Stundenbuch für Letternfreunde – hrsg. von Horst Kliemann

Besinnliches und Spitziges über Schreiber und Schrift, Leser und Buch

Obwohl es der Einband erstaunlicherweise nicht schon verrät: dieses Bändchen gehört in die Reihe „Die bibliophilen Taschenbücher“, die der Harenberg Verlag in den 80er Jahren Stundenbuch für Letternfreundepubliziert hat. Zwei davon, nämlich Das Museum der Bücher und Alte Exlibris habe ich in DruckSchrift schon vorgestellt, einige weitere werden sicher noch folgen.

Das „Stundenbuch für Letternfreunde“ erschien aus Anlass des 100. Geburtstags des Erfinders der Linotype-Setzmaschine, Ottmar Mergenthaler. Wer es sein eigen nennt, braucht sich als Bücherfreund/in über passende Zitate zu allen erdenklichen Themen „rund um’s Buch“ keine Sorgen mehr zu machen. Mit diesem Bändchen hat er/sie ausgesorgt und kann bei passender Gelegenheit brillieren.

Auf rund 190 Seiten findet man Besinnliches und Spitziges, manchmal aber auch Erstaunliches.

„Dem Bücherschnorrer sag’s ins Gesicht – Buch, Ehr und Frau verleih ich nicht“
Was soll frau wohl von dieser Weisheit von Hans von Weber halten?

Christian Morgenstern lässt Hoffnung aufkeimen:
„Es ist das Interessante an Büchern, über denen man eigentlich den Verstand verlieren müßte, daß man durch sie vielmehr an Verstand gewinnt.“
Aha. Noch ist also nicht alles verloren.

Aber Michel de Montaigne erinnert uns:
„Es ist leichter, das Buch zu behalten, als das was darinnen steht.“
Auch wieder wahr.

Friedrich Rückert wartet mit einer Mahnung an diejenigen Blogbetreiber/innen auf, die sich gern über die Höhe ihrer SUBs auslassen:
„Wer viele Bücher hat und keines recht gelesen,
Ist wie ein Geiziger mit seinem Schatz gewesen.“

Trotzdem: Manische Bücherkäufer können sich trösten. Sie sind nicht allein, wie folgender Satz von Karl Julius Weber belegt:
„Wahrhaftig diese Liebe zu den Büchern beherrscht mich so mächtig, daß ich, alle irdischen Güter verachtend, für nichts sonst empfand als für die Leidenschaft, Bücher zu erwerben.“

Aber Vorsicht:
„Ich hatte mit einem Male mein ganzes Vermögen verloren, aber ich war deshalb so wenig niedergeschlagen, daß ich nur um so aufgeweckter und feuriger zu meinen Büchern zurückkehrte.“
Na ja, vielleicht hat Erasmus von Rotterdam sein Vermögen ja durch einen Crash an der Börse und nicht in einer Buchhandlung verloren. Wer weiß das schon so genau?

Psychologen und Psychiater werden nicht gern lesen, was Montesquieu über das Lesen verlautbart:
„Ich habe in meinem Leben keinen Kummer gehabt, den nicht eine Stunde der Lektüre weggeblasen hätte.“
In der Zeit hat man beim Psychiater gerade mal auf der Couch Platz genommen …

Zum Schluss noch was Schönes, Ergreifendes aus der Feder von Hermann Hesse:
„Von den vielen Welten, die der Mensch nicht von der Natur geschenkt bekam, sondern sich aus eigenem Geiste erschaffen hat, ist die Welt der Bücher die größte.“

Und noch was Schönes, dieses Mal von Cicero:
„Ein Zimmer ohne Bücher ist wie ein Körper ohne Seele.“

Und damit nach der Lektüre dieses Beitrags auch noch was zu tun bleibt:
„Auch die gelesene Wahrheit muß man hinterher erst selbst erfinden.“ (Jean Paul)

Stundebuch für Letternfreunde
Besinnliches und Spitziges über Schreiber und Schrift, Leser und Buch
Gesammelt und herausgegeben von Horst Kliemann
Harenberg Kommunikation 1984, Reihe „Die Bibliophilen Taschenbücher“, Band 927

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s