Gisèle Freund: Gesichter der Sprache

Schriftsteller um Adrienne Monnier.
Fotografien zwischen 1935 und 1940

Zeitlos. Schön. Auch 17 Jahre nach seiner Veröffentlichung lohnt es sich noch, in diesem Bildband zu blättern. Wer Adrienne Monnier schätzt und die Arbeiten von Gisèle Freund liebt, wer sein Herz an die Literatur verloren hat, wird nicht enttäuscht.

Freund Gesichter der Sprache„Gesichter der Sprache“ ist anlässlich einer Ausstellung im Sprengel Museum in Hannover 1996 erschienen. Der Band vereint 50 Fotografien von Gisèle Freund, die Adrienne Monnier sehr verbunden war und ihr viel verdankt. So publizierte die Betreiberin der Buchhandlung „La Maison des Amis des Livres“, die u. a. aber auch verlegerisch tätig war, die Doktorarbeit der jungen, in Paris lebenden Emigrantin aus Deutschland. Und sie errichtete in ihrer Buchhandlung eine kleine Abteilung, die es Freund ermöglichte, ihre ersten fotografischen Arbeiten zu zeigen und zu verkaufen.

Adrienne Monnier ist hierzulande, wie mir scheint, wenig bekannt. Weniger jedenfalls als Sylvia Beach mit deren Buchhandlung „Shakespeare and Company“. Dabei ist Monnier für die Entwicklung der französischen Literatur und den Literaturbetrieb der 30er und 40er Jahre  nicht weniger wichtig als es Beach für die englische und amerikanische Literatur war. Aus den Freundinnen, die beide ihre Buchhandlungen in der Pariser Rue de l’Odéon betrieben und eng zusammenarbeiteten und die z.B. die Veröffentlichung des „Ulysses“ von James Joyce möglich machten, wurden Lebensgefährtinnen, bis sich Adrienne, unheilbar krank, im Jahr 1955 das Leben nahm.

Gisèle Freund, 1908 in Schöneberg bei Berlin geboren, musste 1933 nach Paris emigrieren; 1935 lernte sie Adrienne Monnier und Sylvia Beach kennen. In der Buchhandlung von Monnier konnte sie ihre ersten Farbfotografien in Dia-Vorführungen präsentieren. Heute legendäre Aufnahmen von James Joyce und in der Folge vieler bedeutender Schriftstellerinnen und Schriftsteller, die in den Buchläden von Monnier und Beach ein und aus gingen, entstanden. Unter anderen finden wir in dem vorliegenden Band Aufnahmen von André Malraux, Louis Aragon, Elsa Triolet, Walter Benjamin, Colette, Bryher, T. S. Eliot. Und natürlich wurden auch die beiden Buchhändlerinnen selbst von Gisèle Freund porträtiert. Das eindrucksvolle Foto auf dem Buchcover zeigt Adrienne Monnier.

Der vorliegende Band zeigt 50 Aufnahmen der Frau, die von Adrienne nach Kräften unterstützt wurde und die sich zu einer bedeutenden, international tätigen Fotografin entwickelte. Am 31. März 2000 starb Gisèle Freund im Alter von 91 Jahren in Paris an Herzversagen.

Gisèle Freund
Gesichter der Sprache
Schriftsteller um Adrienne Monnier – Fotografien zwischen 1935 und 1940
einleitende Texte von Irene Neyer-Schoop (Gisèle Freund) und Carl H. Buchner (Adrienne Monnier)
Sprengel Museum Hannover 1996

Mehr Informationen über Gisèle Freund bei Wikipedia.

Ergänzende Infos zu Adrienne Monnier ebenfalls bei Wikipedia.

Buchbesprechungen hier im Blog:
Adrienne Monnier: Aufzeichnungen aus der Rue de l’Odéon
Sylvia Beach: Shakespeare and Company

6 Kommentare

  1. Post Scriptum
    Und herzlichen Dank soll ich von meinen liebfrechen Buchfeen Siri und Selma sagen und dass sie sich bannig gefreut haben, dass du ihren teuflischen Artikel unter „Gefällt mir“ aufgelistet hast 🙂 🙂 Du hast den beiden eine große Freude bereitet 🙂

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  2. Danke für die inspirierende Erinnerung. Manchmal liest man etwas (so wie diesen Artikel) und es ist, als öffnet sich eine zuvor unsichtbare Tür. Plötzlich strömen Bilder, Erinnerungen, Ideen, Möglichkeiten…Ich muss mich unbedingt weiter informieren. Ich hoffe, ich finde ein paar Fotos von Freund online.

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