Geheimnisvolle Bibliotheken (Anthologie)

Bücher über Bibliotheken ziehen mich so magisch an wie Bibliotheken selbst. Und so kann es denn passieren, dass ich, fasziniert vom Titel und elektrisiert von einem Spannung und Schaudern verheißenden Cover, „versehentlich“ bei einem für mich und meine Lesegewohnheiten untypischen Verlag lande. Wie jetzt.

Geheimnisvolle BibliothekenDer kleine Verlag Torsten Low ist, wie ich mittlerweile weiß, auf Fantasy, Horror, Okult-Krimis („Göttin der Finsternis“), Paranormales („Gefangen in der Ewigkeit“) , Endzeitromane und was es in diesem Umfeld noch alles geben mag, spezialisiert. Das ist nicht unbedingt das, was ich normalerweise lese. Ob ich das Buch, das ich hier – trotzdem – kurz vorstelle,  mit meinem Hintergrundwissen von heute gekauft hätte? Fraglich …

Dabei passen Fantasy und „Geheimnisvolle Bibliotheken“ prinzipiell ja durchaus gut zusammen. Schließlich geht es um einen Ort, zu dem es Büchersüchtige mit Macht hinzieht, der an Geheimnisse denken lässt, die in alten Büchern schlummern, in dem sich in der Nacht seltsame Gestalten die Klinke in die Hand geben, dessen hinter vollgestopften Regalen versteckte Türen in unbekannte (Fantasy-) Welten führen.

So habe ich mich denn mit gedämpfter Erwartung, aber dem Willen, die Geschichten auf mich wirken zu lassen, an die Lektüre begeben.

Vereint sind in dem Buch 26 kurze Erzählungen, davon 3 Kurz-Graphic-Novels ohne Worte. Die einzelnen Texte sind von sehr unterschiedlicher Qualität. Vielfach konnten weder Handlung noch sprachliche/literarische Umsetzung der Idee überzeugen.Zahlreichen Beteiligten mangelt es an schriftstellerischem Format, an handwerklichen Fertigkeiten. Bei einigen Erzählungen – das muss dann auch gesagt werden – habe ich mich aber recht gut unterhalten gefühlt.

In ihrem sehr um Originalität bemühten Vorwort spricht Herausgeberin Carolin Gmyrek von „meinen Autoren“. Doch außer den Namen erfahren wir kein Wort über die  – nicht nur mir, wie ich nach „Ausflügen“ in Fantasy-Blogs und -Homepages weiß – unbekannten Verfasser der in dieser Anthologie vereinten Geschichten. Auch was sie selbst betrifft, bleiben Gmyreks Aussagen nebulös. Da wundert es auch nicht mehr, dass sie kein Wort darüber verliert,  welche Kriterien für die Auswahl von Autoren und Texten herangezogen wurden. Mit kommt es vor, als sei es nach dem Motto „Wer möchte auch mal“ zugegangen. Die Messlatte scheint mir jedenfalls nicht sonderlich hoch angelegt worden zu sein.

Mein Fazit: Viel Masse (400 Seiten, 26 Erzählungen), viel Mittelmaß, manchmal nicht mal das, aber auch ein paar positive „Ausreißer“. Auf halber Strecke habe ich angefangen, mich zu langweilen. Zu wenige der in dem Sammelband enthaltenen Erzählungen sind nicht nur phantasievoll, sondern auch gut geschrieben und lesenswert; das reicht nicht, um das Interesse an dem Buch bis zum Schluss wachzuhalten. Ganz „durch“ bin ich immer noch nicht, aber der Rest dürfte an meiner Einschätzung auch nichts mehr ändern. Man nutzt seine Zeit besser, wenn man daran geht, die Geheimnisse von Bibliotheken und das geheime Leben von Büchern mithilfe renommierter Autoren wie Manguel, Murakami oder de sá Moreira aufzuspüren.
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Geheimnisvolle Bibliotheken
Hrsg. von Carolin Gmyrek
Verlag Torsten Low 2012, 400 Seiten

9 Kommentare

  1. Ich habe gesehen, dass auch Christian von Aster daran beteiligt war. Gerade zu ihm kann ich sagen, dass er einst wirklich gute Lyrik schrieb. Aber irgendwie ist er dann „hängengeblieben“. Er kaut immer wieder die selben Dinge sehr flach durch und trägt auch auf Livelesungen wohl wenig begeistert seine eigenen Stücke vor. Schade eigentlich, denn die Mittnerachtsraben von ihm fand ich schon große Klasse.

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  2. Ich schließe mich meinen Vorrednerinnen an, liebe Ingrid. Die Erleichterung ist groß, denn beim Blick auf das Buchcover und die dort kathedral in den Himmel wachsende Bibliothek habe ich schon den Stift gezückt, um mir Autor und Titel für einen kurzfristigen Erwerb zu notieren. Ein bisschen schade auch, denn die Idee ist doch richtig gut.

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    • Ich kenne das Problem und versuche, auf die Portemonnaies meiner Blog-Besucher/innen etwas Rücksicht zu nehmen 🙂 Zu meinem eigenen Glück konnte ich die „Geheimnisvollen Bibliotheken“ für wenig Geld bei Ebay erstehen (wenn auch manchmal wenig noch zu viel ist).

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