Gisela Reschke – Buntpapier

Tradition und Gegenwart

Begleitband zu einer Ausstellung im Gutenberg-Museum 2007

Ich liebe Ausstellungskataloge. Dabei spielt es eine untergeordnete Rolle, ob ich eine Ausstellung selbst gesehen habe oder nicht. Ausstellungskataloge sind – was meinem Reschke BuntpapierFaible für illustrierte Bücher zugute kommt – mit reichlich Bildmaterial ausgestattet. Und sie enthalten – mal mehr, mal weniger – von sachkundigen Experten verfasste einführende und/oder vertiefende Informationen über die präsentierten Künstler und ihre Werke. Text und Bild werden auf ideale Weise miteinander verbunden.

Das ist hier in diesem Begleitbuch zu einer bemerkenswerten Ausstellung nicht anders.

Gisela Reschke ist eine in Hamburg lebende, international renommierte „Buntpapiererin“. Das Museum vermittelte mit der Ausstellung einen Überblick über ihr bisheriges Werk und ermöglichte damit auch „einen Blick auf die aktuellen schöpferischen Tendenzen eines Handwerks, das nur noch von wenigen hauptberuflich ausgeübt wird.“

Und Buntpapier ist sehr wohl auch ein Thema für ein Museum, das sich als Buch- und Druckmuseum versteht. Schließlich wurde es seit eh und je als Bezugs- und Ausstattungsmaterial für Bücher verwendet.

Buntpapier war für lange Zeit wichtiger und sichtbarer Bestandteil von Büchern. Eine Geschichte des Buches ohne Kapitel und Anmerkungen zum Buntpapier wäre nicht vollständig geschrieben.

Von daher zeigt das Gutenberg-Museum mit seiner Ausstellung nicht nur das lebendige und bunte Werk einer etablierten Buntpapiererin. Es weist darüber hinaus auf die Tradition dieses Handwerks hin, das von seinen Anfängen bis heute neben denen des Typographen, Druckers und Buchbinders aufs Engste mit der Buchherstellung und dessen Erscheinungsbild verbunden war.

Gisela Reschke gehört zu den wenigen, welche diese jahrhundertelange Traditionslinie der Buntpapiererei bis heute lebendig erhalten, ohne in der Tradition zu erstarren. Von daher lohnt es sich näher hinzuschauen.

Und wie es sich lohnt, hinzuschauen! Von Papier faszinierte Betrachter können gar nicht anders – sie werden angesichts der Formen- und Farbenvielfalt und der meisterhaften Beherrschung unterschiedlicher Varianten der Buntpapierherstellung begeistert sein.

In der Ausstellung wurden 30 Papiere präsentiert, die unter Anwendung verschiedener Techniken kreiert wurden: Kleisterpapier, Tunkpapier, Monotypiepapier, Ölspachtelpapier u.v.m. Gezeigt wurden aber auch Objekte mit Buntpapier wie z. B. eine Barockkommode, eine Stele oder eine Unterarmtasche, deren Papier aus der Werkstatt von Gisela Reschke stammt. Schließlich können wir einen Blick auf diverse Bücher mit wunderbarem Buntpapierbezug und Einbandentwürfe Reschkes für den Insel-Verlag werfen. Abschließend werden noch einige historische Objekte wie z. B. ein Marmorierkasten aus der Zeit um 1890 oder ein altes Genueser Lottospiel vorgestellt. Insgesamt sind in dem Buch 61 Ausstellungsstücke vereint.

Damit Nicht-Fachleute wissen und besser verstehen, was sie sehen, findet sich in dem Ausstellungs-Begleitband ein ausführliches Kapitel zur Geschichte und Technik der Buntpapiere. Hier erfährt man z. B. wie Brokatpapier, Modelpapier oder Spachtelpapier hergestellt wird und was die Besonderheit von Sprengpapier oder Suminagashipapier ausmacht – eine ideale Einführung in eine faszinierende Thematik.

Kurz: dieses Buch ist für alle, die sich für Papier – hier natürlich vor allem Buntpapier – und die Arbeit einer exzellenten Kunsthandwerkerin/Künstlerin interessieren, eine absolut lohnenswerte Anschaffung.

Übrigens: Gisela Reschke hat eine eigene Homepage. Dort kann man mehr über die Buntpapiererin erfahren und auch einige ihrer Arbeiten sehen.

Gisela Reschke
Buntpapier. Tradition und Gegenwart
Begleitband zu einer Ausstellung im Gutenberg-Museum
Mainz 2007, 180 Seiten, 18 EUR
zu beziehen über den Gutenberg-Shop

2 Kommentare zu „Gisela Reschke – Buntpapier

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