Ellis/Seebohm/Sykes: Mit Büchern leben

Buchliebhaber und ihre Bibliotheken

Sicher, genau besehen gehört dieses Buch auch in die Kategorie der sog. Coffee-Table-Books: mehr zum Auslegen, zum Durchblättern gedacht als zu ernsthafter Lektüre. Von daher unterscheidet es sich nicht mit-bc3bcchern-lebenwirklich grundlegend von den anderen Veröffentlichungen, die ich hier bereits im Laufe der letzten Monate zum Themenkomplex „Wohnen und Leben mit Büchern“ vorgestellt habe.

Und dennoch: „Mit Büchern leben“ hat eine Portion mehr Substanz, etwas mehr inhaltlichen Tiefgang. Sicher, es geht auch um die Unterbringung von Bücherschätzen. Aber hier wird nicht vorrangig gezeigt, wie Profi-Raumausstatter auch den letzten Hohlraum unter der Kellertreppe zum Unterbringen von Büchern nutzbar machen. Hier werden 40 Sammler/innen und ihre vielfach an Umfang wie an Wert beträchtlichen Sammlungen vorgestellt. Dass es sich dabei nicht um die Ärmsten der Armen handelt, dass diese Bücherliebhaber über Domizile und damit Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Bücher verfügen, von denen unsereins nur träumen kann, dass sie – sofern sie nicht selbst Profis sind – Architekten und Designer mit Bau und Gestaltung ihrer Bibliotheken beauftragen, versteht sich fast von selbst…

Ich habe gern in diesem Buch gelesen, wie mehr oder weniger bekannte Bücherliebhaber zu ihren Schätzen gekommen sind, wie sie ihre Sammeltätigkeit inhaltlich ausgerichtet, wie sie sich mit ihren Büchern eingerichtet haben. Die Porträts sind meist recht knapp gehalten, dabei aber doch so, dass man einen Eindruck von der Persönlichkeit des/der Sammelnden gewinnt. Ergänzend gibt es die auch in vergleichbaren Büchern zu findenden Beiträge über die Beleuchtung von Bibliotheken, Bücherregal-Varianten, Gefahrenquellen für’s Buch etc. Die Autorinnen belassen es aber nicht bei Gängigem; das Buch beinhaltet auch eine Kurzvorstellung der walisischen Bücherstadt Hay-On-Wye, ein Kapitel über Exlibris, eins über Buchbinder und Restauratoren. Hier kann man das Bemühen verspüren, sich etas von Konkurrenz-Produkten abzusetzen.

Zu den Gemeinsamkeiten von Veröffentlichungen der hier vorgestellten Art gehört, dass sie in hohem Maße von den Fotografien „leben“. Meist sind hervorragende Fotografen beteiligt. Das gilt für dieses Buch hier ganz besonders: die Aufnahmen von Christopher Simon Sykes sind einfach hinreissend. Das recht große Buchformat bringt viele seiner oftmals ganzseitig präsentierten Fotografien wundervoller Bibliotheken bestens zur Geltung. Sehr schön anzusehen sind nicht nur die Büchersammlungen selbst, sondern auch die wiederholt gezeigten „Trompe-l’oeil“-Objekte – Stoffe, Teppiche, Tapeten -, die dem Betrachter eine nicht real vorhandene Bücherwelt vorspiegeln.

Was hier gezeigt wird, dürfte für Normal-Sterbliche zumeist unerreichbar sein. Von daher stellt sich die Frage nach der Übertragbarkeit auf die eigenen vier Wände auch erst gar nicht. Mir jedenfalls nicht. Aber es gibt eben doch eine Gemeinsamkeit: die Liebe zu Büchern, das Wissen darum, dass es ohne Bücher „nicht geht“.

Von den von mir hier bereits vorgestellten Publikationen dieser Art ist mir „Mit Büchern leben“ definitiv die liebste. Ich weiß nicht, was ich mehr bewundern soll: die Büchersammlungen oder ihr Zuhause.

Estelle Ellis / Caroline Seebohm / Christopher Simon Sykes
Mit Büchern leben
Buchliebhaber und ihre Bibliotheken
Gerstenberg Verlag, brosch. Sonderausgabe 2008, 256 Seiten

7 Kommentare

  1. Bin gerade durch „Die Sonntagsleserin“ hier gelandet und mir gefällt Dein Beitrag – und Dein Blog sehr gut:-). Scheint ein wirklich interessantes und lesenswertes Buch zu sein…
    Werde hier sicherlich öfter mal vorbeischauen – bis bald… :-). LG

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  2. Diesen Bildband habe ich auch, allerdings fand ich manche Tipps ziemlich absurd, z. B. „Berücksichtigen Sie auch die Innenarchitektur. Zu einem bestimmten Stil, etwa dem Art déco, passen natürlich die entsprechenden Bücher.“ Aber drin geblättert habe ich trotzdem gern : ) Noch besser gefiel mir allerdings BücherWelten. Von Menschen und Bibliotheken von Susanne von Meiss und Reto Guntli. Liebe Grüße
    Petra

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    • Das von Dir angeführte, schon fast peinliche Zitat belegt, dass man die Texte in solchen Büchern nun wirklich nicht überbewerten darf. Alles in allem schätze ich „Mit Büchern leben“ aber doch etwas positiver ein als die von mir bisher vorgestellten anderen. „BücherWelten“ kenne ich (noch) nicht.
      Ach ja: Wer sich gern anschaut, wie Menschen (vor allem Normalos) mit Büchern leben, sollte sich mal die von Dir gestartete nette Shelfie-Reihe anschauen. Kostet nix und macht viel Spaß.
      Grüße und einen schönen Rest-Sonntag! Ingrid

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