Eric Le Collen: Feder, Tinte und Papier

Die Geschichte schönen Schreibgeräts

Dieses Buch geht auf die Wanderausstellung „Cent ans d’objets d’écriture“  (Hundert Jahre Schreibgeräte) zurück, die Eric Le Collen 1995 organisierte. Es überrascht zunächst zu lesen, dass der Autor als Komponist und Theaterautor arbeitet. Aber Le Collen ist auch – das belegt Feder Tinte und Papierdieses schöne Buch – ein kenntnisreicher Liebhaber schönen Schreibgeräts.

Damit ist das Fazit schon vorweggenommen. Wer sich zu Feder, Tinte und Papier hingezogen fühlt, muss dieses Buch einfach lieben.

Der Autor weiß, wovon er schreibt. Es geht um die einen langen Zeitraum umfassende Nutzung der Gänsefeder und die Anforderungen, die sich daraus ergeben haben; es geht um die Ablösung der Gänsefeder durch die Stahlfeder, um Tinte und Papier; der Autor schreibt über das Schreibenlernen in der Schule, über Pioniere der Entwicklung von Füllfederhaltern und die „Kugelschreiber-Generation“. Le Collen schließt mit einem Ausblick auf die Schreibgeräte der Zukunft – hier geht es vor allem um die Rolle des Computers. Macht er das Schreiben „von Hand“ überflüssig? Partiell schon, aber nicht ganz:

Die neu erwachte Begeisterung für die Kalligraphie verrät, dass das Schreiben mit der Hand noch lange nicht aus der Mode gekommen ist. […] Diese Renaissance zeigt, dass das Schreiben von Hand ein intellektuelles, sicher aber auch ein körperliches Bedürfnis ist, und dass sich das Schreiben auf unser seelisches Gleichgewicht auswirkt.

Wirklich tiefschürfende Erörterungen zu einzelnen Aspekten darf man nicht erwarten; sie sind auch nicht die Zielsetzung dieses Buches. Die Themen liefern einen Überblick, der zur weiteren Beschäftigung anregt, ja vielleicht auch den Anstoß zum Aufbau einer eigenen Sammlung historischer Stahlfedern, Tintenfässer oder Füllhalter gibt. Wer weiß …

Die vielen wunderbaren Fotos zahlreicher Fotografen machen das Buch zudem zu einer Augenweide erster Güte. Daneben enthält es zahlreiche Abbildungen historischer Dokumente, Plakate etc. Schon das Durchblättern ist ein Vergnügen.

„Feder, Tinte und Papier“ weist große Ähnlichkeit mit dem „Großen Buch der Schreibkultur“ auf, das DruckSchrift hier vorgestellt hat. Es ist aber nicht ganz so „Marken“-lastig, auch wenn bei der Darstellung der Geschichte der Schreibgeräte die Pioniere und wichtigen Firmen natürlich eine bedeutsame Rolle spielen.

Hier noch ein schönes Zitat aus der Feder von André Gide:

An manchen Tagen ist mir, als könnte ich, wenn ich eine gute Feder zur Verfügung hätte, gute Tinte und gutes Papier, mühelos ein Meisterwerk schreiben.

Kurz zusammengefasst: „Feder, Tinte und Papier“ ist ein sehr, sehr schönes, reich illustriertes Buch, das sich im übrigen auch wunderbar als Geschenk für Liebhaber des Schreibens und schönen Schreibgeräts eignet.

Eric Le Collen
Feder, Tinte und Papier
Die Geschichte schönen Schreibgeräts
Gerstenberg Verlag 1999, 176 Seiten

7 Kommentare zu „Eric Le Collen: Feder, Tinte und Papier

  1. Liebe Ingrid,
    eine schöne Besprechung über ein sehr schönes Buch. Ich habe ein paar Jahre lang, weil ich ziemlich fasziniert davon war (immer noch bin) alle einschlägigen Zeitschriften über schöne Schreibgeräte gelesen, die ich bekommen konnte. Viele waren es nicht und meistens waren es überwiegend Werbehefte (z.B: Kult am Pult), aber dieses Buch wurde immer wieder erwähnt. Offensichtlich zu recht. Habe gerade mal geschaut, das Buch gibt es antiquarisch noch. Na schaun wir mal…
    Denke für den Tipp und liebe Grüsse
    Kai

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