Margit Krenn / Christoph Winterer: Mit Pinsel und Federkiel

Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei

Sie sind wunderschön – die mittelalterlichen handgeschriebenen Codizes. Die verwendeten alten Schriften faszinieren Bücherliebhaber ebenso wie die handgemalten Miniaturen, die Initialen und andere ausschmückende Elemente, die diese Bücher zu Kunstwerken machen.

Mit Pinsel und FederkielLeider bekommt man solche Prachtstücke nur selten, und dann auch nur aus für die Bücher sicherem Abstand zu sehen. Zum Glück gibt es aber ein reichhaltiges Buchangebot, das einzelne Epochen der Buchmalerei oder besonders berühmte oder wertvolle Schätze wie Bibeln, Stundenbücher, Evangeliare, Chroniken etc. in Verbindung mit vielen Abbildungen darstellt. Ergänzt wird diese Palette an Publikationen durch zusammenfassende Darstellungen, die einen Überblick über die Geschichte der Buchmalerei vermitteln.

Ein Buch aus der letztgenannten Kategorie ist „Mit Pinsel und Federkiel“. Es gliedert sich in drei Abschnitte: I. Buch und Bild im Mittelalter; hier geht es kurz einleitend um äußere Form und kulturelle Funktion, um Entstehungsumfeld und Auftraggeber sowie um Sammlungen und Bibliotheken. Im Abschnitt II „Aus Skriptorium und Werkstatt“ beschreiben die Autoren die ganz konkreten Schritte der Herstellung einer mittelalterlichen Handschrift. Schließlich folgt im umfangreichsten Abschnitt III „Buchkunst im Spiegel der Zeiten“ ein Abriss der Geschichte der Buchmalerei, angefangen von ihrem antiken Erbe bis zur Blüte des Spätmittelalters.

Sowohl Margit Krenn (Kunsthistorikerin und wiss. Mitarbeiterin an der Universitätsbibliothek Heidelberg) als auch Christoph Winterer (wiss. Mitarbeiter am Institut für christliche Philosophie der Universität Innsbruck) sind zweifellos ausgewiesene Experten. Ich bin mir nur nicht sicher, welche Leserschaft die Autoren dieses Buches im Auge hatten, als sie sich an die Aufgabe machten, die Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei aufzuzeichnen. In weiten Bereichen ist es ein guter Einstieg in eine hochinteressante Thematik, aber das gilt meines Erachtens nicht durchgehend.

Sehr gut gelungen ist das Kapitel II „Aus Skriptorium und Werkstatt“, das die eher praktische Seite der Buchherstellung und -malerei beschreibt.. Die Autoren schildern anschaulich, was Schreiber und Maler in den Klöstern, in denen normalerweise die mittelalterlichen Handschriften entweder für den eigenen Bedarf oder als Auftragsarbeiten hergestellt wurden, an Voraussetzungen für ihre mühevolle Arbeit brauchten: sie gehen auf die zur Verfügung stehenden Beschreibstoffe ein und stellen die für Schrift und Bild erforderlichen Werkzeuge, Tinten, Farben und Edelmetalle vor. Im Unterkapitel „Layout, Text und Buchschmuck“ geht es um wichtige Schrifttypen, die Initialkunst sowie Bildformen und Dekor.

Die Darstellung der Epochen mittelalterlicher Buchmalerei gliedert sich in 5 Kapitel: Karolingerzeit, Ottonische Buchkunst, romanische Buchkunst, gotische Buchmalerei, Spätmittelalter. Hier wird es – zumindest für Einsteiger – schwieriger. Die Beschreibungen sind recht kompakt, enthalten viele Querverweise, Bezüge auf andere Epochen, Schreiber, Skriptorien, politische Zusammenhänge, religiöse Aspekte. Es ist nicht immer einfach, den Überblick zu behalten. Leser/innen mit kunst- und/oder religionsgeschichtlichen Vorkenntnissen sowie Vertrautheit mit der Bibel – die mittelalterlichen Codizes beinhalteten lange Zeit ausschließlich religiöse Schriften mit der Bibel entlehnten Bildmotiven – sind hier jedenfalls klar im Vorteil und können aus dieser „Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei“ den größeren Nutzen ziehen.

Was das Buch auf jeden Fall attraktiv macht, sind die zahlreichen Bildbeispiele, die den Text illustrieren; sie ermöglichen das Nachvollziehen des Geschriebenen, laden zum Verweilen, zum Entdecken ein, zeigen die beeindruckende Schönheit der Buchmalerei(en). Um zu vermeiden, bei der notwendigen Auswahl wieder einmal altbekannte Objekte zu präsentieren, haben die Autoren mit der Handschriftenabteilung der Universitäts- und Landesbibliothek Darmstadt kooperiert.

Mein Fazit: „Mit Pinsel und Federkiel“ ist ein schönes, ein interessantes Buch, das ausgewiesene Liebhaber der Buchmalerei zweifellos erfreuen wird. Für Einsteiger, die sich bislang nicht oder wenig mit Geschichte, Kunst- und/oder Religionsgeschichte befasst haben, dürfte die Darstellung der Epochen eine gewisse Herausforderung darstellen, aber sie kann gut als Ansporn für eine vertiefende, sich lohnende Beschäftigung mit der Thematik dienen.

Margit Krenn / Christoph Winterer
Mit Pinsel und Federkiel
Geschichte der mittelalterlichen Buchmalerei
Primus Verlag / Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2009, 160 Seiten

2 Kommentare

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s