Shereen LaPlantz: Buchbinden

Traditionelle Techniken. Experimentelle Gestaltung

Bevor man sich dieses Buch kauft, sollte man sich Klarheit darüber verschaffen, was man eigentlich will. Und ob diese Publikation zu leisten vermag, was man sich von ihr erhofft. Der Titel könnte zu Fehleinschätzungen führen. Das wäre schade, denn dieses Buch ist ein schönes Buch.

BuchbindenJa, es geht schon um’s Buchbinden. Ja, es wird genäht, gefalzt, geschnitten, gekleistert. Ja, es geht schon auch um das gute alte gebundene Buch, das nach dem Kauf oder spätestens nach der Lektüre ins Bücherregal wandert. Und folglich werden auch die Bestandteile „herkömmlicher“ Bücher erklärt, vom Einband über das Vorsatzpapier bis zum unteren Buchschnitt. Aber schon nach einigen Seiten des Durchblätterns wird klar: Buch ist nicht gleich Buch.
Shereen LaPlantz vertritt jedenfalls einen weitaus umfassenderen Buchbegriff.

Zu Beginn geht es noch relativ traditionell zu. Nach den ersten Schritten, die zeigen, wie man ein schlichtes Heft bindet und welche Heftstiche angewendet werden können, geht es an das Projekt „Grund-Kodex“, also die uns geläufige Form des Buches. Beeindruckend ist die einem eigenen Kapitel vorbehaltende Vorstellung unterschiedlicher Sticharten, die für das Zusammenheften von Lagen genutzt werden können. Die japanischen Blockbücher mit ihrer jahrhunderte alten Tradition erinnern auch noch stark an „echte“ Bücher.

Aber dann entfernen sich die Objekte, die die Autorin, die man gut und gern als Künstlerin bezeichnen kann, als Anregungen und/oder zum Nachbau vorstellt, mehr und mehr von dem, was ein herkömmliches Buch ausmacht. Präsentiert werden Faltbücher, Flatterbücher, Tunnelbücher, Sternbücher, aufgefädelte Karten … Hier ist also eher künstlerisches Gestalten mit Papier und – am Rande – auch mit anderen Materialien wie Stoff oder Holz angesagt.

Fazit: Wer seine Texte in eine ansprechende, repräsentative, auch ungewöhnliche Form bringen, vielleicht seine Freunde mit einem aus dem Rahmen fallenden Geschenk überraschen möchte, findet in der Veröffentlichung von Shereen LaPlantz eine Menge Anregungen. Ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen dürften zum angestrebten Erfolg führen; allerdings muss ich einräumen, dass ich mangels eigener praktischer Erfahrung den jeweiligen Schwierigkeitsgrad nicht wirklich einschätzen kann.

Dank der vielen Fotos, die Arbeiten von LaPlantz selbst, aber auch vieler mit ihr befreundeter Künstlerinnen und Künstler zeigen, ist das Buch zudem eine Augenweide. Es juckt einen schon in den Fingern, sich an der Nachahmung zu versuchen …

Shereen LaPlantz
Buchbinden
Traditionelle Techniken – Experimentelle Gestaltung
Haupt Verlag 2005, 144 Seiten

2 Kommentare zu „Shereen LaPlantz: Buchbinden

    1. Ich hätte im Rahmen der Buchvorstellung gern ein paar Fotos veröffentlicht, aber da ist ja immer das leidige Problem mit den Rechten …
      „Sternbücher“ gehören zu der erwähnten Gruppe von Büchern, die nach herkömmlichen Maßstäben eigentlich keine sind. Ich schicke Dir nachher mal ein Foto an Deine eMail-Adresse.

      Gefällt 1 Person

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