Georg Ruppelt: Buch- und Bibliotheksgeschichte(n)

Ich will es gar nicht in Zweifel ziehen: Georg Ruppelt, Direktor der Gottfried Wilhelm Leibniz Bibliothek (Niedersächsische Landesbibliothek) in Hannover, zuvor Stellvertreter Paul Raabes an der Ruppelt BuchgeschichtenHerzog August Bibliothek in Wolfenbüttel, vielfach engagiert, z.B. im Deutschen Bibliotheksverband), ist sicher ein wichtiger Mann im deutschen Buch- und Bibliothekswesen. Aber hat er so Bedeutendes geleistet, so Wegweisendes formuliert, dass sich der Olms Verlag mit dem hier vorzustellenden Sammelband veranlasst sehen konnte, Aufsätze Ruppelts, deren Erstveröffentlichung vielfach weit zurückliegt (oft 80er oder 90er Jahre) – wenn auch in mehr oder minder überarbeiteter Form – wieder „unter’s Volk“ zu bringen? Ist der Autor wirklich so wichtig, dass das im Anhang nicht zu übersehende Publikationsverzeichnis Ruppelts allein 37 von insgesamt 229 Seiten einnimmt und vermutlich jede seiner Veröffentlichungen, jeden seiner Hörfunkauftritte seit 1977 penibel aufführt?

Ich würde schon gern wissen, wie es zu diesem Buch eigentlich gekommen ist …

Wenn man einmal davon absieht, dass es in den veröffentlichten Beiträgen nahezu ausnahmslos um das Thema Buch geht: wo ist der rote Faden, der die einzelnen Aufsätze zusammenhält? Für mich ist das hier ein eher zufälliges Sammelsurium: In immer recht kurzen Beiträgen geht es um Bücherschänder und Bücherdiebe, um „Merkwürdige Fälle aus der Zensurgeschichte“, um einen Abriss der Geschichte von Reclams Universal-Bibliothek, um Tarnschriften gegen die NS-Diktatur und um Bücher und Zeitungen in Deutschland 1945, um „Henriette Davidis und ihr berühmtes Kochbuch“ und um das „Vergnügen, in alter Küchenliteratur zu lesen“. Ein Kapitel enthält eine Bibliotheksgeschichte im Überblick, ein weiterer Aufsatz befasst sich mit den „deutschen Bibliotheken am Anfang des 21. Jahrhunderts“. Dass nichts vertieft werden kann, versteht sich bei insgesamt 12 Kapiteln und nur knapp 200 für den eigentlichen Text zur Verfügung stehenden Seiten von selbst.

Auch mit dem Titel habe ich meine Probleme: Das Buch enthält viele Buchgeschichten, aber keine Buch- und Bibliotheksgeschichte, auch wenn einzelne Beiträge buch-, bibliotheks- und verlagsgeschichtliche Aspekte aufgreifen. Wer eine zusammenhängende geschichtliche Darstellung sucht, die ihren Namen verdient, wird hier nicht fündig.

Leider macht auch die optische Aufbereitung wenig Freude: Bleiwüsten (wenn man das in der heutigen Zeit noch so sagen kann), wohin man schaut; oftmals lange, in kleiner Schrift gesetzte Zitate. So macht die Lektüre von Ruppelts „Gesammelten Werken“ wenig Spaß, auch wenn der eine oder andere Aufsatz ganz interessant ist.

Alles in allem aber: ein überflüssiges Buch.

Georg Ruppelt
Buch- und Bibliotheksgeschichte(n)
Georg Olms Verlag, Hildesheim 2007

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