Ella Berthoud / Susan Elderkin: Die Romantherapie

253 Bücher für ein besseres Leben

In einem Interview, das im Literaturblog von Günter Keil nachgelesen werden kann, äußert sich Erfolgsschriftsteller Matt Haig („Ich Die Romantherapieund die Menschen“) über seine schwere Depression und die Rolle, die Bücher bei der Überwindung seiner Erkrankung gespielt haben: „Bücher haben mein Leben gerettet“. Wenn Schreiben und Lesen sogar dermaßen starke heilende Kräfte freisetzen kann – müsste dann eine Romantherapie bei vergleichsweise harmlosen Erscheinungen wie Heimweh, Schlaflosigkeit, Stress oder Menschenscheu nicht erst recht Erfolge zeitigen?

Eine – zunächst einmal – preiswerte Therapie, braucht man doch nur 20 EUR für das Buch auszugeben, das ich hier vorstelle. Die Folgekosten könnten dann allerdings größere Dimensionen annehmen, hat man erst einmal angefangen, sich all die Romane anzuschaffen, die in diesem wunderbaren Buch als Rezepte für Schwächen und Leiden aller Art angepriesen werden. Da könnte man nämlich glatt auch versucht sein, Heilmittel für Probleme zu konsumieren, die man gar nicht hat.

Die kundigen Autorinnen schlagen 253 Bücher für ein besseres Leben vor, und das mit einem Charme und einem Witz , der die Wunsch-Leseliste länger und länger werden lässt. Schon das Lesen der literarischen Rezepte macht viel Spaß. Wie mag es einem erst bei den vorgestellten Kuren selbst ergehen, unter denen man viele verlockende und zugleich gesundheitsfördernde Entdeckungen machen kann?

Ella Berthoud und Susan Elderkin sind aber nicht nur außerordentlich belesene Autorinnen;  sie kennen sich in ihrem Thema aus und können mit Therapieratschlägen aus dem Vollen schöpfen: seit 2008 bieten sie an der Londoner School of Life Bibliotherapie-Sitzungen an.

Wie schreiben die beiden Autorinnen im Vorwort zu ihrer Romantherapie?

Bibliotherapie mittels Ratgeber- und Selbsthilfeliteratur kennt man seit einigen Jahrzehnten. Doch Literaturliebhaber greifen schon seit Jahrhunderten – bewusst oder unbewusst – zur Linderung aller möglichen Leiden zu Romanen. Wenn Sie also wieder einmal ein Stärkungsmittel brauchen oder sich in einem emotionalen Durcheinander befinden, greifen Sie zu einem Buch.

Wird gemacht. Belletristische Pflästerchen und Umschläge sind mir allemal lieber als bittere Pillen.

Ella Berthoud, Susan Elderkin
mit Traudl Bünger
Die Romantherapie
Insel Verlag 2013, 440 Seiten, 20 EUR

7 Kommentare zu „Ella Berthoud / Susan Elderkin: Die Romantherapie

  1. Liebe Ingrid,
    ich habe schon überklegt, ob ich Deinen Artikel zu Ende lesen soll, denn ich fürchtete, dass Du gleich mal ein paar Beispiele für Romantherapien erzählst, die dann unmittelbar auch meine Wunschleseliste um einiges verlängert hätten. Also habe ich mit einem halben Auge schon mal voraus gelesen – und konnte Deine Besprechung dann beruhigt mit beiden Augen zu Ende lesen. Trotzdem: Du hast mich sehr neugierig gemacht, wie die beiden Autorinnen den romantherapeutischen Ansatz umsetzen, welche Romane sie für welches Wehwehchen empfehlen. Haben sich die Autorinnen denn mehr auf die Klassiker bezogen oder gibt es auch neuere Roman, die sich zu therapeutischen Zwecken lesen lassen?
    Viele neugierige Grüße, Claudia

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    1. Es gibt viele neuere Romane, auch viele aus dem deutschsprachigen Raum, wofür die Mitarbeit von Traudl Bünger gesorgt hat. Schau’s Dir das Buch mal an …
      Grüße aus der Bretagne – ich werde mich schon aus Kostengründen internetmäßig in den nächsten Wochen etwas zurückhalten müssen. Aber ich habe viele interessante Bücher dabei.

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    1. An die Heilkraft von Selbsthilfeliteratur glaube ich auch nicht, an die von Literatur aber sehr wohl! Grüße aus der Bretagne – die hat in mancherlei Hinsicht auch heilsame Kräfte.
      Ingrid

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