Anja-Franziska Eichler: Schnellkurs Druckgrafik

Das Thema Buchillustration ist ein für DruckSchrift wichtiges. So liegt es nahe, sich auch einmal mit diesem „Schnellkurs Druckgrafik“ zu befassen, denn zwischen beiden Themen gibt es eine enge, ja eine direkte Verbindung.

Die Illustration von Büchern nahm ihren Anfang im 14. Jahrhundert, als die sog. Blockbücher mit Holzschnitten verschönt wurden und/oder deren Texte durch bildliche Darstellungen verständlicher gemacht werden sollten. Schnellkurs DruckgrafikDer Holzschnitt blieb zunächst die einzige Technik, die für die Ausgestaltung von Büchern zur Verfügung stand. Doch ab dem 15. Jahrhundert wurde der Kupferstich nach und nach populär, und in den folgenden Jahrhunderten ging es dann Schlag auf Schlag. Immer neue Verfahren wurden entwickelt, teilweise auch miteinander kombiniert, Techniken weiterentwickelt: Radierung, Vernis mou, Aquatinta, Lithografie, Siebdruck und andere Verfahren standen nun den Künstlern zur Verfügung. Aber auch der gute alte Holzschnitt erlebte mehrfach eine Renaissance.

Viele Maler, darunter solch bedeutende und wegweisende Künstler wie Albrecht Dürer, Rembrandt, Matisse, Picasso Beardsley, Kokoschka beschäftigten sich auch mit der Schaffung von Druckgrafik und haben auch auf diesem Feld Meisterwerke geschaffen. Damals wie heute waren und sind es häufig zum Verkauf bestimmte Einzelblätter. Aber die beispielhaft genannten Künstler und viele andere auch, darunter viele zeitgenössische, betätig(t)en sich auch als Buchillustratoren, schufen/schaffen oft auch sog. Künstlerbücher, wie sie etwa in dem Buch Papiergesänge vorgestellt werden (s. Beitrag in DruckSchrift hier).

Es gibt also auch für Liebhaber schöner illustrierter Bücher, von Künstlerbüchern oder Pressendrucken gute Gründe, sich mit dem Thema Druckgrafik auseinanderzusetzen. Der „Schnellkurs Druckgrafik“ ist dafür gut geeignet.

Die Autorin führt durch die Geschichte der europäischen Druckgrafik von ihren Anfängen bis in die Gegenwart; sie stellt die wichtigsten Künstler, Strömungen und Schulen von Dürer bis Beuys vor und beleuchtet dabei auch das Wirken der Künstler als Buchillustratoren.Die verschiedenen Drucktechniken und ihr Entwicklung werden erläutert. Und dabei verliert Eichler die politischen, religiösen, profanen, propagandistischen oder rein reproduzierenden Funktionen der Druckgrafik nicht aus den Augen.

Mein Fazit: Für ein Bändchen von 180 Seiten hat die Autorin sich eine große Aufgabe gestellt, diese aber gut gelöst. Auch wenn einem nach der der Lektüre bei all den vielen Namen und eingeflochtenen Details der Kopf raucht. Manchmal wäre es für einen „Schnellkurs“ besser gewesen, auf den einen oder anderen Künstler-Hinweis zu verzichten. Dann wäre auch etwas mehr Platz gewesen für die zahlreichen Bildbeispiele, die doch etwas klein ausfallen und zu oft nicht so richtig zur Geltung kommen. Das gilt insbesondere für die abgebildeten Holzschnitte und Kupferstiche.

Das ist aber nur eine kleine Einschränkung, die an meiner insgesamt positiven Einschätzung nichts ändert.

Die Passagen, die sich mit der praktischen, der technischen Seite der Herstellung von Druckgrafik befassen, die also aufzeigen, welche Schritte etwa zur Herstellung eines Holzschnitts oder einer Lithografie erforderlich sind, sind besonderes gerahmt und farblich unterlegt und heben sich somit vom laufenden Text ab. Das ist hilfreich und einer schnellen Orientierung förderlich. Dieses Buch ist aber kein Lehrbuch für Menschen, die druckgrafische Techniken erlernen wollen, um selbst Druckgrafik herzustellen. Dafür gibt es andere Veröffentlichungen auf dem Büchermarkt.

TrennstrichAnja-Franziska Eichler
Schnellkurs Druckgrafik
DuMont Literatur und Kunstverlag 2006, 180 Seiten, 14,90 EUR

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