Martin Suter: Lila Lila

Der Einstieg in Martin Suters Roman „Lila Lila“ ist wie aus dem Lehrbuch für kreatives Schreiben: Rasant. Fesselnd. Als Leser/in will man dringend wissen, wie sich die Geschichte entwickelt. Die Neugier hat bei Lila Lilamir aber rasch nachgelassen, denn die Story plätschert vor sich hin. Erst ab der zweiten Hälfte nimmt sie wieder Fahrt auf, und die Lektüre wird interessant(er).

Um was geht es? Martin Suter erzählt die Geschichte des jungen Aushilfskellners David Kern, der zufällig in den Besitz eines Romanmanuskripts kommt. Es geht darin um eine tragisch endende Liebesgeschichte. Davids Recherchen nach dem Verfasser führen zu nichts. Er setzt seinen Namen als Autor über das Manuskript, ändert ein paar Details im Text – und tut weiter nichts. Dann entdeckt Kerns Freundin Marie das Manuskript zufällig, ist begeistert von der Geschichte und den Schreibkünsten ihres Freundes und schickt das Werk ohne Wissen des vermeintlichen Autors an einen Verlag. Das Schicksal nimmt seinen Lauf …

Nach dem gelungenen Einstieg – s. oben – wird es erst einmal etwas unübersichtlich. Kaum hat man mit der Lektüre begonnen, wird man mit sehr viel Personal konfrontiert. Nicht ganz einfach nachzuhalten, wer wer ist. Dass Suter die Geschichte aus der Perspektive mehrerer Akteure schildert, nimmt ihr viel von ihrem Schwung und führt zu Wiederholungen.

Die handelnden Personen haben mich nicht wirklich überzeugt. Sie wirken auf mich sehr klischeehaft, synthetisch, nicht wie echte Lebewesen. David Kern wird zudem dermaßen naiv geschildert, dass die Glaubwürdigkeit der ganzen Geschichte leidet. Aber auch die eigentlich ganz clevere Marie hätte Suter mit mehr Durchblick ausstatten können. Doch das hätte der recht durchsichtig angelegten Geschichte ein vorzeitiges Ende bereitet…

Kurzum: „Lila Lila“ hat zu Beginn Längen, die Langeweile auslösen. Das hat dazu geführt, dass ich die Lektüre oft unterbrochen habe. Ich musste mich dann selbst immer wieder ausdrücklich auffordern, mit dem Lesen fortzufahren. Ab der 2. Hälfte habe ich mich schließlich einigermaßen gut unterhalten gefühlt. Nun ja. Eines ist aber schon jetzt klar: „Lila Lila“ wird sich sicher nicht unter meinen TOP 10 des Jahres 2014 wiederfinden.

Martin Suter
Lila Lila
Diogenes 2005, 344 Seiten

11 Kommentare zu „Martin Suter: Lila Lila

  1. Liebe Ingrid, ich stimme Dir zu: ich fand „Lila, lila“, das ich vor Jahren gelesen habe, nicht überzeugend, eher ziemlich naiv. Mir lief dann noch ein anderes Buch von Suter unter – dieses mit dem Anwalt, der irgendwelche Pilze futtert und dann auf einen Trip kommt – und habe danach das Kapitel Martin Suter für mich geschlossen (eingestiegen bin ich mit seinen Kolummnen aus der Wirtschaftswelt – die waren sehr unterhaltsam).

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    1. Witzig: ich kenne außer Lila Lila von Suter auch nur „Die dunkle Seite des Mondes“ (das ist der Roman mit dem Anwalt und den Pilzen).
      „Die dunkle Seite des Mondes“ hatte mir ganz gut gefallen, deshalb bin ich (zu) optimistisch an Lila Lila herangegangen.

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  2. Für mich gehört Lila – Lila zu den Lieblingsbüchern. An den Schreibstil kann ich mich gerade nicht erinnern. Was mich daran begeistert hat war die Idee. Vielleicht ist das Buch ja auch deswegen lesenswert. Ob es zu meinen TOP 10 gehört glaub ich auch nicht. Aber zu den TOP 100.

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  3. Das Buch fand ich unterhaltsam. Auf einer Reise las ich es fast in einem Ratsch. Der Film, der eigentlich eine Farce auf Starkult und Medienhysterie hätte werden müssen, hat mir weniger gut gefallen.
    Mit lieben Grüßen aus Norfolk,
    Dina

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