Robin Sloan: Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra

Ich hätte nie im Leben erwartet, in diesem Buch dem venezianischen Drucker und Verleger Aldus Manutius, den ich erst kürzlich in DruckSchrift vorgestellt habe, wieder zu begegnen. Aber er spielt in der hier erzählten Geschichte eine enorm wichtige Rolle, hat er Die sonderbare Buchhandlungdoch der Nachwelt einen geradezu elektrisierenden Code hinterlassen, den zu finden und zu entschlüsseln sich schon Generationen von Lesern bemühen.

Dass die wenigen Kunden die Buchhandlung Penumbra nicht aufsuchen, um hier aus dem bescheidenen Angebot an mehr oder weniger aktuellen Publikationen zu wählen, sondern gezielt Bücher verlangen, die sich auf den verstaubten meterhohen Regalen im hinteren Teil des Ladens befinden, kommt Ich-Erzähler Clay Jennon schon etwas sonderbar vor. Aber der vormals arbeitslose Webdesigner hält sich an die mit seiner Anstellung verbundenen Vorschriften, die u. a. festlegen, dass er besagte Bücher nur an registrierte Nutzer ausleihen, sie sich aber nicht anschauen darf. Bis sein Freund Mat in der Buchhandlung auftaucht und sich mir nichts dir nichts ein Buch aus dem Regal zieht …

Code, nichts als Code. In allen Büchern auf den schwindelerregend hohen Regalen. Aber Clay hat mit Mat und Neel zwei kreative Köpfe als Freunde, zu denen sich die für Google arbeitende Kat gesellt. Sie wollen wissen, was es mit den rätselhaften Büchern auf sich hat und arbeiten mit Clay an des Rätsels Lösung. Und das tun sie für die Leserinnen und Leser dieses Buches auf sehr unterhaltsame und durchaus auch spannende Art und Weise.

Autor Robin Sloan gehört wie die Hauptfiguren in diesem Buch zu der Generation, die mit Computern und den Möglichkeiten, die die Neuen Medien bieten, aufgewachsen ist. Er selbst hat für Twitter und andere Online-Plattformen gearbeitet. Seine Romanfiguren sind – wie der Autor wohl selbst auch – den sog. Nerds zuzurechnen, die Laptop, Handy/Smartphone, Kindle ständig griffbereit haben und für die Computer und Code wesentliche Hilfsmittel sind, mit denen sie dem großen Geheimnis um den Code des alten Manutius auf die Spur kommen wollen.
Hier wird also zugleich eine Brücke zwischen Alt und Neu geschlagen.

Der Autor balanciert zwischen der Beschreibung der Realität einerseits und Phantasie und Witz andererseits. Alte und neue Medien treffen aufeinander. Die Geschichte vermittelt neben der interessanten Kern-Story einen guten Einblick in die vernetzte, digitalisierte Welt mit all ihren aktuellen und vielleicht künftigen Möglichkeiten. Manche Formulierungen sind aber auch ironisch, ja persiflizierend, wenn es zum Beispiel überspitzt heißt: „Kat hat eine New York Times gekauft, aber nicht herausgefunden, wie man sie bedient, darum fummelt sie an ihrem Handy herum.“

Wie wirklichkeitsnah Leben und Arbeiten bei Google, dem Arbeitgeber von Kat, beschrieben werden, weiß ich nicht nicht genau zu sagen. Aber es kommt mir tendenziell trotz sicher vorhandener Überzeichnungen schon recht realistisch vor. Gut zu wissen, dass – zumindest in diesem Buch – Google trotz seiner unglaublichen Möglichkeiten nicht allmächtig ist und jedes Problem lösen kann …

Mein Fazit: „Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra“ ist gute, oft witzige und spannende Unterhaltung. Eine gewisse Vertrautheit mit Computern und ein Basiswissen „drumherum“ sollte bei Leser/innen allerdings vorhanden sein, auch wenn es in diesem Buch trotz und vor allem um Bücher geht und die Liebe zu diesem alten Medium unverkennbar ist. Sympathische Hauptfiguren, interessante Charaktere, Handlungsorte mit Atmosphäre und ein lockerer, amüsanter Schreibstil machen dieses Buch zu einem Lesevergnügen.

Robin Sloan
Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra
Karl Blessing Verlag 2014, 352 Seiten, 19,99 EUR

11 Kommentare

      • Ja, richtig mein erster Kommentar. Seit dem Umzug zu wordpress bekomme ich mehr mit und die Kommunikation ist deutlich besser und einfacher geworden. Wird sich erpicht der letzte Kommentar gewesen sein 😉
        Was mir aber aufgefallen ist: Seit einiger Zeit häufen sich die Veröffentlichungen über Buchhandlungen, bibliophile Themen etc. Ein gefunden Fressen für uns – die Literaturblogger 🙂
        Liebe Grüße von der Bücherliebhaberin

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  1. Liebe Ingrid,
    insgeheim hatte ich dieses Buch auch auf dem Zettel – aber eben noch nicht ganz. Jetzt wird es wohl irgendwann vom Zettel auf den berühmten SUB wandern – das scheint mir das richtige Buch für einen Urlaub mit Büchern 🙂

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  2. Liebe Ingrid,
    danke für diese Vorstellung, die mich ganz arg neugierig auf ein Buch macht, das ich bisher dann doch immer als etwas zu „trivial“ eingestuft hatte. Nun werde ich es wohl doch lesen müssen! 🙂
    Liebe Grüße
    Mara

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