Susanne von Meiss: BücherWelten

Von Menschen und Bibliotheken

So, mit diesem Beitrag dürfte ich ziemlich durch sein mit den sogenannten Coffee Table-Books, soweit sie die Thematik von DruckSchrift betreffen. Es handelt sich dabei um Bücher, die gern auf dem Beistelltischchen abgelegt werden und weniger zum intensiven Lesen als zum interessierten – manchmal auch Wartezeit überbrückenden – Durchblättern gedacht sind.

Bücherwelten2Bücher dieser Art weisen zwei auffällige Gemeinsamkeiten auf. Die Herausgeber arbeiten mit hervorragenden Fotografen zusammen und statten die Bücher mit einer Fülle von bestem Bildmaterial aus. Das ist hier bei „Bücherwelten“ nicht anders. Die oft großformatigen Fotografien von Reto Guntli sind hinreißend schön und machen das Durchblättern des Buches zu einem ästhetischen Genuss erster Güte. Guntli hat übrigens auch einen Großteil der Fotos zu dem Band „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ beigesteuert, den DruckSchrift hier vorgestellt hat.

Die zweite Gemeinsamkeit ist, dass der Text in Coffee Table-Books dieser Buchkategorie entsprechend eine im Vergleich zu den Fotos eher untergeordnete Rolle spielt und oft ziemlich belanglos ist. Dazu passt – und da weiß man auch gleich, woher der Wind weht -, dass die Autoren und Autorinnen keine „Buchexperten“ sind, sondern Journalisten, die für Lifestyle- oder ähnlich gelagerte Magazine arbeiten. (Rainer Moritz mit „Die schönsten Buchhandlungen Europas“ bildet unter den Büchern, die ich bisher vorgestellt habe, die große Ausnahme; der ist wirklich Experte in Sachen Buch.) Auch über Susanne von Meiss ist zu lesen, dass sie seit 1980 für Lifestyle-Magazine wie die Vogue, House & Garden und Architectural Digest schreibt und dass sie mehrere Bildbände veröffentlicht hat. Außerdem ist sie Mitgründerin der Firma Michel & von Meiss Interiors.

Die berufliche Ausrichtung von Susanne von Meiss schließt aber Kenntnisse „rund um’s Buch“ nicht per se aus. Ihre Texte vermitteln nicht den Eindruck, dass die Autorin sich auf ungewohntem Terrain bewegt.

Trotz unübersehbarer Gemeinsamkeiten grenzt sich „Bücherwelten“ doch etwas von der Konkurrenz ab. Diese konzentriert sich vornehmlich jeweils auf einen Aspekt, etwa das „Wohnen mit Büchern“, obwohl die Grenzen auch hier schon fließend sind. „Bücherwelten“  berücksichtigt zwar auch diesen Themenkomplex ebenso wie die altbekannten Felder „Büchertempel“ (= Bibliotheken) oder „Bücher sammeln“, ergänzt sie aber um die Kapitel „Buch & Kunst“ und „Büchermacher“. Das ist eine sinnvolle Ausweitung auf einen bisher vernachlässigten Teil der „Bücherwelt“. Es gefällt mir, dass hier auch das Buch als Kunstobjekt eine Rolle spielt, einige Buchkünstler zu Wort kommen, aber auch ein Buchrestaurator, ein Kalligraph und ein Buchdrucker.

Wir lernen in diesem schönen Buch eine Reihe Büchersammlungen kennen, die zu den bedeutendsten der Welt gehören. Und wir begegnen vielen Menschen, die sich ein Leben ohne Bücher nicht vorstellen können und deren Aussagen kaum etwas hinzuzufügen ist. Doch einer der Gesprächspartner von Susanne von Meiss hat mich richtig empört: Lord George Weidenfeld vom Londoner Verlagshaus Weidenfeld & Nicolson.

Es ist nicht die Aufgabe von Büchern dieser Art, die Gastgeber, die einen Einblick in ihre Sammlungen ermöglichen, zu kritisieren. Ich weiß auch nicht, wie Susanne von Meiss ihren Gesprächspartnern gegenüber eingestellt war. Hat sie überhaupt registriert und reflektiert, was ihr der Londoner Verleger da gesagt hat? Oder fand sie den Satz gar gut und hat ihn aus ihren Gesprächsaufzeichnungen deshalb in das Weidenfeld-Kapitel aufgenommen? Ich kann über eventuelle Motive nur spekulieren. Und deshalb weiß ich auch nicht, ob meine Kritik nur Weidenfeld oder Weidenfeld & von Meiss betrifft.

Die Passage, die mich auf die Palme bringt, lautet:

„Um Platz zu schaffen, verschenkt der große Verleger schon einmal seine Bücher. ‚Wenn sie überholt sind und den Test der Zeit nicht überstanden haben‘, gibt er sie an Schulen und Universitäten“.

Das darf doch wohl nicht wahr sein! Eine wirklich „noble Art“ des „großen Verlegers“, überholte, uninteressante Bücher zu entsorgen …

Großes Kopfschütteln meinerseits.

Mit einem zum Schmunzeln verleitenden Satz dagegen will ich schließen. Er stammt aus dem Mund von Volker Kühn und wird sicher von vielen Leserinnen und Lesern von DruckSchrift dick unterstrichen. Was er ganz sicher nicht mache, erklärte Kühn der Autorin, sei Bücher zu sammeln,

„denn ich habe die Erfahrung gemacht, daß die sich so oder so von selbst sammeln“.

Großes Kopfnicken meinerseits.

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Bücherwelten
Von Menschen und Bibliotheken
Texte von Susanne von Meiss
Fotos von Reto Guntli
Gerstenberg Verlag 1999/2011, 256 Seiten

 

 

2 Kommentare zu „Susanne von Meiss: BücherWelten

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