Zehn Gebote des Schreibens

Zehn Gebote des SchreibensWenn es auch für so manchen Beitrag in diesem Büchlein nicht gilt – den Titel sollte man ernst nehmen. Jedenfalls was die Zahl 10 angeht. Analog dem großen Vorbild präsentieren die hier versammelten Autorinnen und Autoren jeweils von 1 – 10 ihre Gebote des Schreibens. Manche fassen sich super-kurz (Michael Krüger, Gebot 4: „Lesen“; Gebot 5: „Streichen“; Gebot 6: „Beobachten“); andere Autoren äußern sich etwas ausführlicher (Beispiel Andrea De Carlo, Gebot 1: „Schreibe nur über Dinge, die du aus eigener Erfahrung kennst. Menschen, Orte, Beziehungen, Situationen, Atmosphären: Du solltest genau wissen, wohin du deine Figuren und Leser mitnehmen willst.“).

Ob nun kürzer oder länger – das Büchlein sollte auf keinen Fall als Schule des Schreibens verstanden werden. So wie es angelegt ist, kann es das nicht leisten, zumal die Autoren aus ihrer ganz individuellen Sicht und Erfahrung nicht selten Gegensätzliches empfehlen. Schreibbeflissene können/müssen sich also  aus diesem Gemischtwarenladen herauspicken, was ihnen nützlich sein kann. Hinzu kommt, dass manche der Schriftsteller ihre „Aufgabe“ auch nicht ganz ernst genommen und ihre „Gebote“ witzig (manchmal angestrengt witzig) oder ironisch formuliert haben (Margret Atwood, Gebot 1: „Packe einen Bleistift ein, wenn du im Flugzeug schreiben willst …“).

Insgesamt hat die Deutsche Verlags-Anstalt in diesem kleinen Buch, das wegen des Formats und Lesebändchens an ein Notizbuch erinnert, 42 national wie international renommierte Autorinnen und Autoren versammelt. Ein paar Namen habe ich schon genannt. Hier noch ein paar andere: Alessandro Baricco, Jonathan Franzen, Thomas Glavinic, Ulla Hahn, A. L. Kennedy, François Lelord, Hilary Mantel, Harald Martenstein, Hakan Nesser, Ingrid Noll … Sämtliche Autoren werden im Anhang kurz vorgestellt. Wie man den Copyright-Vermerken entnehmen kann, wurden längst nicht alle „Gebote“ ausdrücklich für dieses Buch verfasst, sondern schon früher andernorts publiziert.

Ein Gebot findet sich in der vorliegenden Zusammenstellung immer wieder: Lesen! Lesen! Lesen! Das lese ich gern, und deshalb wende ich mich nun rasch wieder einem Buch zu. Allerdings einem anderen. Auch wenn dieses hier ganz amüsant, ja gelegentlich auch erhellend oder nützlich ist. Mir scheint, und das ist

mein Fazit: der Unterhaltungswert ist größer als der Nutzwert. Daran ändern auch die paar freien Seiten, die für eigene Notizen „eingebaut“ sind, nichts. Eine nette, nicht gerade preiswerte Lektüre für „zwischendurch“. Oder ein  – buchstäblich – kleines Geschenk für schreibende Freunde.

Zehn Gebote des Schreibens
DVA, 2. Auflage 2011, 176 Seiten, 14,99 EUR

8 Kommentare zu „Zehn Gebote des Schreibens

    1. Manche Beiträge sind durchaus interessant und enthalten hilfreiche Tipps und Hinweise; leider kann man das nicht von allen sagen. Wenn das Bändchen bei Schreiblockaden hilft – um so besser. Viele Grüße, Ingrid

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  1. Ich habe das Büchlein in einem Kurs zum Kreativen Schreiben kennengelernt; jede Woche haben wir zum Einstieg die Schreibregeln eines anderen Literaten besprochen. Diskussionsstoff bot es auf jeden Fall, denn meist hatte jeder eine andere Meinung dazu 🙂 Zum Ende des Kurses hat jeder dann seine eigenen Schreibregeln aufgestellt. Dafür hat sich das Buch wirklich gut geeignet.
    Als ich es später in einer Buchhandlung noch einmal durchgeblättert habe, hatte ich aber nicht das Gefühl, es kaufen zu müssen.

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  2. Das Bändchen habe ich mir vor wenigen Monaten zugelegt – eine Handtaschen[Rucksack]Lektüre für zwischendurch, in die ich immer wieder gern hineinblättere. Auch wenn der Unterhaltungswert den Nutzwert übertreffen mag, – das darf auch sein und gefällt -, die hier und da aphoristisch angelegten Beiträge zum Schreiben lassen mich im AugenBlick der Lektüre nachsinnen.

    Ich freue mich, dass Du das Bändchen oder Schreibbrevier mit Augenzwinkern vorstellst!

    Liebe Grüße von Karin

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    1. Hallo Frau Feuerfalter, ich denke, man darf das Bändchen nicht überbewerten, aber bei der Lektüre „zwischendurch“ (so hältst Du es ja auch) findet man darin durchaus auch Nachdenkenswertes/Anregendes . Herzliche Grüße nach München, Ingrid

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  3. Liebe Ingrid,

    eine Premiere! Endlich stellst du mal ein Buch vor, bei dem ich denke: ja, ganz interessant – kaufen muss ich es mir aber nicht umgehend. Wenn er könnte, würde sich mein Geldbeutel bei dir bedanken. 🙂

    Liebe Grüße
    Mara

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