Leslie Geddes-Brown: Räume für Menschen, die Bücher lieben

Das Strickmuster ist stets gleich: belanglose Texte – hervorragende Fotos. Die Rede ist von jenen populären Publikationen, die sich um das Wohnen mit Büchern drehen. „Räume für Menschen, die Bücher Räume für Menschenlieben“ macht da keine Ausnahme. Stets geht es um von Architekten, Designern oder Künstlern gestaltete Räumlichkeiten und deren Nutzung für die praktische oder phantasievolle Unterbringung von Büchern, vom Wohn- über Schlaf- bis zum Arbeitszimmer, von der Küche bis zum Bad. Wer eines dieser Bücher besitzt, braucht die anderen Veröffentlichungen nicht. Es sei denn …

Es sei denn, man kann sich einfach nicht satt sehen an schönen Fotos, die Bücher in jedem Winkel einer Wohnung zeigen. Sagte ich „Wohnung“? Nun ja, das ist doch eine arge Untertreibung. Wer nicht ein Loft in New York bewohnt, ein Landhaus in der Toskana, eine Villa in Rom oder ein Schloss in der Provence, ist außen vor. Das ändert aber nichts an der Beliebtheit solcher Bücher. Gerät ihnen erst einmal eins in die Hände, können Bücherfreunde kaum widerstehen …

Lässt sich – jenseits von Staunen oder Schwärmerei – dennoch ein praktischer Nutzen aus Veröffentlichungen der genannten Art ziehen, etwa wenn man „nur“ ein kleines Eigenheim zur Verfügung  oder eine 3-Zimmer-Wohnung angemietet hat? Manche Präsentationen können durchaus anregend sein, zum Nachdenken über bessere Unterbringung oder Ordnung in den eigenen vier Wänden animieren. Vielleicht ist die hier in diesem Buch gezeigte Aufbewahrung in Flur, auf oder unter der Treppe ja „die“ Idee? Natürlich kann man auch „Mit Büchern inszenieren“ – indem man die Druckwerke stapelt, auf Tischen platziert oder so stellt, dass man nicht auf Bücherrücken, sondern auf Cover schaut. Für andere Bücherliebhaber mag das Kapitel „Mit Büchern einrichten“ nützlich sein; hier geht es u. a. um Beleuchtung, Raumteiler als Regale, Designer-Regale, sogar auch – man staune – um „Niedrige Regale“.

Letztlich sind Bücher wie „Räume für Menschen, die Bücher lieben“  aber doch eher etwas „für’s Auge“, sog. „Coffee-Table-Books“: sie sehen gut aus, laden zum Blättern ein und machen sich auf Kaffeetischchen äußerst dekorativ. Es würde mich nicht wundern, wenn sie von den Firmen, deren Adressen sich im Anhang befinden, mitfinanziert würden. Wer bietet schon – direkt oder indirekt – Werbemöglichkeit ohne Gegenleistung an?

Leslie Geddes-Brown
Räume für Menschen, die Bücher lieben
Deutsche Verlags-Anstalt 2010, 160 Seiten, 29,95 EUR

12 Kommentare zu „Leslie Geddes-Brown: Räume für Menschen, die Bücher lieben

  1. Liebe Ingrid

    Ich hab nicht mal eine Treppe, unter die ich meine Bücher auch noch stellen könnte. Wenn ich alles schön geordnet habe wollte, bräuchte ich, entweder eine grössere Wohnung (am besten gleich ein Haus ;)) oder aber ich müsste wieder einmal Bücher ausrangieren, was ich aber gar nicht übers Herz bringe. Solche Bildbände, wie du sie vorstellst sind zwar schön anzuschauen, aber kaufen werde ich sie nicht. Grund: siehe oben 🙂

    LG buechermaniac

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    1. Hallo buechermaniac, schön, mal wieder von Dir zu hören. – Die mittlerweile 3 Bücher, die ich bisher rund um das Thema „Wohnen mit Büchern“ vorgestellt habe, hatte ich alle aus der Bücherei ausgeliehen. Denn mir geht es wie Dir: ich schaue sie sehr gern an, zumal meist hervorragende Fotografen am Werk sind. Kaufen würde ich sie aber nicht; der praktische Nutzen ist für mich einfach zu gering. Grüße in die Schweiz und ein schönes Wochenende, Ingrid.

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  2. Liebe Ingrid,
    vor meinem Umzug habe ich das Netz durchstöbert, um Ideen für meine Bücher zu sammeln. Es gibt so viele kreative Möglichkeiten!
    Ich verzichte in der Regel auf diese Art von Bildbänden, ich mag zwar die Fotos sehr aber ich habe so wenig Platz und dann kaufe ich lieber ein Kunstbuch ……
    Aber ich finde es toll, in diesen Büchern zu blättern… und wenn ich allen Platz dieser Welt hätte, dann …..
    Einen schönen Abend wünscht dir Susanne

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    1. Liebe Susanne, nach einem Umzug bietet es sich ja geradezu an, nach neuen Ideen für die Unterbringung von Büchern zu suchen. Dabei können Bücher wie das hier vorgestellte helfen, aber man darf sie auch nicht überschätzen. Sie „leben“ vor allem von den wundervollen Fotos. Herzliche Grüße, Ingrid

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  3. Liebe Ingrid,

    bei deinen Buchvorstellungen werde ich eigentlich regelmäßig schwach, hier reizt mich aber nicht ganz so viel. Bücherfotos ziehen mich zwar magisch an, aber ich glaube, ich mag lieber „authentische“ Räume, kleine, mit Büchern vollgestellte Zimmerchen und keine durchdesignten Lofts für den Kaffetisch.

    Mein Geldbeutel freut sich. 🙂

    Liebe Grüße
    Mara

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    1. Es ist dank der hervorragenden Fotos zwar ein schönes Buch, aber keines, das man unbedingt haben muss. Vielleicht hast Du ja mal die Möglichkeit, es Dir in einer Bibliothek auszuleihen. Das reicht. Herzliche Grüße, Ingrid

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  4. : ) Wie wahr, also dein Einstieg, dass die Fotos in solchen Büchern meist toll, die Texte eher weniger aufregend sind. Aber mir geht’s wie dir, ich kaufe auch immer mal wieder solche Bildbände, es ist einfach interessant oder auch nur schön, sich gute Ideen und ihre Umsetzung in anderer Leute Wohnungen, Lofts oder Häusern anzuschauen. Doch außer in feine Fotos noch in jemanden zu investieren, der auch gute Texte dazu schreibt, wäre mal ein echter Fortschritt.

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    1. Dank der oft hervorragenden Fotos macht es wirklich Spaß, solche Bücher durchzublättern, und die eine oder andere Anregung fällt dabei auch ab. Den Kauf habe ich mir bisher aber verkniffen; die, die ich bislang in DruckSchrift vorgestellt habe, waren alles Leihgaben, die mir meine „alte“ Stadtbücherei Solingen via Fernleihe aus Bibliotheken, die dem nordrhein-westfälischen Bibliotheksverbund angeschlossen sind, besorgt hat. Oft geht es mir bei „Fernleihe-Büchern“ so, dass ich sie eigentlich nur kennenlernen/lesen/vorstellen möchte, sie aber dann so interessant finde, dass ich sie doch noch kaufe. Bei den vorgestellten „Wohnen mit Büchern“-Büchern aber hat mir die Ausleihe gereicht; ich habe allerdings noch ein paar im Visier …

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