herausgefunden habe, hat Isabel Kreitz sich bei ihren Illustrationen vom „Original“ inspirieren lassen: den Zeichungen von Walter Trier, der sehr intensiv mit Erich Kästner zusammengearbeitet und viele Bücher Kästners illustriert hat. Entsprechend ist auf dem Einbandtext zu „Pünktchen und Anton“ auch von einer „Hommage an Walter Trier“ die Rede. Auf den wird DruckSchrift übrigens in nächster Zeit zurückkommen.

Allabendlich steht Luise Pogge, alias Pünktchen, neben einer merkwürdigen alten Frau auf einer Brücke mitten in Berlin und verkauft Streichhölzer. Natürlich ohne das Wissen ihrer Eltern, Herrn und Frau Direktor Pogge, die sie ganz sicher in der Obhut von Fräulein Andacht glauben. Aber ist das Kinderfräulein wirklich so harmlos, wie es tut? (Einbandtext zu „Pünktchen und Anton“)

Erich Kästner hat „Emil und die Detektive“ bereits 1929 geschrieben, „Pünktchen und Anton“ im Jahr 1931. Können Kinder, so habe ich mich bei der Lektüre immer wieder gefragt, mit diesen „Klassikern“ der Jugendbuchliteratur mehr als 80 Jahre später eigentlich noch etwas anfangen? Und für wen sind diese Comics eigentlich bestimmt? Wer liest sie? Kinder? Wird nicht in den Originalen wie in den Comics eine – für viele Menschen entbehrungsreiche, harte – Zeit geschildert, zu der heutige Kinder keinen Zugang mehr haben? Sicher werden Lebensumstände und ein Gesellschaftsbild vermittelt, die mehr oder weniger überholt sind. Sicher ist aber auch, dass es in den beiden hier vorgestellten Büchern um Werte geht, die auch heute noch aktuell sind: Freundschaft, Solidarität, Ehrlichkeit, Anständigkeit, Mut. Werte, die für Kinder wie für Erwachsene gleichermaßen von großer Bedeutung sind (oder sein sollten).

Um auf mich und meine Erwachsenen-Eindrücke zurückzukommen: Beide Bände waren für mich humorvolle, leicht nostalgisch gefärbte Lesevergnügen. Ich bin froh, die Comics entdeckt zu haben. Es wäre nicht schlecht, würden auch noch „Das doppelte Lottchen“ und „Das fliegende Klassenzimmer“ folgen …

Noch einige Worte zu Isabel Kreitz. Die 1967 geborene Hamburgerin wurde 1997 als beste deutsche Comiczeichnerin ausgezeichnet. Sie hat auch Kästners „Der 35. Mai“ gezeichnet, und es gibt zudem einige Comics bzw. Graphic Novels für Erwachsene von ihr: „Haarmann“ zusammen mit Peer Meter; „Die Sache mit Sorge – Stalins Spion in Tokio“ mit einer Dokumentation von Frank Giese.

Nähere Informationen über die Künstlerin und ihre Veröffentlichungen finden sich auf ihrer Homepage unter isakreitz.de.

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Comics von Isabel Kreitz:
Erich Kästner: Emil und die Detektive, Dressler Verlag 2012
Erich Kästner: Pünktchen und Anton, Dressler Verlag 2009/2011

2 Kommentare zu „Isabel Kreitz: Jugendbuch-Klassiker von Erich Kästner als Comics

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