Susanne Haun: Die Kunst der Radierung

Material – Techniken – Arbeitsabläufe

Nachdem in den vergangenen Wochen hier einige Künstler per Video ihr Können bei der Anwendung unterschiedlicher Verfahren zur Herstellung einer Druckgrafik demonstriert haben, wird es Zeit, eine Künstlerin vorzustellen – wenn auch nicht im Rahmen eines Videos, sondern eines sehr gelungenen Buches.

Regelmäßge Besucher/innen von DruckSchrift werden Susanne Haun als fleißige Kommentatorin kennen. Und so manche(r) hat wahrscheinlich auch schon den Weg zu Susannes eigenem Blog gefunden und über die Virtuosität wie über die Vielseitigkeit der Die Kunst der Radierung Berlinerin gestaunt. Was mir als Bloggerin – unabhängig von Susannes künstlerischem Schaffen – in hohem Maße imponiert, ist, dass wir von ihr Tag für Tag einen neuen Beitrag auf www.susannehaun.com finden. Das nenne ich Disziplin.

Susanne Haun ist eine ungemein vielseitige Künstlerin. Auf Twitter stellt sie sich als Zeichnerin vor. Als „Produzentin“ von Druckgrafik nutzt sie viele Verfahren: Holz- und Linolschnitt, Kupferstich, Radierung in unterschiedlichsten Techniken. In den Reiseberichten, die sie auf ihrem Blog veröffentlicht, lernen wir sie zudem als ausgezeichnete Fotografin kennen.

Tja, und dann ist Susanne Haun auch noch Buchautorin. Eines ihrer Bücher – das ist das, welches ich kenne – befasst sich mit der „Kunst der Radierung“. Im Vorwort schreibt die Künstlerin/Autorin:

Allen, die dieses Buch nur lesen, um zu erfahren, wie Radierung ‚gehen‘ kann, wünsche ich eine kurzweilige Erweiterung des Wissens. Allen die aktiv werden wollen, wünsche ich viel Erfolg und Zufriedenheit bei ihrer künstlerischen Arbeit.

Ich gehöre zur ersten Kategorie. Schon allein, weil die räumlichen Voraussetzungen fehlen, fange ich mit Druckgrafik erst gar nicht an. (Es reicht mir auch, dass Susanne mich animiert hat, mit dem Zeichnen zu beginnen…) Weil Buchillustration/Buchkunst – für DruckSchrift wichtige Themen – und Herstellung von Druckgrafik eng miteinander verzahnt sind, ging es mir „um kurzweilige Erweiterung“ meines Wissens. Diesem Wunsch hat das Buch voll entsprochen.

Schon allein die Kapitel „Die Werkstatt und was dazu gehört“ und „Das Material und wie man es nutzt“ waren außerordentlich interessant und informativ. Nach der Lektüre dieser, aber auch der folgenden Kapitel fühle ich mich gut informiert über die „kalten“ und die „warmen“ Verfahren, die bei der Herstellung einer Radierung zur Auswahl stehen, und über das, was ihre Besonderheiten ausmacht. (Das Kapitel über die Aquatinta-Technik muss ich aber noch mal nachlesen…)

Was das Buch neben schnörkellosen Texten so hilfreich macht, sind die zahlreichen Illustrationen, die die Anwendung unterschiedlicher Verfahren Schritt für Schritt dokumentieren.

Man merkt dem Buch von Susanne Haun jedenfalls bei jeder Zeile, jedem Bild und den immer wieder eingeschobenen kleinen „Textkleksen“ unter der Überschrift „Guter Rat“ an, dass hier eine Praktikerin am Werk ist, die ihre Erfahrungen gern und gekonnt weitergibt.

Ich bin überzeugt, dass nicht nur die Wissbegierigen (Kategorie 1, s.o.), sondern auch diejenigen, die selber aktiv werden, die Kunst der Herstellung einer Radierung selbst praktizieren wollen (Kategorie 2), mit der Einführung von Susanne Haun gut bedient sind.

