Alan Bennett: Die souveräne Leserin

Köstlich. Lange habe ich kein so schönes und amüsantes Buch gelesen.

Auf der Leseliste hatte ich „Die souveräne Leserin“ schon seit geraumer Zeit, aber andere Bücher haben sich immer wieder vorgedrängt. Dann stieß ich in meiner „alten“ Bücherei in Solingen auf das von Jürgen Thormann gesprochene Hörbuch. Seit ich etwas abseits ländlich wohne und für häufiger anstehende Fahrten in meine „Heimatstädte“ Solingen und Essen jeweils 2 1/2 Stunden Fahrzeit hin und zurück einplanen muss, habe ich Gefallen an Hörbüchern gefunden; sie eignen sich wunderbar als Unterhaltung während der Fahrt.

Die souveräne Leserin Hörbuch„Die souveräne Leserin“ wird von Jürgen Thormann – u. a. die Stimme Peter O’Tooles und Michael Caines – hinreissend gesprochen. Hätte mich jemand bei meinen Autofahrten beobachtet, hätte er/sie mich oft schmunzelnd, ja manchmal hellauf lachend erwischt.

Da ich aber immer noch mehr ein Bücher- als ein Hörbuchmensch bin, habe ich mir rasch das Buch gekauft und es mit ebenso viel Freude gelesen wie ich das Hörbuch gehört habe.

Die souveräne LeserinWorum geht’s? Der Engländer Alan Bennett erzählt uns, wie sich Queen Elizabeth von einer literaturfernen, starren Konventionen verpflichteten Majestät zu einer belesenen, am Schicksal von Menschen anteil nehmenden Königin entwickelt. Ihr zufälliger Besuch im vor ihrem Palast stehenden Bücherbus läutet die Wende ein. Einmal dort, leiht sie sich unsicher und ohne zu wissen, was für sie „passend“ wäre, ein Buch aus.

Im Bücherbus lernt sie Norman kennen, der in der königlichen Küche arbeitet; der junge Mann ist sehr belesen und wird für einen längeren Zeitraum ihr Führer durch die Welt der Bücher und der Literatur. Bis man am Hof einen Weg findet, ihn, der von der Queen zu ihrem Pagen befördert wurde, loszuwerden. Denn Elizabeth’s Privatsekretär und der ganze Hofstaat sind keineswegs begeistert von dem ungewohnten Leseeifer der Königin.

Das gilt auch für den Premierminister und die Regierungsmitglieder. Die mögen es gar nicht, von der Queen unvermittelt gefragt zu werden, ob sie ein bestimmtes Buch gelesen haben. Meist kennen sie es nicht und müssen damit rechnen, es von Elizabeth geschenkt zu bekommen. Aber nicht nur das – sie müssen sich auch darauf gefasst machen, später von ihr über Autor und Inhalt befragt zu werden…

Insbesondere Sir Kevin, dem Privatsekretär der Queen, obliegt es, immer wieder nach Mitteln und Wegen zu suchen, die Königin vom Lesen abzuhalten; denn die Lektüre verändert nach und nach deren Gewohnheiten und stört die eingefahrene Routine bei Hofe wie bei Staatsbesuchen oder beim „Bad in der Menge“.

Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten.

Alan Bennett erzählt die Geschichte der „souveränen Leserin“ ungemein geistreich, witzig, manchmal ironisch-bissig. Das Bändchen belegt, wie Lektüre das Leben bereichern und die Lesenden verändern kann. Es ist eine Liebeserklärung an die Literatur und zugleich eine Hommage an die Queen. Wunderbar. Und auch als Hörbuch unbedingt zu empfehlen.

Alan Bennett
Die souveräne Leserin
Wagenbach 2008, 120 Seiten, 14,90 EUR

13 Kommentare

  1. Da muss ich doch gleich beim Lesen Deines Artikels schmunzeln und erinnere mich wieder an meine eigene große Freude beim Lesen. Ein wirklich tolles Buch, an das Du mich hier erinnerst.
    Viele Grüße, Claudia

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