Joachim Elias Zender: Geliebte alte Bücher

Sammeln – Pflegen – Schätzen

Geliebte alte BücherManchmal nimmt eine Büchersammlung (wie andere Sammlungen auch) ganz unmerklich ihren Anfang: man wird gelegentlich auf dem Flohmarkt fündig, entdeckt bei Ebay hin und wieder ein interessantes Altertümchen und „schägt zu“, nutzt den Einkauf im Buchladen zu einem Abstecher ins angegliederte Antiquariat und stößt unvermittelt auf eine erschwingliche illustrierte Ausgabe mit Werken eines verehrten Autors … Und ehe man sich versieht, hat man eine kleine, aber feine Sammlung alter Bücher zusammengetragen. Spätestens dann ist der Zeitpunkt gekommen (und vermutlich der Wunsch da), sich intensiver mit seinen Sammelobjekten zu befassen, fundiertes Grundwissen zu erwerben.

Andere kaufen von vornherein zielbewusst alte Bücher in der Absicht, ihr Geld anzulegen. Für diese Sorte Sammler, soweit sie auf eigene Faust vorgehen, ist mindestens solides Basiswissen unerlässlich. Fachwissen entsteht dann mit der Zeit durch ständige Auseinandersetzung mit der Materie.

Dann gibt es noch die Bücherliebhaber mit einem besonderen Interesse an der Geschichte des Buches.

Sie alle und diejenigen, die sich irgendwo dazwischen bewegen, finden in Zenders „Geliebte alte Bücher“ eine informative Einführung, einen nützlichen Ratgeber.

Der Autor beschreibt zunächst, worauf beim Kauf eines alten Buches geachtet werden sollte (Thema, Ausstattung, Erhaltungszustand, Einband u.a.) und was ein Buch wertvoll macht oder seinen Wert ggfs. mindert. Er zeigt mögliche Einkaufsquellen auf und demonstriert Schritt für Schritt, wie man die Angaben in einem Antiquariatskatalog zu lesen hat. Ein weiteres grundlegendes Kapitel ist dem Aufbau des Buches gewidmet. „Vorsatz“ und „Kopfschnitt“ etwa sind Begriffe, die Bücherfreunden wahrscheinlich geläufig sind; aber bei Bezeichnungen wie „Schutzkappe“, „Bodensignatur“, „Supralibros“, „Kolophon“ oder „Kustode“ wird es schon kniffliger.

Andere Kapitel befassen sich mit Papier, dem „Stoff, aus dem die Bücher sind“, der Kunst der Drucker, Buchillustration und Buchgeschichte. Schließlich geht es um den pfleglichen Umgang mit den alten Schätzen, um Gefahren, denen sie ausgesetzt sein können (mechanische, biologische und chemische Schäden, Schäden durch schlechtes Aufbewahrungsmaterial u. a.), zu vermeiden. Manches, was dort zu lesen ist, dürfte „Normalos“ unter den Büchersammlern doch etwas zu weit gehen, aber Vorsicht ist bekanntlich die Mutter der Porzellankiste.

Alles in allem aber ist „Geliebte alte Bücher“ ein brauchbarer Einstieg in die wunderbare Welt alter Bücher. Die für den Sammler am Beginn seiner Sammeltätigkeit wesentlichen Punkte werden abgehandelt. Wer sich angeregt fühlt, tiefer in die Materie einzudringen, findet im ausführlichen Literaturverzeichnis am Ende des Buches nützliche Hinweise.

Dank seiner sorgfältigen Aufmachung (die allerdings ihren Preis hat) und zahlreichen schönen Abbildungen ist „Geliebte alte Bücher“ zudem ein Schmuckstück, das sich in jedem Bücherschrank gut macht.  Leider hat man dem Text nicht ganz so viel Aufmerksamkeit zukommen lassen wie dem Buchäußeren. Manche Passagen, in denen sich „auf kürzester Distanz“ zuvor gemachte Aussagen wiederholen,  erwecken den Eindruck, es habe dem Autor bei abschließender Durchsicht des Geschriebenen an Konzentration gefehlt. An der insgesamt positiven Bewertung des Buches ändert das aber nichts.

Joachim Elias Zender
Geliebte alte Bücher
Sammeln – Pflegen – Schätzen
Jan Thorbecke Verlag 2010, 136 Seiten, 34,90 EUR

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