Geschichte der Buchmalerei: Goldenes Mittelalter

Mit diesem Buch werde ich noch längere Zeit beschäftigt sein. Nicht, weil es so dick wäre – mit 158 Seiten ist es kein „Wälzer“. Nicht, weil es schwer verständlich wäre – die Autorin Anja Grebe hat ein gut lesbares Buch geschrieben. Nein, es ist die Vielzahl der wunderbaren Abbildungen, die eine  Fülle von Goldenes MittelalterDetails enthalten, die einfach Zeit und Aufmerksamkeit erfordern, um sie wirklich aufnehmen zu können.

Anja Grebe lehrt Kunstgeschichte an der Universität Erlangen-Nürnberg und hat bereits diverse Veröffentlichungen zur mittelalterlichen und modernen Kunstgeschichte vorgelegt. Hier nun wirft sie einen Blick auf 1000 Jahre europäische Buchkunst. Sie tut das umfassend, ohne zu ermüden, und bietet dem Leser eine fundierte Einführung in die mittelalterliche Buchmalerei.

Auf ein einleitendes Kapitel über die Bedeutung der Buchmalerei folgt ein Kapitel über die historischen Grundlagen. Hier wird u. a. anschaulich geschildert, wie die (arbeitsteilige) Buchproduktion im Mittelalter aussah und wie in den Klosterskriptorien und Handwerkerateliers gearbeitet wurde.

Unter „Miniatur, Initiale, Bordüre“ werden die Grundformen der Buchmalerei vorgestellt; dann geht es um die Geschichte und Entwicklung der mittelalterlichen Buchmalerei, angefangen bei der Spätantike bis zum Spätmittelalter. Abschließend folgt ein Ausblick mit dem Titel „Illuminierte Bücher in Renaissance und Barock“.

Das Buch ist also sehr informativ und gut geschrieben, auch wenn die Autorin sich gelegentlich etwas wiederholt. Auf die Fülle der wunderbaren Abbildungen (ich habe sie nicht gezählt, laut Klappentext sind es rund 150)  habe ich schon hingewiesen.

Was ich mir gewünscht hätte, wäre eine etwas bessere Abstimmung zwischen Text und Bild. Wenn es zum Beispiel im Text heißt: „Eine Vorstellung von der gebückten Haltung mittelalterlicher Schreiber vermittelt eine ungewöhnliche Miniatur im Evangelistar Heinrichs III., die einen Einblick in das Skriptorium der Abtei Echternach um 1040/45 gibt.“ schaut man unwillkürlich auf die Abbildung auf der entsprechenden Seite (oder auf der nebenstehenden) in der Erwartung, sich diese Szene ansehen zu können. Die Abbildungen zeigen aber etwas ganz anderes. In anderen Fällen muss man etwas vor- oder zurückblättern oder es gibt gar keinen Zusammenhang.

Dennoch bleibt kurz und bündig zu sagen: ein schönes, großformatiges Buch (24 x 30 cm), das sich auch gut als Geschenk für Bücherliebhaber eignet. (Obwohl erst 2007 erschienen, ist es aber schon jetzt nur noch antiquarisch erhältlich.)

Schade nur, dass man außergewöhnlich reich sein muss, um sich eines der vorgestellten Bücher aus dem „Goldenen Mittelalter“ in den Bücherschrank stellen zu können … Wenn sie denn überhaupt verkauft werden. Aber darüber muss ich mir nicht wirklich Gedanken machen.

Anja Grebe
Goldenes Mittelalter
Geschichte der Buchmalerei
Jan Thorbecke Verlag 2007

7 Kommentare zu „Geschichte der Buchmalerei: Goldenes Mittelalter

  1. Vielen Dank, liebe Ingrid, für die Vorstellung dieses Buches hier.
    Grundsätzlich schätzen wir Gespräche, Momente, Begegnungen und vor allem auch Bücher, „die einfach Zeit und Aufmerksamkeit erfordern, um sie wirklich aufnehmen zu können“.
    Herzlichen Dank für diesen feinen Tip!
    Dieter und mb

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    1. Ich denke auch, dass es wichtig und hilfreich ist, sich gelegentlich aus der Tageshektik auszuklinken und sich zum Beispiel in Ruhe einem schönen Buch oder Bild zu widmen. Herzliche Grüße, Ingrid

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    1. Freut mich, dass es Dir gefällt. Mir geht es mit den Themes und dem Wechsel der Layouts ja ein wenig wie Dir … Ich könnte mir aber gut vorstellen, dass Du mit Deinem inzwischen zufrieden bist. Mir gefallen KAINe Kolumnen, so wie sie sich jetzt präsentieren, jedenfalls auch optisch ausgesprochen gut. Herzliche Grüße, Ingrid

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  2. Liebe Ingrid,
    es ist postwendend auf meine Wunschliste gewandert…..
    Es hört sich sehr interessant an und ich freue mich schon auf Weihnachten, dass ist der nächste Termin, an dem meine Familie meine Amazon Wunschliste angeht.
    Liebe Grüße Susanne

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