Papiergesänge. Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert

PapiergesängeUm Malerbücher, Künstlerbücher und Pressendrucke aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek  München geht es in diesem Buch, dessen Einband Andy Warhols Kater Sam (aus  „25 Cats Name Sam and one Blue Pussy“) schmückt. „Papiergesänge“ leitet sich ab von „Carta canta“, jenem Titel, den der Maler Pierre Alechinsky einem seiner Bücher gegeben hat.

Der Wunsch, das Buch nicht auf die bloße Wiedergabe von Gedanken und Buchstaben zu reduzieren, sondern es durch kostbares Material, künstlerische, ausgewogene Gestaltung und die Beigabe von Bildern auszuzeichnen und aufzuwerten, ist fast so alt wie das Buch selbst. Man denke nur an die prächtigen mittelalterlichen Codizes. Die Buchkunst des 20. und noch jungen 21. Jahrhunderts stellt das bislang letzte Glied in einer langen Kette dar.

-.-.-.-.-.-

Das Malerbuch eröffnet seine glanzvolle Geschichte im Jahr 1900 mit ‚Parallèlement‘ von Bonnard / Verlaine und nimmt die Errungenschaften der großen Künstler der École de Paris … in sich auf. Seit der Pop Art bedienen sich zunehmend auch englische und amerikanische Künstler … dieser ‚klassischen‘ Buchform. (Umschlagtext)

-.-.-.-.-.-.-

Die Bayerische Staatsbibliothek kann sich rühmen, eine Sammlung von über 9000 Bänden an Künstlerbüchern, Malerbüchern und Pressendrucken aus den letzten gut 100 Jahren zu besitzen. Sie dürfte damit einen Spitzenplatz unter vergleichbaren Sammlungen in der Welt einnehmen. Im Jahr 1992 präsentierte sie erstmals im Rahmen einer – in diesem Buch dokumentierten – Ausstellung 164 markante Beispiele der Öffentlichkeit. Damit ermöglichte sie es dem interessierten Publikum, einen „wohl noch selten gestalteten Überblick über das künstlerische Buch des 20.Jahrhunderts in seinen verschiedensten Sparten und Entwicklungslinien“ zu gewinnen, so Direktor Franz Georg Kaltwasser in einer Art Vorwort.

-.-.-.-.-.-.-

Im Künstlerbuch, wie es noch vor dem Ersten Weltkrieg von den russischen Futuristen und Konstruktivisten … kreiert wurde, manifestiert sich ein revolutionärer Elan, der alle Kategorien der klassischen Ästhetik aufhebt. Offen den wechselnden Bewegungen des Jahrhunderts, von Dada und Surrealismus bis Art brut und Fluxus, bleibt es eine Bühne des künstlerischen und literarischen Experiments … (Umschlagtext)

-.-.-.-.-.-.-

Und wer nicht alles vertreten ist! Wir finden Werke von Braque, Derain, Max Ernst, Léger, Matisse, Picasso, El Lissitzky, Schwitters, Rauschenberg, Warhol … Aber auch dem Pressendruck wird die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenkt. Denn eingeleitet von den englischen Pionieren William Morris (Kelmscott Press), Cobden-Sanderson und Emery Walker (Doves Press), hatte sich im Rahmen der europäischen Buchkunstbewegung der deutsche Pressendruck entwickelt; für ihn stehen Namen wie die Bremer Presse oder die Cranach-Presse.

-.-.-.-.-.-.-

Der Pressendruck sucht, ausgehend von den englischen Pionieren der Private Press … die Reform des Massenprodukts Buch durch die Wiedergewinnung der Einheit von Handwerk und Kunst. In der deutschen Buchkunstbewegung gelangte er zu einer ungeahnten Breitenwirkdung und erlebt nach dem Zweiten Weltkrieg einen neuen Aufschwung in der Verbindung von Literatur und Graphik (Umschlagtext).

-.-.-.-.-.-.-

Jedes in der Ausstellung – und damit in diesem Band – vertretene Buch wird mit Hintergrund-Erklärungen zu Künstler und Entstehungsgeschichte und einer Abbildung vorgestellt. Die Beschreibung der Objekte erfolgt durch Dr. Béatrice Hernad auf eine fesselnde Art und Weise, so dass man am liebsten – hätte man nur die Möglichkeit dazu – gleich zu dem entsprechenden Buch greifen möchte.

Einen einleitenden, verhältnismäßig ausführlichen Überblick über die Entwicklung der Buchkunst im 20. Jahrhundert und deren Versuch, sich mit unterschiedlichsten Themen, Aspekten, Herausforderungen auseinanderzusetzen, hat Karin von Maur verfasst. Sie bezieht sich dabei immer wieder auf die Bücher der Bayerischen Staatsbibliothek und so weit wie möglich auf die in der Ausstellung gezeigten Werke.

Eine umfassende Bibliographie findet sich am Ende des Buches.

Für mich ist die Beschäftigung mit dem Thema Buchkunst noch (lange) nicht zu Ende, auch wenn ich die „Papiergesänge“ inzwischen wieder in der Gemeindebücherei abliefern musste. Das Buch steht längst auf meiner Wunschliste, denn es ist – auch mehr zwanzig Jahre nach seinem Erscheinen noch  – ein ausgezeichneter Führer „durch die vielgestaltige Landschaft des künstlerischen Buches im 20. Jahrhundert“ (Franz Georg Kaltwasser).

-.-.-.-.-.-.-

Papiergesänge.
Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert
Künstlerbücher, Malerbücher und Pressendrucke aus den Sammlungen der Bayerischen Staatsbibliothek München
Prestel Verlag, München 1992, 312 Seiten

4 Kommentare zu „Papiergesänge. Buchkunst im zwanzigsten Jahrhundert

  1. Danke für den Hinweis, Ingrid, ich setze das Buch auf meine Wunschliste. Für meine Hausarbeit zitiere ich viel aus dem „Mittelalterlichen Buch“ von C. Jakobi-Mirwald, was du hier vorgestellt hast. So weiss ich auch, dass für das Musterbuch, was ich beschreibe, die Haut von 8 Kälbern für das Pergament benötigt wurden. LG und einen schönen vorweihnachtlichen Donnerstag sendet dir Susanne

    Gefällt mir

    1. Dachte ich mir doch, dass die „Papiergesänge“ Dein Interesse finden. Und es freut mich, dass Dir „Das mittelalterliche Buch“ gute Dienste leistet. Schöne Grüße und viel Erfolg bei Studium und künstlerischer Arbeit, Ingrid

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s