Die eine oder andere kleinere Unaufmerksamkeit beim Korrekturlesen ändert nichts am ausgesprochen positiven Gesamteindruck: „Die Kunst der Radierung“ ist ein schönes, informatives, sehr empfehlenswertes Buch.

Im selben Verlag sind noch zwei weitere Bücher von Susanne Haun erschienen: „Holz- und Linolschnitt ohne Aufwand“ und „Mit Tusche zeichnen und kolorieren“. Dieses beiden Titel kenne ich nicht, vermute aber, dass sie ähnlich aufgebaut sind wie das hier vorgestellte Buch. Vielleicht sagt Susanne per Kommentar selbst etwas dazu?

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Susanne Haun
Die Kunst der Radierung
Material – Techniken – Arbeitsabläufe
Text von Manfred Braun & Susanne Haun
Edition Michael Fischer 2012, 128 Seiten

4 Kommentare zu „Susanne Haun: Die Kunst der Radierung

  1. Hat dies auf Susanne Haun rebloggt und kommentierte:
    Heute Morgen habe ich auf dem Blog DruckSchrift, den ich regelmäßig und gerne lese, einen Artikel zu meinem Buch „Die Kunst der Radierung“ gefunden. Ich möchte IngridW sehr herzlich für diesen Artikel danken und wünsche meinen Lesern viel Spaß beim Stöbern auf Ingrids Blog. Ich habe schon einige Bücher aufgrund Ingrids Empfehlung gekauft.

    Gefällt 1 Person

  2. Liebe Ingrid,
    herzlichen Dank für deinen Artikel, ich bin bei so viel Lob rot geworden und freue mich sehr, dass ich dich zum einen zum Zeichnen animiert und zum anderen, dich zum Thema Radierung informiert habe.
    Ich schreibe diese „Anleitungsbücher“ sehr gerne und mag es, andere zu motivieren und mit ihnen meine Begeisterung zu teilen.
    Ich möchte auch auf die Zusammenarbeit mit meinem Lektor Manfred Braun hinweisen. Wir haben uns im realen Leben noch nie gesehen. In der heißen Phase telefonieren wir täglich. Ich bin oft so in meinem Thema drin, dass ich bei den Schritt für Schritt Anleitungen zu schnell voranschreite. Dann ruft mich Herr Braun an und erklärt mir, was er nicht versteht und so kann ich in den Anleitungen die fehlenden Zwischenschritte einfügen.
    Zur Zeit sind Herr Braun und ich wieder in solch einer Phase, ich hoffe, du verzeihst mir, dass ich von meinem Buch neuen Buch erzähle, ich werde dort zeigen, wie die / der Kreative mit Pastellen und Stiften unkompliziert zeichnen kann. Ich sage dazu immer: Ich benutze alles, was in den Töpfen auf meinem Schreibtisch steht.
    Wenn Herr Braun und ich am Lektorat arbeiten, dann fluche ich immer und denke, ich schreibe nie wieder ein Buch. Aber wenn es dann fertig ist, dann überlege ich mir schon ein nächstes Thema oder der Verlag weist mich auf ein Thema meiner Arbeit hin, was interessant ist.
    Die eine oder andere kleinere Unaufmerksamkeit beim Korrekturlesen werden in der Regel, wenn wir sie finden, bei der 2. Auflage ausgebessert. Ich habe dazu von meinen Lesern den einen oder anderen Hinweis erhalten.
    Danke für deine Empfehlung und liebe Grüße von
    Susanne

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    1. Ich kann mir gut vorstellen, liebe Susanne, dass das Schreiben und die Produktion eines Buches mit sehr viel Stress verbunden sind. Aber der Aufwand lohnt, wie man an „Die Kunst der Radierung“ sehen kann. Ich finde im übrigen, dass die Edition Michael Fischer ein interessantes Verlagsprogramm hat, in das Du mit Deinen Arbeiten gut passt. Herzliche Grüße, Ingrid

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      1. Ja, Ingrid, ich finde auch das das Verlagsprogramm vom Edition Michael Fischer Verlag viel interessantes und abwechslungsreiches bereit hält.
        Einen schönen Abend und nochmals herzlichen Dank, Susanne

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